🦀Bilderbuch

Hab ja sonst nicht viel zu tun, ausser die Scherben wegzuräumen, von allem was zerbrochen ist und wegzubrechen scheint und warten.
Ob und wann und wie ich wieder arbeiten darf, ob und wann und wie es mit diesem Ausnahmezustand weitergeht.
Also habe ich mir ein Buch mit meinen 🦀Bildern gemacht.

So zum Jubiläum quasi. Heute ist Freitag in der zweiten Schulwoche nach den Frühlingsferien. Letztes Jahr war das der Zeitpunkt der ersten Chemo. Auch wenn es vom Datum her noch ein paar Tage geht bis zum exakten Jahrestag.
Deshalb nur ein Quasi-Jubiläum.

Vielleicht sollte ich mir heute einen Campari Soda gönnen. 🤔 (Schön in der gleichen Farbe wie die Infusion)

Neues Chemo-Schema: Angst und Erleichterung

Furchtbar nervös war ich, vor dem neuem Schema.
Einerseits hatte ich erstmals zweieinhalb Wochen Pause nach der letzten AC Gabe. So gut ging es mir also seit Beginn der Behandlung noch nie. Und so wurde mit näherrücken des neuen Chemo-Termins die Unlust, meinen Körper neu vergiften zu lassen, immer grösser. Denn so fühlte sich dieses erste Chemo-Schema jeweils an. Ich werde innerlich vergiftet.
Andererseits wurde mir gesagt, dass die neuen Medikamente sehr, sehr langsam verabreicht werden würden, ich dazwischen zwei Stunden überwacht werden müsse und ich genügend Zeit einberechnen sollte. Leider hatte ich verpasst zu fragen, was denn schlimmes passieren könne. Super Voraussetzung für einen phantasievollen Menschen auf der Chemo-Wartebank…

Leider fühle ich mich von der Bebilderung der Info-Broschüre nicht so ganz angesprochen. Warum wohl?

So bin ich am Mittwoch nach einer unruhigen, kurzen Nacht um 09:30 mit meinem neuen Skateboard ins Spital gefahren, um den obligaten Bluttest zu machen. Das Gespräch mit dem Onkologen war auf 10:00 Uhr geplant und ich rechnete mit so späterem Nachmittag, um wieder raus zu sein. Well.
Um 17:40 Uhr verliess ich das Spital.

Wie immer wurde ich sehr umsorgt, bekam ein Kissen, damit mein Infusionsarm bequem lag. Ich hatte mich mit meinem Noise-Canceler-Kopfhörer, dem Hape Kerkeling Hörbuch und Lesematerial ausgestattet. Aber die Zeit schlich doch furchtbar langsam.
Das erste Mittel eine Stunde lang, dann spülen. Das zweite Mittel anderthalb Stunden lang, dann spülen. Und obwohl mir beim letzten Mal gesagt wurde, ich dürfte in der Überwachungspause ruhig mit dem Infusionsgalgen etwas im Park spazieren gehen. ging das nicht, weil des Ruckeln des Lifts ins Erdgeschoss eine Verletzung meiner Vene hätte provozieren können und dann hätten sie für die Chemo nochmals neu stechen müssen.
Aber ich durfte auf den Balkon, der zwar schmal, aber etwa 15m lang war. Dort zog ich meine Runden und schaute in den Spitalpark.
Dann noch einmal eine Stunde für das Taxol.
Allergieschock hatte ich keinen, mein Puls war normal, Fieber bekam ich auch keins, alles gut also.
Ein paar Mal musste ich aufs Klo. Und ich habe eine Hochbegabung diesbezüglich, ich schaff es immer den Infusionsschlauch so um den Galgen zu wickeln, dass ich mich nicht auf die Kloschlüssel setzen kann und das Teil erste auswickeln muss.
Einmal wusste ich nicht, ob ich diese Infusionsmaschine, die die Einlaufgeschwindigkeit misst, vom Strom trennen darf, um aufs Klo zu gehen. Also drückte ich den Alarmknopf.
Da stürzten sie gleich zu zweit ins Zimmer.
Ich: Alles easy. Ich muss nur aufs Klos und wusste nicht, ob ich das ausstecken darf.
Sie lachten: Ja. Easy auch her. Ich helfe kurz!

Im Gegensatz zum Doxorubicin brennt Taxol nicht in den Venen. Mir wurde auch kaum übel. Müde war ich, aber das vielleicht auch von dem ganzen Tag im Spital. Insgesamt ging es mir am Abend nach der Chemo so gut, wie sonst vielleicht am Tag 6.
Am nächsten Morgen habe ich mich kurz gefragt, ob sie mir vielleicht nur NaCl verabreicht haben, so gut wie ich mich fühle. Aber da habe ich meine roten Chemobäckchen im Spiegel gesehen und das leicht aufgedunsene Gesicht.

Aber es ist wirklich kein Vergleich mit dem ersten Chemo-Schema.
Sogar im Kino war ich gestern. Das erste Mal seit Therapiebeginn hatte ich genug Energie!!!
Leider hatte ich dann in den Träumen ein furchtbar schlechtes Gewissen. Sämtliches Personal wies mich darauf hin, dass ich jetzt Kopfschmerzen habe, weil ich mir zuviel zugemutet hätte. Dabei war es wohl der Wetterumschwung, der mein Kopf zum hämmern brachte.
Aber ein schlechtes Gewissen haben, weil man am Tag nach der Chemo es schafft ins Kino zu gehen und einfach mal alles vergessen, das ist ja auch superschräg…
Es darf ja auch wieder mal etwas einfacher sein.
Nicht?

Onkologie: Das Gespräch

Die Informationsflut war enorm. Mein Gehirn sowieso nicht ganz aufnahmefähig.
Neben dem Herrn Onkologen war noch eine Care Nurse anwesend. Ich erfuhr die Diagnose, die Behandlung, die Risiken und Nebenwirkungen.
Mein Tumor sei nicht ganz so langweilig, was ihn als Onkologe natürlich freue. Mich weniger. Ich hätte wenn schon, dann lieber den sehr langweiligen bekommen.
Er zeichnete einen Kreis mit einem Punkt drin, um mir zu erklären, welche Rezeptoren der Turmor trägt und was mit welcher Chemie bekämpft werden muss. Und mir ist tatsächlich erst zwei Tage später klar geworden, dass er keinen Busen gezeichnet hat, sondern eine Zelle mit Zellkern.
Ich scheine grad etwas busenfixiert zu sein.

Plötzlich freut man sich über die eine Auffälligkeit in der Lunge, da es nur in der Lunge ist und ich nach dem CT mich gedanklich vollkommen voll Metastasen sah. An der Therapie ändert diese Auffälligkeit nichts: AC-THP.

>Wann möchten Sie denn mit der Chemotherapie starten?
>Sobald wie möglich.
Er verlässt den Raum, um sich zu erkundigen und kommt zurück.
>Heute?
>Heute? Äh. Und der nächste Termin?
Er verlässt wieder den Raum und kommt zurück.
>Mittwochnachmittag.
>Dann lieber heute. Wann? Kann ich noch was Essen?
Er geht und kommt.
> Jetzt!
>Ok. Dann jetzt.

Natürlich muss die Chemomischung erst noch gemischt werden, alle Medikamente quergecheckt und ich werde noch ca. 20 Mal gefragt, ob ich mir sicher sei und nicht noch darüber schlafen muss, vor allem von der Care Nurse.
Nein, muss ich nicht. Es gibt hier ja nicht wirklich was zu entscheiden und wenn mich etwas wirklich fertig macht, dann das Warten.