Entsorgen

Heute habe ich mit grosser Erleichterung einige Dinge entsorgt, die ich nicht mehr brauche.
So habe ich die ganzen Medikamente, die ich während meiner Chemo gegen die Nebenwirkungen oder gegen die Nebenwirkungen der Nebenwirkungs-Medikamente gebraucht habe, den ewigen Jagdgründen der Apotheke übergeben.

Natürlich könnte ich das eine oder andere noch mal brauchen, etwas gegen Verstopfung oder Durchfall. Lieber weniger das Antipsychotika.
Aber ich wollte das alles endlich loswerden!!!
Denn schon alleine beim Anblick meines Medi-Kistchens wurde mir schlecht: Fortecortin, Paspertin… 🤢🤢

Und nun kann ich endlich das Küchenschränkchen öffnen und den Kaffee rausnehmen, ohne immer wieder an den red devil erinnert zu werden.

👋🏻👋🏻 farewell

Sonne und Regen

Schon mal das Universum was gefragt? Oder Gott, Shiva, Zeus, Allah, werauchimmer?
Schon mal eine Frage gehabt und gebeten um ein Zeichen, eine Idee?
So ganz frech.
Nun ja. Habe ich heute gemacht. Zum ersten Mal.
Einmal nicht immer alles alleine lösen müssen, wäre noch nett. Dachte ich. Und leg mich danach etwas hin, bis neue Badegäste kommen.
Dann ein kleines Gespräch unter blauem Himmel mit den anderen Flussschwimmern. Und plötzlich riesengrosse Tropfen.
Was? Wo?
Der Himmel immer noch blau. Die Sonne scheint. Wenige weisse Wolken. Nur über mir und den anderen eine graue Wolke: klein, grau, unscheinbar. Genau über uns! Sieht nicht wirklich nach Regen aus. Aber es giesst.
Riesengrosse Tropfen prasseln auf uns nieder. Alle raffen ihre Badesachen zusammen, verlassen die Insel, drängen sich am Ufer unter das Dach.
Auch ich packe meine Sachen und bringe sie unter den Zweigen eines Strauchs ins Trockene. Ich bleibe als einzige auf der Insel. Suche fasziniert einen Regenbogen, aber da ist keiner. Seltsam. Schaue aufs Wasser, das links und rechts der Insel von den Tropfen aufgeraut vorbeifliesst. Was für ein Bild!
Setze mich in den Sonnenschein mitten im Regen. So wohligwarm mit kühlen Spritzern. Ich lache.
Vom Ufer winkt mir einer zu, lacht mit.
Ich sitze hier in der Sonne.
Die Tropfen prasseln mich nass.
Und genau.
Es ist genau das!

The Last One

Morgen ist meine letzte Chemo.
Also, hoffentlich natürlich! Nochmal will ich nicht!!!!
knockonwood

Ich glaube, nachher will ich mich einfach irgendwo hinlegen und nicht mehr aufstehen, so fühlt es sich jetzt an. Das ist so seltsam. Wieder so ein Moment, bei dem man bilanziert, das Jahr Revue passieren lässt. Dabei habe ich darauf grad so gar keine Lust!
Eigentlich wäre die Letzte ja am 20.07.20 gewesen, aber das Datum hatte ich verschoben, weil ich erst dachte, ich gehe zwei Wochen weg. IMG_5021
Ich hatte kurzzeitig Panik, da ich noch nie drei Wochen am Stück ohne Kinder war. Und das nach diesem Jahr! Fast schon buchte ich Lastminute was und dachte dann, nein, genau das nicht! Wann habe ich je Zeit einfach alles zu machen, was ich will, was mir gut tut. Und wenns eine Woche heulen ist, na dann… Und wegen Corona war Ausland für mich kein Thema. Aber in der Schweiz weg, um auf andere Gedanken zu kommen.
Dann habe ich festgestellt, dass ich das gar nicht muss. Ich habe hier ein perfektes Ferienhaus mit Atelier. Ich kann unter freiem Sternenhimmel schlafen, vor dem Fernseher  Pfannkuchen mit frischen Früchten frühstücken. Ich koche mir Schlemmermenus: Rindsplätzchen mit selbstgemachtem Kräuterbutter, Bohnen und Kartoffeln,  Pouletspiessli mit Sommergemüse und frischen Kräutern, Vitello Tonnato. Soviel Fleisch esse ich eigentlich selten, aber offenbar brauche ich es. Ich genieße es unglaublich!
IMG_4978Die erste Woche war ich fast nur hier, ich habe viele schöne Badeplätzchen entdeckt Mit Sand oder ohne, Strand, Amazonas oder Schilf.
Dann habe ich mich mal da und mal dort zum Essen eingeladen. Treffe Leute, die ich schon lange mal treffen wollte oder lerne neue kennen. Ich schlafe mal hier, mal da. Hab sogar seit langem wieder mal einen Kater gehabt…. 🙈
Glücklicherweise ist der vorbei, morgen müssen ja meine Leberwerte stimmen. 😬

Aber was ist dann, nach Morgen? Nach der letzten Chemo? Habe ich dann nach jedem Glas Wein oder Prosecco ein massiv schlechtes Gewissen? Alkohol ist ein Risikofaktor. Eigentlich der Einzige, den ich bei mir ausmachen konnte. Ausser eher später Kinder und nicht wirklich gestillt. Hormone sind der grösste Risikofaktor, aber die werden ja ausgeschaltet. Übergewicht habe ich nicht, Rauchen tu ich auch nicht (mehr). Sport mache ich, aber joggen liegt schmerztechnisch nicht drin. Auf dem Skateboard stand ich wieder und jeden Tag schwimme ich, mindestens einmal. Mal hier und mal da in der Aare, Türlersee, Bielersee, Zürisee, Limmat, Reuss. Werde ich ohne Chemo plötzlich Angst haben, mehr Angst haben, vor einem Rückfall? Ich weiss es nicht.
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Es waren zwei absolut grossartige Wochen. Aber heute Abend schlägt sie nun zu. Die Melancholie. Wie viele dieser Momente wird es noch geben? So bis ein komplettes Jahr rum ist, also, bis in einem Jahr? Ich hoffe doch nicht!
Aber ich bin auch sehr müde. Ich habe diese Woche nicht viel daheim geschlafen, viel unterwegs. Eigentlich zuviel. Dann kommt die Müdigkeit und ZACK, so ein Depro-Hammer dazu. Das kenne ich erst seit der Krebstherapie. Diese Erschöpfung, nicht nur körperlich, sondern immer auch seelisch. Nettes Doppelpack. Danke.
Teilweise wusste ich, dass ich zuviel mache, immerhin das kann ich schon wieder einschätzen.
Aber ich wollte mir das Leben in voller Dosis geben! Mich richtig auffüllen mit guten Momenten, guten Gesprächen, Treffen, Essen, Erlebnissen. Dazwischen gab es auch Halbtage oder Tage mit Rückzug und Stille, schreiben, lesen, malen, schwimmen.

Was ich nicht wusste und jetzt erlebt habe, wie viele Freunde da sind. Wie viele Menschen es gibt, die mir gut tun. Die lustig und gleichzeitig tiefgründig sind, echt. Wo ich mich einfach wohl fühle, weil ich ich sein kann, mit allen Ecken die ab sind, dem schwarzen Humor und meiner Geschichte. Ich.

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Zukunft ausmalen

Warum ist mir das erst heute aufgefallen?
Irgendwann in der Reha hatte ich die Nase voll davon, Krebsbilder zu malen. Ich wollte ein Zukunftsbild malen in kräftigen Farben.
Also bekam ich ein grosses Stück Papier ca. 1,5m x 2m und nah mir den breitesten Pinsel, blau und grün und malte wie wild drauf los.

Und dann stand das Bild etwa 3 Wochen zusammengerollt in der Ecke. Ich konnte mir einfach nicht ausmalen, was denn in Zukunft werden sollte.
Irgendwann nahm ich es wieder raus und schmierte erst mit den Händen weiter Farbe drauf, gestalten, formen. Zukunft selbst im die Hand nehmen.

Das sah aber zu sehr nach fleischigen Büropflanzen aus, also griff ich wieder zum Pinsel.

Und das ist mein: Ich-will-ins-Leben-reinspringen-Bild.

Und dann kam Corona, Schulen zu, vereitelter Arbeitsversuch, Trennung und trotzdem…

Wem fällt was auf?
Was mache ich seit Ostern fast täglich?

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Und hier!

Was male ich als nächstes? 🤔😄

Alles gut – fast…

Keine Schmuggler
Keine Halbwüchsigen
Keine Spaziergänger
Keine Mörder
Leichter Schlaf und wilde Träume, zum ersten Mal alleine im Wald. 💪🏻

Und nach dem Schwimmen noch 2h getanzt. Kein Trauertanz, kein Krebsloswerdtanz. Keine Tränen.
Dafür ein Raumeinnehmtanz, ein Starktanz und ein verspielter Verrückttanz voller Lebensfreude.

Fazit: Jetzt ist mir übel 😂😂😂
Und die neuen Blasen habe ich noch nicht gezählt…

Künstliche Intelligenz – my ass

Oder Algorithmen, whatever!
Mein Grosser mag ja Fan sein und seine Neuronen trainieren mit dem Ziel, mal bei G**gle zu arbeiten, ich nicht.
Es reicht schon, wenn mich Faceb**k an die Freundschaft mit meinem Vater erinnert, der vor zwei Jahren verstorben ist.
Oder kurz nach Trennung_1 Urlaubsbilder mit dem Ex hochfährt.
Nun schickt mir P*nterest ständig Pinnwand-Vorschläge für: Glatzenbilder und Ultra-Kurzhaarfrisuren…. 🙈🙈
Glücklicherweise hab ich dort nie OP- oder IV-Bilder gesucht.

Kein Wunder habe ich verschiedene Online-Identitäten. Für das Internet generell und für KI im Besonderen sind wir immer nur Vergangenheit.

Tanz!

Einer der Pläne in der Reha war ja, 5Rhythmen zu tanzen.
Einmal war ich im Park, da allerdings ohne Anleitung. Gestern nun zum ersten Mal „richtig.“

Ich sollte das ganz, ganz viel machen. Alles raustanzen!
Ich liebe es, den Kopf auszuschalten und die Musik und den Körper machen zu lassen.
Beim Chaos schüttelte ich den ganzen Scheisskrebs weg, die Chemo, das Stechen, Übelkeit, Schmerzen, all den Scheiss vom letzten Jahr. Glücklicherweise war da genügend Platz, sonst hätte der eine oder die andere noch ein Arm, Bein, Fuss in der Magengrube gehabt.
Doch danach, beim Lyrical schwappte die Welle über mich und die Trauer spülte mich weg. Dieser Traum letzten Sommer, der Traum vom Sterben, die Einsamkeit und die Angst, einsam zu sterben, nach der Trennung. Alles war wieder da.
Und die Tränen liefen beim Tanzen. Auch später wieder beim Heimradeln.
Es ist alles noch da.
Hängt fest, klebt im und am Körper.
Das muss raus, will ich wieder ganz ich sein, ohne diesen Ballast, diese Traumaschichten.

Fazit: Nassgeschwitzt, Blasen an den Füssen, aber gelacht und geweint und gelebt.

Du bist so eine mutige Frau

Hahahahaha….

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Ein kleiner Ausflug mit dem Grossen und dem Kleinen ins Jagdgebiet von Kleintinkakartinka.

Da Naturschutzgebiet war es nicht so einfach, einen Schlafplatz für drei Hängematten zu finden. Mussten ja im besten Fall 3, eher 4-5 Bäume im geeigneten Abstand sein. Und dann ohne über irgendwelche Absperrungen zu klettern und nicht im Schilf.
So richteten wir uns an einen Picknickplatz ein. Genügend weit entfernt von der Partywiese und vom Campingplatz, am anderen Seeufer.
img_4690Einrichten, baden, zusammen auf dem Steg sitzen und die aufploppenden Sterne zählen.
Wir alle sind voll im Zen. Der Grosse und der Kleine gehen ohne Murren in die Hängematte. Der Himmel wird immer dunkler und immer mehr Sterne leuchten und die Grillen zirpen. Von gegenüber schallt und gröhlt das Partyfolk, bis auch sie verstummen.
Dann löst das Froschkonzert das Grillenorchester ab und der Kleine schnarcht bereits friedlich in seiner Matte.
Es wird still, die Frösche gehen schlafen. Und die Halbgeräusche beginnen. Da ein Knacken, dort ein Rascheln. Und – war da nicht was?

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Ein Flugsaurier? Ein Kriechtier? Gibt es hier Getier mit Hörnern?
Ich zünde kurz mit der Lampe, sehe aber nur mein Mückennetz. Super gemacht.
Oh Schreck! Da spricht jemand. Ganz dicht neben mir!!!
Der Grosse murmelt im Schlaf. Es knackt und raschelt undzuordbar aus dem Wald.
Dann, da! Ein Licht! – Ah nein. Das sind bestimmt die Autos. Dort drüben ist eine Strasse. Wobei. Nein. Das Licht kommt näher. Schritte. Zwei Menschen sehr zielstrebig im Stechschritt direkt zum Steg vor unserem Schlafplatz. Kaum angekommen, löschen sie das Licht.
Also Liebespaar schliesse ich schon mal aus. Zu geschäftig, fast eilig sind die hergekommen. Stimmen sind keine zu hören, nur ein leises Murmeln. Hin und wieder flackert kurz das Licht auf. Es plätschert ins Wasser. Falls jemand Pinkeln war, muss es sehr erleichternd gewesen sein.
Aber was wird nun ins Wasser geworfen? Fischen die? Kann man Nachtfischen? Und warum werfen die so vieles ins Wasser. Und holen die auch was raus? Dazu dieses Knacken. Alles im Dunkeln. Klingt nach Zweigen, auf dem Steg sind aber keine Zweige. Knochen klingen bestimmt anders. Und zu schmuggeln gibt es hier ja auch nichts. Hmm. Gehen die bald wieder? Ich stell mich mal tot in der Matte. Bis jetzt haben sie und nicht entdeckt.
Da! Erneut Schritte! Genauso schnell und zielstrebig – aber diesmal am Steg vorbei. Also Abendspaziergang geht anders. Es ist nach Mitternacht.
Das geschäftige, aber beinahe lautlose Treiben auf dem Steg ist zu Ende. So schnell – die Taschenlampe auf den Weg gerichtet – wie sie gekommen sind, gehen die beiden Menschen wieder.
Und die Halbgeräusche kommen zurück, dort ein Knacken, hier ein Rascheln. Kurz flammt das Froschkonzert auf. Dann beginnt ein Fiepen, bis sich wieder rasche Schritte nähern, diesmal von der anderen Seite. Das muss der andere Mensch auf dem Rückweg sein.
Also, jetzt wird ja wohl Ruhe…. Es ist schon halb zwei.
Ich sinke langsam so wartewohlig ins Traumdämmerland, da höre ich unmissverständlich folgende Durchsage:
ACHTUNG, ACHTUNG, HIER SPRICHT IHRE BLASE! Der Urinspiegel nähert sich einer kritischen Höhe, es kann nicht mehr garantiert werden, dass nicht bald Unterleibskrämpfe einsetzen werden. Bitte sofort entleeren!

🙄

Na toll. Jetzt wo ich mich endlich entspannt und das Gerenne zu Ende ist. Fast kann ich nachvollziehen, wie man auf die Idee kommen kann, aus der Hängematte zu pinkeln….

Es kamen dann noch ein paar Halbwüchsige – der Steg scheint äusserst beliebt. Leider hatte ich auch um halb drei noch nicht ganz raus, weshalb der arme Junge so Stress mit seiner Freundin hatte. Und dann zogen sie auch schon weiter. War eher so, wie wenn man kurz mal in einen Tatort schaltet, aber weder mitgekriegt hat, wer umgebracht wurde, noch wer der Mörder war.

Irgendwann schlief ich dann doch ein. img_4715Und dann kam der Morgen und der Grosse und der Kleine schliefen immer noch. So legte ich mich auf den Steg, suchte nach Knochenteilen im Wasser und guckte der Sonne beim Aufgehen zu.

Und Grosser und Kleiner, habt ihr gut geschlafen?
Jaaaaaaaaaaaa! Und du Mami?
Ich= 🧟‍♀️: 😬👍🏻

 

Oder, wie ich mich so fühlte nach dieser Nacht…

Aber toll!

Toll, toll, toll wars!

Und als Abschluss, bevor sie zu Papa gehen und ich drei (!) Wochen (plus 1mal Chemo) Zeit für mich habe, gabs noch den letzten Harry Potter und das:

Will ichs wissen?

Nun ich bin ja Fan meines Onkodocs. Und das nicht nur wegen des schwarzen Humors, sondern auch, weil er unangenehme Sachen so ausspricht, dass ich nicht gleich denke, ich bin bald tot.
Da können zwei Ärzte genau die gleiche Info geben, aber mit einer völlig anderen Wirkung.
Wer ans Theater kommt, der wirds hören.
Und es gibt natürlich nicht nur lockerflockige Gespräche, sondern auch Unangenehmeres, aber ich habe nie das Gefühl, dass er mir eine Information vorenthält.

Ich: Was ist eigentlich mit dem CT? Da stand doch was in einem Bericht.
Er: CT? Ah ja.
Ich: Die Lunge. Die Auffälligkeit.
Er: Wollen sie das wirklich wissen?
Ich: 🤔
Er: Also wenns weg ist. Dann, nun ja….
Ich: Dann hab ich automatisch ein Upgrading, bzw. upstaging?
Er: Weil der Tumor hatte ja gut auf die Chemo angesprochen.
Ich: 🤔
Er: Im besten Fall ist es noch da.
Ich: Aber nur unverändert.
Er: Genau. Dann weiss man halt nicht, was es ist.
Ich: 🤔
Er: Ich schau mir nochmals den genauen Wortlaut des Befunds an. Dann entscheiden wir.

Es kommt darauf an, welche Konsequenzen für die Behandlung und die Nachsorge das Ergebnis haben wird.
Falls es keinen Unterschied macht, muss ich gar nichts wissen.
Auch wenn ich sonst immer ALLES wissen will.