Bild und Pieks-Statistik

12 mal Fingerpieks Blutwerte
2 mal grosses Blutbild
13 mal Chemo und Antikörper
2 mal Kontrastmittel
2 mal Zugang Diverses (Notfall und OP)
6 mal Spritze in Brust für Biopsie
3 mal Spritze in Brust für Tumormarkierung
3 mal Spritze um Brustwarze für blaue Farbe
4 mal Stanzbiopsie(oder Versuch)
Das Zunähen habe ich ja nicht mitgekriegt, das zählt nicht.

Also in den letzten 24 Wochen
(Verstecher nicht mitgezählt):

12 mal Fingerpieks
19 mal Venenzugang
12 mal Brustspritze
4 mal gestanzt

Würde ich auch Mutperlen bekommen, dann hätte ich jetzt eine schöne 47 Perlen lange Kette. Fühlte sich nach mehr an…

Ich hab sicher noch was vergessen. 🤨

Advertisements

Warten auf Godot

Wobei…🤔 der kommt ja nie.
Also warten auf Onko.

Ins Spital eingetreten bin ich am Di 01.10. operiert wurde ich an Mi 02.10.
Der erste Besprechungstermin war Di 08.10., aber die Pathologie noch nicht fertig.
Am Di 15.10. hatte ich die Nachbesprechung und weiss immer noch nicht, wies weitergeht.
Das Gute: Tumor wurde sauber entfernt, Lymphknoten sind tumorzellenfrei.
Das Schlechte: Mikrotumore gefunden, 1-2 mm.
Der Onkologe will mich am Mo 21.10. sprechen. Evt. werde noch Therapie eingeschoben vor der Bestrahlung. Heisst das nochmal Chemo? Die Chirurgin wehrte ab. Das habe sie nicht gesagt… Sie habe gar nichts gesagt. Und Antikörpertherapie und Antihormontherapie müssten auch besprochen werden. Und zur Bestrahlung könne man immer noch anmelden. Es gehe um meine Prognose. Und sie habe nichts gesagt, der Onkologe brauche einfach noch Bedenkzeit.
Ich meine, wenn mich der Onkologe sprechen will, ich bin ja nicht blöd. Und serviert bekommen, das der Krebs zurückkommen kann und tödlich enden könnte. Ja, ich weiss. Es kam unerwartet und wenn mich was vorzeitig Umbringt, dann ist es die Unsicherheit gepaart mit meiner Phantasie…
Ich heulte eine Runde.
Dann wurde ich verabschiedet und nun warte ich wieder.

Das wären dann knapp 3 Wochen nach der OP, wenn ich endlich weiss, wies weitergeht.

Dieses aufrecht weitergehen, Klatscher an den Hinterkopf bekommen, wieder aufstehen, weitergehen, ist ungemein anstrengend.
Und teuer!
Hab ich mir doch zwei Garnituren Wäsche gekauft, im Fachgeschäft. Das hatte ich beschlossen, als ich hörte, dass ich operiert werde: Einen perfekt sitzenden, supersexy BH kaufen, egal für was für oder wieviele Brüste!
Und da es noch zwei sind und ich meinen Arm schon schön hochheben kann, wars viel einfacher und tja, jetzt hab ich halt zwei BHs, mit Slip.
Und wenn ich die Narbe mit etwas Gaze abpolstere, kann ich sie schon tragen.
Das war ein wichtiger Kauf! Schöne Wäsche sollte man als Frau sowieso grundsätzlich für sich selber kaufen. 💪🏻

Ansonsten schreibe ich wieder. Kapitel drei ist fertig und schon machen die Figuren, was sie wollen und nicht mehr unbedingt, was ich geplant habe. Soviel zum Autor als Schöpfer… 🤷‍♀️
Und ich mache wieder Theater! Das ist toll!
Lauter Krebskranke und -überlebende, die auf einer Bühne rumtollen, Galgenhumor hoch zehn!
Selten so wenig an meinen Krebs gedacht einen ganzen Abend lang wie bei der Probe. Und das obwohl es beim Theater um Krebs gehen wird.
Aber dazu später vielleicht mehr.

Ich ❤️ Kaffee

Ich liebe es, ihn wieder trinken zu können!
Den ganzen Tag möchte ich in Kaffees zumhängen und lesen.
Denn lesen geht auch wieder. Ist zwar ein Jugendbuch und GRM muss noch warten, aber LESEN!
Post-Chemo-Regeneration ist in vollem Gange.

Nur die erste Mandarine der Saison, die zu verzehren war noch etwas grenzwertig.
Meine Mundschleimhäute sind noch nicht fit genug für so viel Säure. Das brannte.
Aber bis Dezember ist ja noch Zeit.

Best of Klinik

Um die Wartezeit zu verkürzen, ein Best of der dümmsten Momente aus dem Spital.

Sich aus Versehen die OP-Markierungen wegduschen und sie sich dann von der Nachtschwester heimlich nachzeichnen lassen.

In irgendeinem Gerät liegen und feststellen, dass die Blase doch nicht so viel Füllvermögen hat, wie vor einer Viertelstunde gedacht.

Frisch operiert.
Die Hand voll Mandelöl, um den Skalp zu pflegen.
Und beim Blick in den Spiegel feststellen, dass die linke Ölhand zur linken operierten Achsel gehört. Und das Öl wohl so nicht zum Kopf kommt.

Vom Spitalbett aufstehen und mit dem Dränageschlauch an der linken Bettseite und mit dem Infusionsschlauch am Kopfteil festhängen.

Dem falschen Spezialisten eine ungefähre Einschätzung entlocken. Und noch einem eine andere.

Sich beim Einfädeln der Infusionsbeutel in den Pullover verrechnen…

Einen über jede mögliche Komplikation gut informierten und zur Komnunikation motivierten Pfleger nach dem möglichen Schmerzlevel beim Entfernen der diversen Schläuche fragen.

Spital kann so anstrengend sein!

Leben umkrempeln mit Krebskrake

Wenn nicht jetzt, wann dann.
Der Krebs als Freibrief zur Neuerfindung seiner selbst?
Will ich das?
Muss ich das?
Muss ich das wollen?
Was möchte ich von meinem Leben vorher zurück, was behalten, was kann weg?

Ich weiss es nicht.
Einzig, dass ich mehr Einfachheit will. Alles Komplizierte, Stress produzierende darf weg.
Ich will nicht mehr so viel Arbeiten, kann es wahrscheinlich gar nicht mehr. Ich möchte nicht mehr jeden Tag um 05:30 Uhr aufstehen und durch den Tag hecheln: Kinder wecken, Arbeit, Sport, Arbeit, Einkaufen, Kinder holen, Kochen, Haushalt und dann nach 15h-non-stop-Gerenne endlich Feierabend.

Ich möchte mich nicht mehr in meiner Stärke beweisen müssen. Dieses Alles-gebacken-kriegen ist fatal.

Ich will zuverlässige Partner, mehr Luft für mich und meine Träume.

Das Problem mit dem Umkrempeln ist, solange die Krebstherapie läuft, bin ich in der Medizinmangel.
Ich bin entweder Krebspatient oder Krebskranke, immer in den Fängen der Krebskrake.
Nie nur Tinkakartinka.
Es gibt keine Arbeitskollegen, wenig Freunde, kaum Normalität, die mir ein Ich fern der Krankheit spiegeln. Die Krake sitzt immer mit am Tisch.

Habe ich mich verändert durch die Krankheit? Von mir entfernt? Oder bin ich mir näher gekommen.
Wer bin ich, ist die Krake mal weg.
Wer könnte ich nun sein, was will ich.
Alles Fragen, in deren Strudel ich mich um mich selbst drehe. Ich tanze mit der Krake im Kreis.
Kann mich aber kaum im Leben ausprobieren.
Irgendwie alles
unbeantwortbar mittendrin.

Und nachher, soll ich einfach wieder funktionieren?
In der Schweiz ist keine Krebs-Reha vorgesehen. (In der Schweiz arbeitet man ja auch bis zum Geburtstermin als Mutter, kann nachher 16 Wochen pausieren und Stillen, bevor man wieder einsteigt. Der Papa kriegt zwei Tage Vaterschaftsurlaub.)
Weil Arbeit definiert uns.

Zeit, mit allem klarzukommen ist nicht vorgesehen im Gesundheitssystem.

Und genau das wünsche ich mir. Die Krake werd ich wohl noch nicht so schnell vollständig los. Aber wenn sie nicht mehr dauernd mit mir am Tisch, an mir klebt, im Hirn sitzt, dann möchte ich flüchten, weg, um mich selbst (wieder) zu finden. Mitten im Leben.

Pinkelwettbewerb

Nur soviel: Ich pinkle blau. Das liegt am Farbstoff, der mir zur besseren Lymphknotenlokalisation in die Brust gespritzt wurde.
Beim Blick auf den Katherterschlauch dachte ich kurz: Jetzt weiss ich, wie Gat*rade hergestellt wird…

Der Pfleger leert die Katheterbeutel von mir und einer Mitpatientin (mit der ich bisher kaum zwei Worte gewechselt hatte). Dann hält er den blau gefüllten Messbecher hoch ins Licht.

Ich: Und?
Er: 1,2 Liter
Ich: Ganz schön viel, nicht?
Er hält den Messbecher mit dem gelben Inhalt hoch, schaut zu mir und schüttelt den Kopf: Sie haben verloren!
Mitpatientin aus dem off: Ich habe gewonnen?
Ich: Mengenmässig ja. Ästhetisch ich.
Mitpatientin: Stimmt. Mal schauen wer morgen gewinnt.
Ich: Sie kriegen mehr Infusionen. Das gilt nicht.
Mitpatientin: Ich nehm noch einen Schluck Wasser. Bin grad so durstig.
Ich: Ich auch!