Gespräche: Der heisseste Busen der Stadt

Kleiner: Oh Mami! Dein Busen ist so rot und und hast noch 19 Bestrahlungen!
Ich: Ja. Eben. Rot und warm. Stell dir vor, wie der am Ende aussieht.
Kleiner: Feuer! Der brennt dann!!
Ich: Dann kannst du Marshmallows grillieren.
Kleiner: Der ist dann so heiss, wie eine Wärmeflasche mit KOCHENDEM Wasser.
Ich: Der heisseste Busen der Stadt sozusagen.

Gespräche: Strahlenmüde

Sie: So, wir sind fertig. Sie können die Arme runternehmen.
Ich gähnend: Ach, ich könnte grad liegen bleiben und ein Nickerchen machen.
Sie: Gute Idee! Ich lege mich dazu.
Ich: Oh! Das könnte eng werden.

BILD 20.12.19 UM 09.51
So kuschelig ist es in der Radio-Onkologie

Tauwetter am Polarkreis

(Und sie sprechen doch)
Ich warte oben ohne in der Umkleide auf den Marschbefehl zum Bestrahlungsgerät.

Sie: Frau Tinkakartinka, sie dürfen!
Ich lege mich auf die Liege: Dürfen oder müssen?
Sie lacht: Sie dürfen! Sie sollen, sie können.
Ich: Können, ja. Nicht wirklich wollen.

23 Törchen

Heute wollte ich mir einen Adventskalender kaufen und das erste Türchen öffnen.
Leider fand ich nur welche mit Schokolade, das verträgt sich schlecht mit meiner Laktoseintoleranz. Barbie wollte ich auch nicht 🤢, Lego gabs keinen mehr. Hmpf.
Vielleicht gehe ich später nochmal in die Stadt.
So einen schönen alten mit ein wenig Glitzer und Bildchen…

So mach ich halt nur das Kreuzchen auf meinem schmucklosen Plan: noch 23 Bestrahlungen.

Bring Pussy Riot home

Am Telefon.
Ich: Guten Tag Frau We, ich wollte Fragen, ob ich was tun kann für die Haut während der Bestrahlung. Die Lotion habe ich schon und das mit dem Waschlappen weiss ich auch.
Sie: Sie meinen prophilaktisch? Leider nein. Da gibt es keine Sonnencrème oder so.
Aber sie könnten noch möglichst viel oben ohne rumlaufen. Ist ja gut jetzt, ist auch schön kühl im Winter.
Ich: Bitte?! 🤨
Sie: Drinnen! Drinnen meine ich! Ist ja auch kühler drinnen im Winter.
Ich: Na da bin ich ja beruhigt.

Der 💩Mutant

Ich habe ja schlapp gemacht und die Chemo nicht bis zum Schluss durchgehalten, wie 80% der Frauen auch. Ich reagiere generell ziemlich stark auf Medikamente inklusive Nebenwirkungen.
So kann man mich mit einem normaldosierten Schlafmittel locker bis am nächsten Nachmittag in einen lallenden Zombie verwandeln. Bei Schlafmitteln nehme ich also prinzipiell die Hälfte der verschriebenen Dosis, Schmerzmittel auch.
Da habe ich mich natürlich gefragt, warum der doofe Krebs das nicht checkt. Die Nebenwirkungen haben ja voll reingehauen. Meine Blutwerte waren im 5. UG und trotzdem hat der Pathologe noch Mikrotumore gefunden.
Ich habe eine junge Frau kennen gelernt, die hatte in der Schwangerschaft eine Fruchtwasseruntersuchung zum Ausschluss einer Erbkrankheit und im Arztgespräch wurde ihr gesagt: Ihrem Kind geht es gut. Aber ihnen nicht. Wir haben eine dritte DNA gefunden.
Erst da wurde mir klar: Logisch, der Krebs ist ja ein Mutant! Wir teilen uns nicht die gleiche DNA.
Kein Wunder hat er nicht geschnallt, dass er schon längst tot sein sollte… 🤷‍♀️

Naja. Dafür habe ich ja jetzt mein Super-CSI-Paketbomben-Medi und die Tumor-Rösterei. 💪🏻

Im hohen Norden

Sind die Menschen auch nicht so kommunikativ. Also denke ich, die Radio-Onkologie liegt wahrscheinlich am Polarkreis.

Doch gestern kam es tatsächlich zu einer Kontaktaufnahme. Das war bestimmt nicht erlaubt. Eine Radiologin (heissen die so?) hat mir den Monitor ins Sichtfeld gedreht, als sie sah, dass ich drauf schiele und mich gefragt, ob ich es so sehen könne. Da dachte ich schon, nun ist das Eis gebrochen. Aber nix da. Heute habe ich eine Reaktion provoziert, als ich den Kopf Richtung Monitor drehte. War mir schon klar, dass das verboten ist, denn dann dreht sich ja der ganze Rumpf mit. Aber so wurde ich heute zusätzlich zu den sonstigen fünf Sätzen, die ich face-to-face höre, getadelt. Der Löwenanteil der Kommunikation läuft über Lautsprecher. Nur Intro und Outro ist persönlich, quasi:

  • Guten Morgen
  • Legen sie sich bitte hin
  • Wir machen erst ein paar Bilder

Und dann über Lautsprecher mind. 7 mal:

  • Einatmen
  • Ausatmen
  • Tief einatmen
  • Und Stopp
  • Weiteratmen

Und am Ende wieder persönlich

  • Wir sind fertig
  • Auf Wiedersehen!

Dazwischen Surren, Stille, Warten.
Und ja, kalt war mir heute auch, so halbnackt auf der Liege. Und meine Hände wurden gefühllos.
Aber man gewöhnt sich dran.
Morgen gehts wieder in den hohen Norden.
5/33

Willkommen in der Radioonkologie

Dreissig Bestrahlungen pro Tag führen sie in diesem Raum durch. Und das nur im Raum grün.
Eine richtig gut geschmierte Medizinmaschinerie.
Als ich heute da war, lag noch die Gittermaske eines anderen Patienten rum. Offenbar war er nicht gekommen, denn sie holten mich früher rein.

Von meinem Arzt liess ich mir nachher erklären, wie genau das geplant und berechnet wird. Er zeigte mir meine Körperschnittbilder mit den Bestrahlungsflächen und -winkeln. Auf einem Diagramm war ersichtlich, welche Dosis durch welches Gewebe „geschossen“ wird, um dann im „Zielgebiet“ die benötigte 100%-Dosis zu erhalten. Hält offensichtlich nicht jedes Gewebe gleich viel Bestrahlung aus: Lunge, Herz, Knochen…
Sie haben auch ein Röntgenbild mit dem eingezeichneten Bestrahlungsbereich, das wird dann über meine Live-Bilder rübergelegt, damit sie kontrollieren können, wo sie noch einen Milimeter daneben liegen, bzw. ich noch einen Milimeter daneben liege.
Es ist beruhigend, dass das alles immer kontrolliert wird. Darum wohl die Wartezeiten. Auch bin ich froh, keine Kleber und Zielkreuze auf meinem Körper zu haben. Das ist der Vorteil von Tattoos und Laser.

Ich muss mir einen Panzer zulegen oder eine f*ckyou-Rockgören-Attitüde. Sonst werd ich depressiv, wenn ich mich da noch 30mal einreihen muss.