Rückeroberung II

So zur Auflockerung. Hat mich allerdings viel Schweiss und Nerven gekostet, meinen Angstgegner zu bezwingen: den Randstein! 😱😱

Hier die letzten Versuche, nach unzählbaren, bei denen ich nicht mal in die Richtung fahren konnte, ohne vom Brett zu springen, weil ich mich vor meinem geistigen Auge schon mit Hüftfraktur auf dem Asphalt liegen sah, schien das Hindernis doch mit jedem Dezimeter, dass es näher kam, genau soviel an Höhe zu gewinnen. 😬

Hier die Versuche Nr. 941-943. 😃💪🏻

Die Angst vor dem Unbekannten

Morgen beginnt die Bestrahlung.
Und es ist immer das Gleiche. Vor jedem Therapieschritt mach ich mir in die Hose, weil ich nicht weiss, was auf mich zukommt. Ist ja auch klar, ich habe zum ersten Mal Krebs. (Höhö) Und hoffentlich zum letzten Mal!
Wobei es bei der Chemo bestimmt nicht einfacher wird, wenn man schon weiss, was das alles bedeutet.
Bei dem Diagnosegespräch wurde mir ja schon eröffnet, dass mich das volle Programm erwartet: Chemo, Operation, Bestrahlung.
Und dieser letzte Schritt hat mir von Anfang an am meisten Angst gemacht, nicht die Haare zu verlieren, Nebenwirkungen oder die Brust-OP.
Chemo war in meiner Vorstellung einfach ein ultrafieses Medikament (und ist es immer noch) und Operationen hatte ich auch schon. Aber Bestrahlung, Strahlen, das klingt angsteinflössend. Die Serie „Chernobyl“ zu gucken, hat sicher nicht geholfen, in der Vorbereitung auf diesen letzten Therapieschritt…. 😬
Ich fühle mich wie im Frühjahr 1986 als meine Mutter in der Küche das Mittagessen zubereitete und das Radio von der „schwarzen Wolke“ sprach, die da aus dem Osten kommt. Ich fragte meine Mutter, ob ich das Fenster schliessen solle, wenn jetzt die gefährliche Wolke komme. Sie lachte nur und meinte, das nütze nichts. Ich sah in den blauen Himmel, die Vögel zwitscherten und wunderte mich, dass ich die Gefahr nicht sah, nicht verstand und nichts tun konnte.

Die eine Hälfte der Krebsüberlebenden erzählt mir, sie hätten die Bestrahlung ohne Probleme überstanden. Die anderen berichten von extremer Müdigkeit (hab ich schon ✅), Übelkeit, Verbrennungen. We’ll see…

Wütend macht mich, dass die Radiologie nun sieben Wochen meinen Körper in Beschlag nimmt: markiert und abgeklebt. Über die ganzen Feiertage bis Mitte Januar pilgere ich dann Tag für Tag ins Spital. Kein Bad, keine Sauna – meine Winter-Überlebens-Strategien. Für Sport bin ich zu k.o., auch wenn ich versuche täglich draussen zu sein, ein paar Kilometer zu gehen oder Rad zu fahren.
Soviel Freizeit aber kaum Freiheit.
Ich will meinen Körper zurück!! Ich will wieder selber bestimmen können!
Keinen Trost bitte und keinen guten Zuspruch. Heute habe ich einfach Lust, mich zu bedauern.
Punkt.
Würde ich trinken, wäre das der Abend für eine Flasche Rioja mit 14%.
Und Strohhalm.

Allein

Und dann ist man plötzlich allein.
Allein mit den Kindern.
Allein mit der Krankheit.

Und kein Partner in Crime mehr da. Vielleicht ein Freund.

Überraschend, auch wenn nicht total unerwartet.
Doch das Gefühl bleibt: Krebs frisst alles. Erst den Alltag, das Abenteuer, die Freiheit, dann die Liebe.

Punk und Krebs: Stinkefinger nicht vergessen

Alle sprechen immer davon, gegen den Krebs zu kämpfen. Ich weiss nicht, ob man das kann. Ich kann nicht dauernd mit erhobener Hellebarde rumrennen und die starke Frau mimen. Manchmal ist schlicht auch die Erschöpfung zu gross.
Ich bin immer noch zufrieden mit mit meinem Leben und halte mich für glücklicher als einige, daran ändert auch die Diagnose nichts. Das heisst nicht, dass ich nicht wütend bin, weine oder mich bedauere. Wie am Samstag, als ich fast kollabierte in der Stadt und das Gefühl hatte, nur noch 10% ich zu sein, der Rest ist Erschöpfung.
Aber noch bin ich hier. Ich lebe und die Prognose ist gut.

Ich versuche mir meinen Stinkefinger zu bewahren. Ich nehme die Krankheit ernst, aber ich darf trotzdem darüber witzeln. Ich stehe aus Protest aufs Skateboard, obwohl ich eigentlich nicht in der Verfassung bin: nach der Mammographie, nach dem CT und sobald es mir letzte Woche Donnerstag nicht mehr so übel war. Auch wenn nicht mehr drin liegt, als einmal quer über den Platz pushen, Quarter rauf, Fakie runter und Revert und das alles quasi Zeitlupe.
Ich war am Samstag an der Premiere des Skatefilms, auch wenn leider nur kurz. Aber ich war da.

Da, Krebs! 🖕
Ich lass mir nicht alles nehmen!

Angst

Jetzt hab ich Angst. Bis jetzt war es mehr Verzweiflung, Überforderung.

Heute im CT gleiche Situation wie nach der Mammographie. Sie kontrolliert die Bilder, ob die Qualität reicht und kommt zurück mit diesem distanziert-professionellen Blick. Also hat er wohl gestreut der Tumor.

Und das heisst? Was heisst das den jetzt?
Erfahren werde ich es morgen.

Und dann gerne wieder eine Stufe rauf und nicht nur immer weiter runter.