Arztwut

Zufällig die Ärztin von Fe getroffen.

Sie: Ahh! Frau Tinkakartinka!
Ich ziehe mir das Tuch vom Kopf: Guten Morgen!
Sie mustert meine Stoppeln und schnaubt: Ich habe viel an Sie gedacht. Und jedesmal habe ich geflucht!
Ich: Tut doch gut.
Sie: Soviel geflucht!
Ich: Vergessen Sie neben dem Fluchen den Wein nicht, den Sie für mich mittrinken müssen…
Sie schnaubt.

Krebshumor: Frei Schnauze

Ich brauche, bevor ich wieder Arbeiten kann, eine Reintegrationsmassnahme, um meinen Humor vom Galgen zu befreien. So bin ich kaum sozialkompatibel. 🙈

Bei der Theaterprobe mit lauter Krebskranken und -überlebenden.

Regisseurin: Und wir haben einen vierten Spielort! Hurra!
Spielerin: Wann?
Regisseurin: Im Frühjahr 2021!
Ich: Sind wir dann noch alle da? Ich meine, nicht dass die nur halbes Theater kriegen…
Grosses Gelächter
Ich: Tschuldigung. Aber unter uns darf ich ja…
Spielerin: Keine Angst. Wir schieben sonst Gedenksteine für die Fehlenden auf die Bühne.
Ich: Meiner aufm Skateboard, bitte.

Und was kam heute per Mail? Die Spieldaten im 2021, gefolgt von dem netten Schlussatz:

„So bitte niemand sterben…. 😉 Bis heute Abend in der Probe.
Liebe Grüsse“

Die Theatertruppe ist wohl nicht die richtige Reintegrationsmassnahme. 🤷‍♀️

Aber der tollste Ort, um über dieses ganze Desaster zu lachen, den Mittelfinger zu zeigen: He! Noch leben wir! Noch spielen wir! Noch lachen wir!
Und das mehr, als viele ‚Gesunde‘.

Be carefull what you wish for

Ich sagte immer, ich will möglichst viele Leben leben, alles mitnehmen. Man hat ja eventuell nur eins.

Eine Kurzharfrisur getraute ich mich nicht zu schneiden, obwohl ich sie gerne gehabt hätte.
Das Tattoo ist auch schon lange im Hinterkopf, aber Motiv noch nicht klar.

Da findet das Universum doch tatsächlich im Jahr 2019: BÄM! BÄM! BÄM!

Krebs
Shinead-Frisur
Radiologie-Tattoo

Danke. Nächstes Mal formuliere ich meine Wünsche etwas vorsichtiger. 🤨

Fachchinesisch: Diagnosekürzel übersetzt

Ich bin ein paar Mal gefragt worden, in welchem Stadium
ich denn sei. Ich wusste es nicht, wollte es nie wissen.
Einzig das es das 4. nicht sein kann, da ich kurativ und nicht palliativ behandelt werde: Ziel ist krebsfrei werden und nicht Erhaltungstherapie.
Doch als dann auf dem Medizettel der Chemo stand: metastasiertes Mammakarzinom, hab ich schon leer geschluckt und gedacht, warum sagt mir das keiner. Aber das war die Bezeichnung des Chemo-Schemas, nicht meine Diagnose!

Krebsstadien gibt es 1-4, wobei 1 ein kleiner, lokaler Tumor und 4 metastasiert und unheilbar ist. Dazwischen gibt es verschiedene Kombinationen.
Meine vollständige Diagnose bekam ich beim Austritt aus dem Notfall, liest sich wie eine chemische Formel, hier nicht meine Diagnose als Beispiel:
Mammakarzinom rechts
cT1 cN1 cM0 G2, PR+(9/12), ER-(0/12), HER2positiv, Ki67 55%, ED11/19

Hier unten ein Einstieg ins Decodieren der Diagnose.
Ansonsten diesen Link benutzen.

Antikörper mit Chemorucksäckli

In der Woche Wartezeit konnte ich mir schon zusammenreimen, was mein Onkodoc wohl besprechen wollte.
Bereits im allerersten Gespräch erzählte er begeistert von der Therapie, klang etwas nach Hightech und CSI: Kadcyla.

Ich hatte die Option zwischen nur dem Antikörper Herceptin oder Antikörper plus, also Kadcyla – alle drei Wochen für ein Jahr.
Dieses Medikament kommt sonst bei HER2positivem, metastasiertem Brustkrebs zum Einsatz, bei mir (ohne Metastasen) zur Verbesserung der Prognose. Das Plus bei Kadcyla ist ein Zytostatika.
Da ja noch aktive Tumorzellen gefunden worden waren, könnte noch irgendwo was rumschwirren und das möchte ich gerne weghaben, bevor es wieder wuchert.
Kadcyla ist eine zielgerichtete Chemotherapie, wirkt nicht generell auf alle schnell wachsenden Zellen wie AC oder Taxol.
Kadcyla dockt sich am Rezeptor an und wird von der Krebzelle aufgenommen. Dort baut sich das Medi ab und der Chemorucksack geht auf, die Krebszelle wird von innen zerstört: eine Paketbombe.

Natürlich hat Kadcyla mehr Nebenwirkungen als Herceptin. Die Päckchen könnten auch anderswo hochgehen. Die Leberwerte müssen kontrolliert werden, das Herz kann angegriffen werden… eigentlich ist die Liste der Nebenwirkungen laut Compendium genauso lang, wie beim Taxol. Da der Wirkungsmechanismus anders ist, sollte es nicht so krass sein.

Keine Nebenwirkungen bei der ersten Gabe. Zuerst gabs Paracetamol und Cortison als Prophilaxe, alle 15 Minuten Blutdruck- und Temperaturkontrolle, während der 1,5 h Infusion. Die 2h Nachbeobachtungszeit wurde mir erlassen. Beim Herceptin hatte ich nie Probleme und zu Fuss bin ich in 10 Minuten in der Klinik…
Beim nächsten Mal dann ohne Tabletten und nur 30 Minuten Infusionszeit.

Bis jetzt kein Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost. Ich hoffe, das bleibt so! 💪🏻
Ansonsten kann ich jederzeit auf Herceptin wechseln.
Und zum Abschluss gabs noch eine Rose. Oktober ist schliesslich Brustkrebsmonat.

PS: Gestern und vorgestern war ich auf dem Skateboard! Und letzte Woche feiern bis morgens um 3 Uhr!!! 💃
(Ich bin immer noch am Schlaf nachholen 😬)

Hallo Leben, Willkommen zurück! Lass mich bloss nich wieder im Stich!

Morgen Vorbesprechung Radiologie.

Bild und Pieks-Statistik

12 mal Fingerpieks Blutwerte
2 mal grosses Blutbild
13 mal Chemo und Antikörper
2 mal Kontrastmittel
2 mal Zugang Diverses (Notfall und OP)
6 mal Spritze in Brust für Biopsie
3 mal Spritze in Brust für Tumormarkierung
3 mal Spritze um Brustwarze für blaue Farbe
4 mal Stanzbiopsie(oder Versuch)
Das Zunähen habe ich ja nicht mitgekriegt, das zählt nicht.

Also in den letzten 24 Wochen
(Verstecher nicht mitgezählt):

12 mal Fingerpieks
19 mal Venenzugang
12 mal Brustspritze
4 mal gestanzt

Würde ich auch Mutperlen bekommen, dann hätte ich jetzt eine schöne 47 Perlen lange Kette. Fühlte sich nach mehr an…

Ich hab sicher noch was vergessen. 🤨

Warten auf Godot

Wobei…🤔 der kommt ja nie.
Also warten auf Onko.

Ins Spital eingetreten bin ich am Di 01.10. operiert wurde ich an Mi 02.10.
Der erste Besprechungstermin war Di 08.10., aber die Pathologie noch nicht fertig.
Am Di 15.10. hatte ich die Nachbesprechung und weiss immer noch nicht, wies weitergeht.
Das Gute: Tumor wurde sauber entfernt, Lymphknoten sind tumorzellenfrei.
Das Schlechte: Mikrotumore gefunden, 1-2 mm.
Der Onkologe will mich am Mo 21.10. sprechen. Evt. werde noch Therapie eingeschoben vor der Bestrahlung. Heisst das nochmal Chemo? Die Chirurgin wehrte ab. Das habe sie nicht gesagt… Sie habe gar nichts gesagt. Und Antikörpertherapie und Antihormontherapie müssten auch besprochen werden. Und zur Bestrahlung könne man immer noch anmelden. Es gehe um meine Prognose. Und sie habe nichts gesagt, der Onkologe brauche einfach noch Bedenkzeit.
Ich meine, wenn mich der Onkologe sprechen will, ich bin ja nicht blöd. Und serviert bekommen, das der Krebs zurückkommen kann und tödlich enden könnte. Ja, ich weiss. Es kam unerwartet und wenn mich was vorzeitig Umbringt, dann ist es die Unsicherheit gepaart mit meiner Phantasie…
Ich heulte eine Runde.
Dann wurde ich verabschiedet und nun warte ich wieder.

Das wären dann knapp 3 Wochen nach der OP, wenn ich endlich weiss, wies weitergeht.

Dieses aufrecht weitergehen, Klatscher an den Hinterkopf bekommen, wieder aufstehen, weitergehen, ist ungemein anstrengend.
Und teuer!
Hab ich mir doch zwei Garnituren Wäsche gekauft, im Fachgeschäft. Das hatte ich beschlossen, als ich hörte, dass ich operiert werde: Einen perfekt sitzenden, supersexy BH kaufen, egal für was für oder wieviele Brüste!
Und da es noch zwei sind und ich meinen Arm schon schön hochheben kann, wars viel einfacher und tja, jetzt hab ich halt zwei BHs, mit Slip.
Und wenn ich die Narbe mit etwas Gaze abpolstere, kann ich sie schon tragen.
Das war ein wichtiger Kauf! Schöne Wäsche sollte man als Frau sowieso grundsätzlich für sich selber kaufen. 💪🏻

Ansonsten schreibe ich wieder. Kapitel drei ist fertig und schon machen die Figuren, was sie wollen und nicht mehr unbedingt, was ich geplant habe. Soviel zum Autor als Schöpfer… 🤷‍♀️
Und ich mache wieder Theater! Das ist toll!
Lauter Krebskranke und -überlebende, die auf einer Bühne rumtollen, Galgenhumor hoch zehn!
Selten so wenig an meinen Krebs gedacht einen ganzen Abend lang wie bei der Probe. Und das obwohl es beim Theater um Krebs gehen wird.
Aber dazu später vielleicht mehr.

Ich ❤️ Kaffee

Ich liebe es, ihn wieder trinken zu können!
Den ganzen Tag möchte ich in Kaffees zumhängen und lesen.
Denn lesen geht auch wieder. Ist zwar ein Jugendbuch und GRM muss noch warten, aber LESEN!
Post-Chemo-Regeneration ist in vollem Gange.

Nur die erste Mandarine der Saison, die zu verzehren war noch etwas grenzwertig.
Meine Mundschleimhäute sind noch nicht fit genug für so viel Säure. Das brannte.
Aber bis Dezember ist ja noch Zeit.

Best of Klinik

Um die Wartezeit zu verkürzen, ein Best of der dümmsten Momente aus dem Spital.

Sich aus Versehen die OP-Markierungen wegduschen und sie sich dann von der Nachtschwester heimlich nachzeichnen lassen.

In irgendeinem Gerät liegen und feststellen, dass die Blase doch nicht so viel Füllvermögen hat, wie vor einer Viertelstunde gedacht.

Frisch operiert.
Die Hand voll Mandelöl, um den Skalp zu pflegen.
Und beim Blick in den Spiegel feststellen, dass die linke Ölhand zur linken operierten Achsel gehört. Und das Öl wohl so nicht zum Kopf kommt.

Vom Spitalbett aufstehen und mit dem Dränageschlauch an der linken Bettseite und mit dem Infusionsschlauch am Kopfteil festhängen.

Dem falschen Spezialisten eine ungefähre Einschätzung entlocken. Und noch einem eine andere.

Sich beim Einfädeln der Infusionsbeutel in den Pullover verrechnen…

Einen über jede mögliche Komplikation gut informierten und zur Komnunikation motivierten Pfleger nach dem möglichen Schmerzlevel beim Entfernen der diversen Schläuche fragen.

Spital kann so anstrengend sein!