Mal freiwillig unter der Nadel

Ich: Also medizinisch habe ich es abgeklärt und alles ok.
Sie: Hatte der Arzt nichts dagegen?
Ich: Ich weiss, prinzipiell haben ja alle Ärzte was gegen Tattoos. Aber die Onkologen sind da anders.
Sie: Echt?
Ich: Was soll er denn sagen? Die Farben sind krebserregend? Hahaha. Zu spääääät!

nach 2h

Sie: Wie gehts? Mit der Farbe weitermachen?
Ich: Gut! Ich schlaf gleich ein…

nach 2,5h

Sie: Gehts noch?
Ich: Kein Problem. Ich döse hier etwas.

nach 3h

Sie: Jetzt ists unangenehm, oder? Gehts noch?
Ich: No problem. Ich bin Schmerzexperte.

nach 3,5h

Sie: Fast geschafft! Endspurt! Jetzt musst du noch durchhalten!
Ich: Wie lange?
Sie: Halbe Stunde.
Ich: Cool!!

Die schwarzen Outlines fühlten sich bloss wie das Ritzen einer Messerspitze auf Haut an. Die dickeren Linien wie sanftes schneiden.
Das Schattieren wurde dann als Erstes etwas schmerzhaft.
Und die Farbe dann, das war so mehr wie ein Rumkratzen in einem üblen Sonnenbrand.

ABER

Ich wusste, nachher ist es vorbei. Keine zwei Wochen Nebenwirkungen. Keine Verschlimmerung wie bei der Bestrahlung.
Einfach vorbei. Und dann heilt es.
Und so war es sehr vorausseh- und handlebar.
No problem.
Und ja, ich bin tatsächlich weggedöst…. 😬

Fünftens

Ich: Darf ich mir ein Tattoo stechen lassen?
Er: 🤔
Ich: Also so rein medizinisch, Behandlung und so. Weil hab ja jetzt eh schon drei.
Er: Und warum wollen sie ein Viertes?
Ich: Ich wollte ja immer eins. Hab mich bloss nie getraut und dann: Tadaaaa!! Drei Strahlentattoos!
Er: Ach? Die sind echt? So richtige Tattoos, die bleiben? Ich hab das immer für ein Gerücht gehalten…
Ich: Nö. Schön drei Punkte. Zur Laserausrichtung auf der Strahlenbank. Und jetzt schieb ich nix mehr auf. Also bevor ich nun wieder medizinisch…
Er: Sollte kein Problem sein. Warten sie bis nach der Chemo. Wobei, könnten sie wahrscheinlich schon jetzt. Wäre höchstens schlecht, wenn ein Hautinfekt… Weiss man halt nie. Also, wenn sie ganz sicher… Nur zu!

🦀Bilderbuch

Hab ja sonst nicht viel zu tun, ausser die Scherben wegzuräumen, von allem was zerbrochen ist und wegzubrechen scheint und warten.
Ob und wann und wie ich wieder arbeiten darf, ob und wann und wie es mit diesem Ausnahmezustand weitergeht.
Also habe ich mir ein Buch mit meinen 🦀Bildern gemacht.

So zum Jubiläum quasi. Heute ist Freitag in der zweiten Schulwoche nach den Frühlingsferien. Letztes Jahr war das der Zeitpunkt der ersten Chemo. Auch wenn es vom Datum her noch ein paar Tage geht bis zum exakten Jahrestag.
Deshalb nur ein Quasi-Jubiläum.

Vielleicht sollte ich mir heute einen Campari Soda gönnen. 🤔 (Schön in der gleichen Farbe wie die Infusion)

Juhuuu – ein Tattooo

Wollte ich ja schon immer.
Nun ja, vielleicht nicht so. Nicht im Krankenhaus und nicht bloss drei Markierungspunkte für die Bestrahlung. So what…

CT- Termin heute, als Vorbereitung zur Bestrahlung. Das Gerät erinnert mich immer an Star Wars. So ein Ring, in den man auf einer Liege reingeschoben wird.
Zuerst oben frei machen und hinlegen. Alles genau auf Position, weil ich dann bei der Bestrahlung dreiundreissigmal genau die gleiche Position einnehmen muss.
Also einen Balken am Po, eine Stütze unter den Knien und Armstützen für die hinter dem Kopf liegenden Arme. Ein Laser diente als Hilfe, ob ich auch ja gerade liege, noch etwas den Kopf zur Seite. Die Operationsnarbe wurde mit einem Draht abgeklebt, damit sie auf dem CT sichtbar ist.
Dann wurde ich reingeschoben, rote Lichter am Körper. Die zwei CT-Expertinnen markierten meinen Körper mit Filzstift, dann mit Bleikügelchen. Sie krochen quasi zu mir ins CT rein. Schon alles sehr skurril.

Ich bekam ein Kästchen auf die Brust, die Kamera um Fussende mass so meine Atembewegungen. Ich musste atmen, Atem anhalten. Soviel ich verstanden habe, wird mit angehaltenem Atem bestrahlt, damit die Distanz zwischen dem zu bestrahlenden Gewebe und Herz/Lunge grösser ist und sie weniger abkriegen.
Ein paar Mal Atemübungen, Bilder und wieder rausgeschoben.
Noch ein paar Fotos, um die Lagerung zu dokumentieren. Dann wurden die Bleikügelchen und der Draht entfernt. Und die eine CT-Expertin kam mit ihrem Tätowierstab. Drei Punkte habe ich jetzt. Einen unten am Brustbein und je einen auf der Seite.
Das wars.
Die erste Bestrahlung ist in drei Wochen. Soviel zu der Planbarkeit. Aber ich mache wohl mal einen separaten Post zu Arztzeit vs. Patientenzeit.
Die scheint irgendwie total anders zu laufen.

Be carefull what you wish for

Ich sagte immer, ich will möglichst viele Leben leben, alles mitnehmen. Man hat ja eventuell nur eins.

Eine Kurzharfrisur getraute ich mich nicht zu schneiden, obwohl ich sie gerne gehabt hätte.
Das Tattoo ist auch schon lange im Hinterkopf, aber Motiv noch nicht klar.

Da findet das Universum doch tatsächlich im Jahr 2019: BÄM! BÄM! BÄM!

Krebs
Shinead-Frisur
Radiologie-Tattoo

Danke. Nächstes Mal formuliere ich meine Wünsche etwas vorsichtiger. 🤨