Wie man seiner Psycho-

Onkologin einen Gesichtsausdruck verpasst, als würde ihr ein Messer in den Bauch gestossen und umgedreht:

„Darf ich sie was fragen? Nur mal so generell, damit ich weiss, ob das so eine naive Vorstellung von mir ist….
Also, gibt es das tatsächlich, dass Partner wirklich zu einem halten… unterstützen, auch wenns mal nicht lustig ist. Und auch wenn sie zurück stecken müssen? Partner oder Familie, halt nahe Angehörige, so Leute, die sagen, dass sie einen lieben.
Oder denke nur ich so? Dass das ja eigentlich dazu gehört?
Also muss ja nicht unbedingt Krebs sein, halt einfach sonst, Krankheit oder Krisen, Durststrecken… Nicht Lustiges halt.
Gibt es das wirklich oder ist das so eine Hollywood-Erfindung?
Weil, also mein Ex-Mann oder -Freund, waren ja nicht so. Und als Kind, nun, meine Eltern… äh, ich wollte das mal fragen, weil ich kenne das nicht. Hatte das halt noch nie.“

Liste Reloaded

Ich hatte ja da mal so eine Liste und hab jetzt mal alles gestrichen, was schon erfüllt wurde:

  • Umarmungen
  • weisse, vegane Schokolade
  • Gefühl in meinen Fingerkuppen
  • Gelassenheit
  • Pedicure
  • Moussaka von meiner Freundin
  • 1-m Ollie, Rock to Fakie und Kickflip
  • Augenbrauen
  • Sonnengetrockneter Lakenduft
  • Gesundheit
  • mein Picknick, dass noch zu Hause auf dem Tisch liegt
  • Urlaub am Meer
  • Energienoch stark ausbaufähig
  • Haut, die sich sonnen lässt
  • eine coole Netflix-Serie (möglichst 12 Staffeln)
  • Zuversicht
  • 3 Caipiroshkas 🤪🤪
  • ein neues Dachfenster im Estrich
  • Doc Martens 2 Paar 😬
  • Liebe
  • einen Koch / Astronautenfood
  • schöne Träume
  • durchtanzte Nacht
  • Haare (auf dem Kopf)
  • Drogen
  • Jemand, der meine schweren Müllsäcke trägt
  • animalischen Sex
  • Freiheit

Einen Koch brauche ich nicht mehr und jemanden, der die Müllsäcke trägt auch nicht.
Um die Fenster (sind inzwischen zwei) kümmere ich mich bald.

Das mit der Gesundheit ist so weit so gut und das Meer kann warten, ich habe meinen Privatnacktbadeplatz. 😁

Auf Drogen kann ich locker verzichten, das Leben ist grad wunderbar (mit Vorbehalt, am Wochenende wars das, gestern wars beschissen 🤷‍♀️).
Mein Grosser und mein Kleiner sind ziemlich gut drauf und wir schauen uns prima. 🧑🏼‍🦱👦🏼🧒🏼

Das mit der Liebe ❤️ wäre noch offen. Hallo? Universum? Aber lass dir ruhig Zeit, ich brauch noch etwas. 🙏🏻

Sonst schlittere ich wieder in Halbes rein… oder bin totalüberfordert.

Ich meditiere mich zu Tode

Meditation, das wäre noch was, dachte ich früher öfter. Hatte aber irgendwie keine Zeit etwas Neues zu lernen zwischen Kids, Arbeit, Haushalt und Sport.
Jetzt habe ich Zeit, viel Zeit. Und gross bewegen muss ich mich zum Meditieren auch nicht. Also quasi ideal um damit zu beginnen.
Entspannungsübungen sind mir nicht fremd. Autogenes Training habe ich immer gerne gemacht, kennen gelernt mit sechs Jahren im Kindergarten. Beim AT war aber immer das Problem, dass ich eine Stimme brauchte, die mich anleitete.
Zuerst musste ich also immer eine Stimme finden, die angenehm sprach. Und wenn die Stimme dann was Unpassendes sagte, war Schluss mit der Entspannung.
Oder wenn ich gerne noch tiefer in die Entspannung wäre, so zum Beispiel in den Traum der letzten Nacht wieder einsteigen, aber es dann schon fertig war. Diese Abhängigkeit nervte mich.
Aber alleine habe ich es selten geschafft, das Rauschen im Kopf ruhig zu kriegen.
Progressive Muskelentspannung war nie meins. Also versuche ich es jetzt mit Meditation.
Ich lasse mich auch erst durch Stimmen anleiten. Gibt ja nette Apps. Und ich habe viiiiiiiel Zeit.
Mein Hirn braucht dringend eine Auszeit!
Die letzten Wochen waren emotional so anstrengend. Nicht nur wegen dem Krebs. Den hab ich ja schon fast vergessen. Haha. (Scherz)

Und dann habe ich gestern festgestellt, das geht tatsächlich.
Man kann nichts denken. Bis jetzt hielt ich das ja für ein esoterisches Gerücht. Oder für eine Ausrede auf die Frage: Woran denkst du?
Doch seit gestern bin ich bekehrt.
Ich konnte tatsächlich Rosen schneiden und an nichts denken. Nicht die ganze Zeit, aber bis jetzt konnte ich noch nie an nichts denken, keine Sekunde. Mein hyperaktives Hirn denkt normalerweise eher so an drei Sachen gleichzeitig und das im 6 Gang auf der Überholspur.
Nichts denken.
Was für ein wattebauschiger Zustand!

Dafür geben meine Träume Gas. Wohl zum Ausgleich. Schütten mich zu mit plakativen Mitteilungen und Appellen in Metaphernform.
Puh!
Wieder mal Grossputz im Unterbewusstsein? Ausmisten?

Aber gerne!

Allein

Und dann ist man plötzlich allein.
Allein mit den Kindern.
Allein mit der Krankheit.

Und kein Partner in Crime mehr da. Vielleicht ein Freund.

Überraschend, auch wenn nicht total unerwartet.
Doch das Gefühl bleibt: Krebs frisst alles. Erst den Alltag, das Abenteuer, die Freiheit, dann die Liebe.