Zukunft ausmalen

Warum ist mir das erst heute aufgefallen?
Irgendwann in der Reha hatte ich die Nase voll davon, Krebsbilder zu malen. Ich wollte ein Zukunftsbild malen in kräftigen Farben.
Also bekam ich ein grosses Stück Papier ca. 1,5m x 2m und nah mir den breitesten Pinsel, blau und grün und malte wie wild drauf los.

Und dann stand das Bild etwa 3 Wochen zusammengerollt in der Ecke. Ich konnte mir einfach nicht ausmalen, was denn in Zukunft werden sollte.
Irgendwann nahm ich es wieder raus und schmierte erst mit den Händen weiter Farbe drauf, gestalten, formen. Zukunft selbst im die Hand nehmen.

Das sah aber zu sehr nach fleischigen Büropflanzen aus, also griff ich wieder zum Pinsel.

Und das ist mein: Ich-will-ins-Leben-reinspringen-Bild.

Und dann kam Corona, Schulen zu, vereitelter Arbeitsversuch, Trennung und trotzdem…

Wem fällt was auf?
Was mache ich seit Ostern fast täglich?

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Was male ich als nächstes? 🤔😄

🦀Bilderbuch

Hab ja sonst nicht viel zu tun, ausser die Scherben wegzuräumen, von allem was zerbrochen ist und wegzubrechen scheint und warten.
Ob und wann und wie ich wieder arbeiten darf, ob und wann und wie es mit diesem Ausnahmezustand weitergeht.
Also habe ich mir ein Buch mit meinen 🦀Bildern gemacht.

So zum Jubiläum quasi. Heute ist Freitag in der zweiten Schulwoche nach den Frühlingsferien. Letztes Jahr war das der Zeitpunkt der ersten Chemo. Auch wenn es vom Datum her noch ein paar Tage geht bis zum exakten Jahrestag.
Deshalb nur ein Quasi-Jubiläum.

Vielleicht sollte ich mir heute einen Campari Soda gönnen. 🤔 (Schön in der gleichen Farbe wie die Infusion)

Von der Reha zu Corona

Das war alles sehr seltsam. Ich komme heim, voller Pläne ins Leben zurück zu kommen und mit der Auflage aber ja gut auf mich zu schauen, Entlastung zu organisieren und ZACK zwei Tage später Schulen zu.

Also noch schnell Schuhe für den Kleinen kaufen, Lesestoff und Malzeugs, man weiss ja nie, wie lange die Läden… ZACK!

Erst war ich wütend, ein Jahr weg wegen Krebs, nächstes Jahr Corona. Dann relativ ruhig, als ich die Info bekam, trotz Zugehörigkeit zur Krebskohorte mit Chemo nicht (Hoch)risikopatientin zu sein. Und nun bin ich zunehmend irritiert. Ob meinen Mitmenschen. Die sich erst übers Händewaschen lustig gemacht haben und nun Toilettenpapier horten und das Haus nicht mehr verlassen, obwohl nicht zur Risikogruppe gehörend.

Wir haben hier keine Ausgangssperre. Es heisst zwar, man soll zu Hause bleiben, aber es geht ums zusammenrotten und rumhängen. Maximal fünf Leute dürfen sich treffen (Abstand 2m). Joggen und Fahrradfahren sind erlaubt. Risikogruppen und über 65Jährige sollten das Haus nicht mehr verlassen.

Ich verlasse das Haus noch. Ich gehe Essen kaufen und Fahrrad- oder Skateboardfahren mit meinen Jungs. Wir haben den Deal, jeden Tag raus zu gehen: Frühstück, 9:00 Uhr Internetlektion via Zoom, Anziehen, Schule, Mittagessen, Pause und dann zusammen raus: Wald, Fluss, Bach. Klappt sehr gut! Vielleicht weil wir schon katastrophenmodusgewöhnt sind. Mein Intermezzo mit Kaffeetrinken und mehr Bewegungsfreiheit zwischen Operation und Bestrahlung war eh kurz. Soziale Kontakte hochfahren wollte ich erst noch, nachdem ich wieder zu Kräften gekommen bin. Und Haus und Garten helfen sicher auch!!!

Habe ich Angst? Nein, mein Angstkonto ist aufgebraucht. Ich habe Respekt und respektiere die Weisungen. Ich will niemanden anstecken. Aber statistisch ist mein Risiko an meinem Krebs zu sterben höher, als wenn ich eine Siebzigjährige mit Vorerkrankung und Corona wäre.

Also pass ich auf, ohne mein Leben zu verpassen. Auch das ist wichtig!

Abgrenzungsversuche

Ich: Also hier ist der Plan für die sechs Wochen Reha. Wann sie wo wohnen. Evt. meldet sich der Papa noch, wegen Zusatzbetreuung.
Sie: Oh, das wird knapp. Das müsstest du viel früher sagen.
Ich: Nicht ich, er. Ich bin dann weg.
Sie: Das ist schon jetzt fast zu spät.
Ich: Ja. Er hat den Plan seit Dezember.
Sie: Sag ihm das.
Ich: Hab ich schon.
Sie: Das müssten wir bald wissen. Sag ihm das.
Ich: Hab ich. Sags du ihm.
Sie: Falls es überhaupt noch klappt…
Ich: Ich weiss nicht, wie er sich organisieren will. Für einmal nicht mein Problem.
Sie: Aber du musst schauen…
Ich: Nein, nicht ich. Sein Job. Ich krank. Ich weg.

MANN! Geteiltes Sorgerecht heisst doch nicht nur Vetorecht. Lasst doch die Väter auch mal Väter sein, anstatt nur Zahl- und Spassonkel. Traut ihnen was zu und fordert was und degradiert die Mütter nicht für ewig zur Familiensekretärin des Ex.🙄