Zukunft ausmalen

Warum ist mir das erst heute aufgefallen?
Irgendwann in der Reha hatte ich die Nase voll davon, Krebsbilder zu malen. Ich wollte ein Zukunftsbild malen in kräftigen Farben.
Also bekam ich ein grosses Stück Papier ca. 1,5m x 2m und nah mir den breitesten Pinsel, blau und grün und malte wie wild drauf los.

Und dann stand das Bild etwa 3 Wochen zusammengerollt in der Ecke. Ich konnte mir einfach nicht ausmalen, was denn in Zukunft werden sollte.
Irgendwann nahm ich es wieder raus und schmierte erst mit den Händen weiter Farbe drauf, gestalten, formen. Zukunft selbst im die Hand nehmen.

Das sah aber zu sehr nach fleischigen Büropflanzen aus, also griff ich wieder zum Pinsel.

Und das ist mein: Ich-will-ins-Leben-reinspringen-Bild.

Und dann kam Corona, Schulen zu, vereitelter Arbeitsversuch, Trennung und trotzdem…

Wem fällt was auf?
Was mache ich seit Ostern fast täglich?

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Was male ich als nächstes? 🤔😄

Du bist so eine mutige Frau

Hahahahaha….

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Ein kleiner Ausflug mit dem Grossen und dem Kleinen ins Jagdgebiet von Kleintinkakartinka.

Da Naturschutzgebiet war es nicht so einfach, einen Schlafplatz für drei Hängematten zu finden. Mussten ja im besten Fall 3, eher 4-5 Bäume im geeigneten Abstand sein. Und dann ohne über irgendwelche Absperrungen zu klettern und nicht im Schilf.
So richteten wir uns an einen Picknickplatz ein. Genügend weit entfernt von der Partywiese und vom Campingplatz, am anderen Seeufer.
img_4690Einrichten, baden, zusammen auf dem Steg sitzen und die aufploppenden Sterne zählen.
Wir alle sind voll im Zen. Der Grosse und der Kleine gehen ohne Murren in die Hängematte. Der Himmel wird immer dunkler und immer mehr Sterne leuchten und die Grillen zirpen. Von gegenüber schallt und gröhlt das Partyfolk, bis auch sie verstummen.
Dann löst das Froschkonzert das Grillenorchester ab und der Kleine schnarcht bereits friedlich in seiner Matte.
Es wird still, die Frösche gehen schlafen. Und die Halbgeräusche beginnen. Da ein Knacken, dort ein Rascheln. Und – war da nicht was?

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Ein Flugsaurier? Ein Kriechtier? Gibt es hier Getier mit Hörnern?
Ich zünde kurz mit der Lampe, sehe aber nur mein Mückennetz. Super gemacht.
Oh Schreck! Da spricht jemand. Ganz dicht neben mir!!!
Der Grosse murmelt im Schlaf. Es knackt und raschelt undzuordbar aus dem Wald.
Dann, da! Ein Licht! – Ah nein. Das sind bestimmt die Autos. Dort drüben ist eine Strasse. Wobei. Nein. Das Licht kommt näher. Schritte. Zwei Menschen sehr zielstrebig im Stechschritt direkt zum Steg vor unserem Schlafplatz. Kaum angekommen, löschen sie das Licht.
Also Liebespaar schliesse ich schon mal aus. Zu geschäftig, fast eilig sind die hergekommen. Stimmen sind keine zu hören, nur ein leises Murmeln. Hin und wieder flackert kurz das Licht auf. Es plätschert ins Wasser. Falls jemand Pinkeln war, muss es sehr erleichternd gewesen sein.
Aber was wird nun ins Wasser geworfen? Fischen die? Kann man Nachtfischen? Und warum werfen die so vieles ins Wasser. Und holen die auch was raus? Dazu dieses Knacken. Alles im Dunkeln. Klingt nach Zweigen, auf dem Steg sind aber keine Zweige. Knochen klingen bestimmt anders. Und zu schmuggeln gibt es hier ja auch nichts. Hmm. Gehen die bald wieder? Ich stell mich mal tot in der Matte. Bis jetzt haben sie und nicht entdeckt.
Da! Erneut Schritte! Genauso schnell und zielstrebig – aber diesmal am Steg vorbei. Also Abendspaziergang geht anders. Es ist nach Mitternacht.
Das geschäftige, aber beinahe lautlose Treiben auf dem Steg ist zu Ende. So schnell – die Taschenlampe auf den Weg gerichtet – wie sie gekommen sind, gehen die beiden Menschen wieder.
Und die Halbgeräusche kommen zurück, dort ein Knacken, hier ein Rascheln. Kurz flammt das Froschkonzert auf. Dann beginnt ein Fiepen, bis sich wieder rasche Schritte nähern, diesmal von der anderen Seite. Das muss der andere Mensch auf dem Rückweg sein.
Also, jetzt wird ja wohl Ruhe…. Es ist schon halb zwei.
Ich sinke langsam so wartewohlig ins Traumdämmerland, da höre ich unmissverständlich folgende Durchsage:
ACHTUNG, ACHTUNG, HIER SPRICHT IHRE BLASE! Der Urinspiegel nähert sich einer kritischen Höhe, es kann nicht mehr garantiert werden, dass nicht bald Unterleibskrämpfe einsetzen werden. Bitte sofort entleeren!

🙄

Na toll. Jetzt wo ich mich endlich entspannt und das Gerenne zu Ende ist. Fast kann ich nachvollziehen, wie man auf die Idee kommen kann, aus der Hängematte zu pinkeln….

Es kamen dann noch ein paar Halbwüchsige – der Steg scheint äusserst beliebt. Leider hatte ich auch um halb drei noch nicht ganz raus, weshalb der arme Junge so Stress mit seiner Freundin hatte. Und dann zogen sie auch schon weiter. War eher so, wie wenn man kurz mal in einen Tatort schaltet, aber weder mitgekriegt hat, wer umgebracht wurde, noch wer der Mörder war.

Irgendwann schlief ich dann doch ein. img_4715Und dann kam der Morgen und der Grosse und der Kleine schliefen immer noch. So legte ich mich auf den Steg, suchte nach Knochenteilen im Wasser und guckte der Sonne beim Aufgehen zu.

Und Grosser und Kleiner, habt ihr gut geschlafen?
Jaaaaaaaaaaaa! Und du Mami?
Ich= 🧟‍♀️: 😬👍🏻

 

Oder, wie ich mich so fühlte nach dieser Nacht…

Aber toll!

Toll, toll, toll wars!

Und als Abschluss, bevor sie zu Papa gehen und ich drei (!) Wochen (plus 1mal Chemo) Zeit für mich habe, gabs noch den letzten Harry Potter und das:

Byebye 2019 – Hello 2020

Ich hatte noch nie so wenig Lust an Silvester irgendeine Bilanz des Jahres zu ziehen, wie gestern.
Normalerweise denke ich an Silvester an die schönen Tage des Jahres zurück, an Ferien, Menschen, Erlebnisse. Aber diesmal hatte ich das Gefühl, dass ich das schon immer wieder im Laufe des Jahres gemacht habe, immer das Gute suchen, das Glück zu finden versuchen, dass ich gestern dazu keine Lust hatte.
Und eine Bilanz ziehen über dieses Jahr ohne Sonne, als Knut der Knoten kam, obwohl ich noch 10 Bestrahlungen vor mir habe? Das fühlte sich seltsam an. Auch weil ich mich wie ein Nepalesischer Lastenträger fühle, zerpflücke ich die Last, würde sie mich wohl unter sich begraben.
Aber einiges Neues gelernt habe ich in diesem 2019, abgesehen von medizinischem Wissen:

  • In mir gibt es einen Raum, in dem ich zu Hause bin und wo Stille ist. Ich habe das Meditieren entdeckt.
  • Ich bin nicht für das Glück der Anderen (Erwachsenen) zuständig.
  • Nicht-Kämpfen heisst nicht automatisch aufgeben. Und nicht aufzugeben bedeutet nicht immer kämpfen.
  • Der Krebs kann mir nicht das Leben nehmen. Ich kann daran sterben. Aber das Leben will ich mir nicht nehmen lassen.

Und fürs Neue Jahr wünsche ich mir, dass mein Körper wieder mir gehört!

(Bewegungs-Freiheit, Reisen, Sonne auf meiner Haut, nackt im Meer schwimmen, mit meinem Mountainbike auf einen Hügel und den Wald runterbrettern, querwaldein Joggen, eine Nacht durchtanzen, mich über furchtbar Banales ganz fürchterlich aufregen, Alltag und Ausbruch, ein Tattoo mit selbst gezeichnetem Motiv, auf einem Gipfel stehen, Skateboarden, mit meinem Kids verreisen und, und, und…)

Im Auge des Tornados

Krebs ist wie ein Wirbelsturm. Von weitem kommt er unaufhaltsam auf einen zu. Er hat den totalen Fokus.
Alles in der Nähe gerät in den Sog.
Einige Freunde wirbelt er weg, andere stehen plötzlich unerwartet da.
Vieles wird unwichtig, anderes unerreichbar. Es wird vesprochen, versichert, gehalten, gelogen und betrogen. Krebs ist ein Katalysator.
Der Charakter zeigt sich im Sturm. Nicht zu Beginn, nein, mittendrin. Im langen Atem, wenn einem alles um die Ohren fliegt und man nicht flieht, Hals über Kopf.
Nicht alle wollen bleiben, nicht alle können bleiben. Manche möchten, können aber nicht.
Sicher ist nur, dass ich da bleibe. Denn ich stehe im Auge des Sturms.
Und warte.

Kein Taxol heute. Blutwerte zu schlecht.

Wartebank

Ich bin weg.
Jeden holt es ein, wurde mir von der Psycho-Onkologin gesagt. Kaum jemand schafft es, nur optimistisch durch die Krebstherapie zu gehen.
Seit Montag hängen die Flaggen tief.
Und ich habe das Gefühl, zu verschwinden, nicht mehr zu wissen, wer ich bin.
Diese Krankheit überschattet alles. Und damit meine ich nicht die Symptome oder die Angst vor einem unguten Ende.
Vielleicht ein wenig.
Ich existiere nicht mehr unabhängig der Diagnose, unabhängig vom Krebs.
Ich kann mir nie entfliehen, mich nie finden, geschweige denn neu erfinden.
Ich erkenne mich nicht mehr wieder.

Ich sitze und warte. Ich gehe an meine Termine, Spital, Physiotherapie. Dann sitze ich wieder und warte.

Darauf, dass ich mir wieder begegnen kann.

Dunkle Wolken

Manchmal habe ich das Gefühl, zu verschwinden. Fürs Leben unsichtbar geworden zu sein. Das zieht an mir vorbei. Wie ein langer Fluss und ich stehe am Ufer.
Die anderen ziehen mit, lassen sich treiben im Wasser, winken und ich werde hier fest gehalten.
Als Geisel der Krankheit.
Ich muss froh sein, wenn ich meine Füsse ins Wasser halten kann und auch etwas von der Strömung spüre. Und dann ziehe ich sie wieder raus und warte, darauf, dass sie trocknen und darauf, dass das irgendwann einmal vorbei ist.

Dann habe ich die Schnauze voll. Und ich frage mich, wozu das alles. Wozu mich mit Chemo vergiften lassen, wenn ich nicht mal weiss, ob ich je wieder ich selber sein werde. Wer ich sein werde, wenn dieser Krebsmarathon endlich vorbei ist.
Die Glatze nervt, die 1000 Tücher, die ich habe, helfen dann auch nicht.
Und immer optimistisch. Und jaja, das wird schon alles gut.
Wer bist du? Gott? Ein Wahrsager? Woher willst du das wissen?
Es wird NIE alles gut. Nie ALLES.
Weil, das ist das Leben und das geht ja sowieso unweigerlich auf den Tod zu.
Wenn man Glück hat, dann lebt man als Kind unbeschwert in den Tag und alle Türen stehen einem offen. Wenn man Pech hat, dann nicht mal als Kind.
Wird man älter, so werden einem immer mehr Türen vor der Nase zugeknallt. Und ja, ich suche immer wieder neue.  Versuche es.
Sonst.
Heute nicht.
Heute bin ich müde, so unendlich müde.
Lasst mich bloss alle in Ruhe.
Denn ich bin sowieso allein. Krank ist man immer nur allein.
Und einsam.

Ich habe die Nase voll von Mitleid und Anteilnahme. Von Hilfe und Betroffenheit.
Ich will meine Unabhängigkeit zurück.
Ich will mein Leben zurück.
Ich will wieder ich sein.

On my Board: Bald but Beautiful 👩‍🦲🛹✌🏻

Skatelesson im Park.
Ok.
Mini-mini-mini-Skatelesson.
Aber immerhin.

Die Physiotherapiehalbstunde ist ausgefallen, also spontan Koordination und Gleichgewicht im Park trainiert.
Und das geht im Moment nicht alleine. Meine Kondition ist übel, meine Angst zu stürzen gross. Nach 5 Kickturns muss ich mich ausruhen. 🙈
Aber he! Ich war im Park!!!! 💪🏻💪🏻💪🏻
Ansonsten ist es im Moment nur viel zu heiss für alles.
Mit meinem tiefen Blutdruck ist mir schon in gesundem Zustand alles über 25° Grad zu heiss. Und jetzt?
🥵🥵🥵
Glücklicherweise ist mein Haus über 100 Jahre alt = dicke Mauern und schön kühl.

Heute gehts zur 3. Chemo der 2. Phase. Das wäre dann schon 1/4 geschafft.

Und vom Knoten kann ich bereits nicht mehr viel tasten…. 🤔
Kann das sein?
Können wir dann aufhören mit Chemo, bitte? 🙏🏻
Wohl kaum.
🤷‍♀️

PS: Lieber Herr Onkologe, Glatze trug ich natürlich nur fürs Foto. Ansonsten 👷‍♀️.
Versprochen! 🤞🏻

PPS: Diese Emojiflut ist hitzebedingt. Mein Hirn ist niedergegart. 🧠🔥

PPS: Auf in die Klinik. Jetzt!

PPPS: Nachtrag: Weicher ist der Tumor geworden und darum seine aktuelle Grösse schwer abzuschätzen, meint Herr Doktor.
Aber es geht was. 🦀💥🔫

Chemotherapie und Sport: Piano, piano

Sport hilft, sagen sie.
Sowohl in der Prophylaxe, als auch gegen die Nebenwirkungen der Chemo, oder in der Nachsorge: Sport bei Krebs

Nun wäre Sport ein Allerweltsheilmittel hätte ich ja gar nie krank werden dürfen. Ich bin ein absoluter Bewegungsmensch. Müssen sich viele zum Sport aufraffen oder sogar zwingen, so muss man mich bei einer postoperativen Zwangspause ans Bett fesseln, damit ich nicht aufspringe und losrenne. Ich muss meine Energie loswerden. Sport hilft mir gegen Migräne/Stress und macht mich einfach glücklich.
Vor der Erkrankung war ich zweimal pro Woche im Karate, zweimal Joggen am Berg, einmal Body-Art (so ein Stabilisationstraining für die Tiefenmuskulatur mit viel Körpereigengewichtsübungen und Dehnungen als Ausgleich). Und bei schönem Wetter zusätzlich wenn immer möglich auf dem Skateboard (oder dem Bike).

Eine meiner grossen Ängste –  neben den anderen natürlich –  war, dass ich jetzt für eine halbes Jahr ruhig gestellt bin. Aber der Herr Onkologe meinte, Sport sei gut.
Einfach kein Hochrisikosport. Von den Kursen habe ich mich abgemeldet. Auf eine bestimmte Uhrzeit Sport machen im Moment? Undenkbar.

Und meine Freundin stresste mich schon ein wenig mit ihren Fragen, ob ich bereits wieder mal Sport machen war. Ich konnte es mir absolut nicht vorstellen. Wenn mich die Chemo derart runterbremst, dass mir der Sport nicht im geringsten fehlt, dann…. Naja, scheint ein übles Gift zu sein. Heute schlurfte ich jedenfalls sehr gemütlich ins Lebensmittelgeschäft. Und darauf musste ich mich zwei Stunden innerlich vorbereiten.

img_3232Aber am Dienstag zog ich mir doch die Laufschuhe an. Ich hatte so super geschlafen, die Sonne schien. Ich wollte raus. Meinen Tracker nahm ich mit, um eine Ahnung zu haben, wieviel ich mir zumuten kann. Und dann bin ich moderat losgetrabt.
Immer schön ein Kleeblatt um mein Haus, so dass ich mich immer wieder fragte: Geht es noch? Geht’s noch weiter? Ist es schon zuviel? Nein, ein Schlenker geht noch.
Es hat mir so unendlich gut getan!
Endlich wieder diese Gefühl von Freiheit, einfach ohne Wind im Haar. Aber sich selber wieder spüren. Kraft und Energie haben.
Ich hab ne flache Strecke gewählt und war sehr stolz auf mich, das ich mich nicht überschätzt hatte und trotzdem eine schöne Strecke laufen konnte.

Mittwoch lag ich dafür flach. Aber Endorphine, Serotonin, Dopamin oder was auch immer waren noch im System und retteten mich durch den Tag.

Donnertag wollte ich nochmals raus. Weil am nächsten Tag Chemo und dann diese fünf ganz schwierigen Tage. Diesmal in den Wald mit leichter Steigung, damit ich etwas Muskelkater habe.
Der Wald ist toll zum laufen. Er riecht schon ganz anders als vor zwei Monaten. Etwas feucht, da es geregnet hatte, aber frisch, nach Moos.
Naja. Steigung. Also Kraftreserven: Nicht vorhanden.
Ich musste gehen, immer mal wieder. Der Brunnen bei der Waldhütte hatte leider kein Wasser. Da wollte mich eine Rentnergruppe zum Bier einladen. Ich sagte, wenn sie mich dann heimtragen. Das wollten sie aber nicht und und ging weiter.
Diese zweite Strecke war genug. Also das nächste Mal keine 5 km mit Steigung! Merke!
War trotzdem toll!
Nahm mir auch etwas die Angst vor der Chemo, die Angst, die plötzlich auftauchte, mit zunehmenden Nebenwirkungen.
Ich bin noch da.

Mohn in der Morgensonne
Mohn in der Morgensonne