Sorry, meins.

Heute im Wartezimmer war eine Mutter mit Kinderwagen und einem etwa zweijährigem Mädchen. Beide dunkelhäutig, farbige Kleider, die Mutter mit Kopftuch, das Mädchen mit Zöpfen.
Ich wollte raus und das Mädchen schaut mich mit grossen Kulleraugen an, zum Skateboard, zu mir, zum Skateboard.
Dann kommt sie, dreht an den Rollen und als ich raus gehen will kommt sie mit.
Ich gehe zurück, sie kommt zurück.
Da lege ich ihr das 🛹 auf den Boden. Sie stürmt darauf zu.
Ich muss sie halten und platzieren, dann schiebe ich sie ein wenig rum.
Sie strahlt!
Ich stelle sie wieder runter. Winke und gehe.
Sie kommt mit.
Draussen fängt sie die Mutter ein.
Lautes Geschrei. Ich fahre davon.

So sorry.
Hoffentlich hast du mal dein Eigenes.

Erinnerte mich daran.

Ich bin nicht kontrollkompatibel 🛹

Chemo-Corona-Date 2:

Ich fahre auf dem Skateboard am Zivi vorbei im den Spitalpark und rufe:
Kein Husten! Kein Fieber! Kein Besuch! Ich habe einen Termin.
Etwas spät war ich dran. Leider hatte die Onkologie den Patientenzettel noch nicht der Türsteherin ausgehändigt, so dass ich dann vor der Frauenklinik zehn Minuten in der Kälte rumstehen musste. 🤷‍♀️

Chemo-Corona-Date 3:

Die Parkwache wurde abgeschafft.
Da es gestern wieder kalt und frühmorgens war, bin ich direkt zehn Minuten zu spät vor der Frauenklinik vorgefahren. Der Türsteher war informiert, ich durfte passieren. 🙋‍♀️

Rückeroberung II

So zur Auflockerung. Hat mich allerdings viel Schweiss und Nerven gekostet, meinen Angstgegner zu bezwingen: den Randstein! 😱😱

Hier die letzten Versuche, nach unzählbaren, bei denen ich nicht mal in die Richtung fahren konnte, ohne vom Brett zu springen, weil ich mich vor meinem geistigen Auge schon mit Hüftfraktur auf dem Asphalt liegen sah, schien das Hindernis doch mit jedem Dezimeter, dass es näher kam, genau soviel an Höhe zu gewinnen. 😬

Hier die Versuche Nr. 941-943. 😃💪🏻

Chemo in Zeiten von Corona

Vor dem Eingang aufs Spitalgelände werde ich angehalten von einem Mann in Leuchtstreifenkleidung mit Schutzmaske. Ob ich im Spital arbeiten würde?
Danke für die Frage, liegt wohl am Skateboard. Nein, ich habe einen Termin.
Ob ich den Fieber oder Husten hätte?
Nein, sonst würde ich nicht kommen.
Er lässt mich passieren, vorbei am neu aufgestellten Zeltbüro neben der Autoschranke. Alle auf dem Gelände tragen Masken.
Vor der Frauenklinik eine Frau mit Leuchtstreifenkleidung und Maske, stellt sich mir in den Weg. Wir müssten uns draussen unterhalten. Ob ich zu Besuch käme. Nein, ich habe einen Termin.
Meinen Namen will sie wissen und blättert sich durch 5 Blätter, bis sie mich findet.
Dann winkt sie mich durch. Ich darf passieren.
In dieser apokalyptischen Netflix-Serie wollte ich eigentlich nicht landen. 🙈🙈

Die Chemo-Sitze sind nicht weiter auseinander als sonst. Alle tragen Schutzmasken, klar. Sonst ist alles wie immer, ausser das sich plötzlich nicht nur die Patienten sorgen.
Aber meine Blutwerte sind top, sagt mein Onkokomiker.
Und – das trage ich noch auf der Tippliste ein – ich trinke jetzt Schweppes gegen die Muskelkrämpfe.

Byebye 2019 – Hello 2020

Ich hatte noch nie so wenig Lust an Silvester irgendeine Bilanz des Jahres zu ziehen, wie gestern.
Normalerweise denke ich an Silvester an die schönen Tage des Jahres zurück, an Ferien, Menschen, Erlebnisse. Aber diesmal hatte ich das Gefühl, dass ich das schon immer wieder im Laufe des Jahres gemacht habe, immer das Gute suchen, das Glück zu finden versuchen, dass ich gestern dazu keine Lust hatte.
Und eine Bilanz ziehen über dieses Jahr ohne Sonne, als Knut der Knoten kam, obwohl ich noch 10 Bestrahlungen vor mir habe? Das fühlte sich seltsam an. Auch weil ich mich wie ein Nepalesischer Lastenträger fühle, zerpflücke ich die Last, würde sie mich wohl unter sich begraben.
Aber einiges Neues gelernt habe ich in diesem 2019, abgesehen von medizinischem Wissen:

  • In mir gibt es einen Raum, in dem ich zu Hause bin und wo Stille ist. Ich habe das Meditieren entdeckt.
  • Ich bin nicht für das Glück der Anderen (Erwachsenen) zuständig.
  • Nicht-Kämpfen heisst nicht automatisch aufgeben. Und nicht aufzugeben bedeutet nicht immer kämpfen.
  • Der Krebs kann mir nicht das Leben nehmen. Ich kann daran sterben. Aber das Leben will ich mir nicht nehmen lassen.

Und fürs Neue Jahr wünsche ich mir, dass mein Körper wieder mir gehört!

(Bewegungs-Freiheit, Reisen, Sonne auf meiner Haut, nackt im Meer schwimmen, mit meinem Mountainbike auf einen Hügel und den Wald runterbrettern, querwaldein Joggen, eine Nacht durchtanzen, mich über furchtbar Banales ganz fürchterlich aufregen, Alltag und Ausbruch, ein Tattoo mit selbst gezeichnetem Motiv, auf einem Gipfel stehen, Skateboarden, mit meinem Kids verreisen und, und, und…)

Antikörper mit Chemorucksäckli

In der Woche Wartezeit konnte ich mir schon zusammenreimen, was mein Onkodoc wohl besprechen wollte.
Bereits im allerersten Gespräch erzählte er begeistert von der Therapie, klang etwas nach Hightech und CSI: Kadcyla.

Ich hatte die Option zwischen nur dem Antikörper Herceptin oder Antikörper plus, also Kadcyla – alle drei Wochen für ein Jahr.
Dieses Medikament kommt sonst bei HER2positivem, metastasiertem Brustkrebs zum Einsatz, bei mir (ohne Metastasen) zur Verbesserung der Prognose. Das Plus bei Kadcyla ist ein Zytostatika.
Da ja noch aktive Tumorzellen gefunden worden waren, könnte noch irgendwo was rumschwirren und das möchte ich gerne weghaben, bevor es wieder wuchert.
Kadcyla ist eine zielgerichtete Chemotherapie, wirkt nicht generell auf alle schnell wachsenden Zellen wie AC oder Taxol.
Kadcyla dockt sich am Rezeptor an und wird von der Krebzelle aufgenommen. Dort baut sich das Medi ab und der Chemorucksack geht auf, die Krebszelle wird von innen zerstört: eine Paketbombe.

Natürlich hat Kadcyla mehr Nebenwirkungen als Herceptin. Die Päckchen könnten auch anderswo hochgehen. Die Leberwerte müssen kontrolliert werden, das Herz kann angegriffen werden… eigentlich ist die Liste der Nebenwirkungen laut Compendium genauso lang, wie beim Taxol. Da der Wirkungsmechanismus anders ist, sollte es nicht so krass sein.

Keine Nebenwirkungen bei der ersten Gabe. Zuerst gabs Paracetamol und Cortison als Prophilaxe, alle 15 Minuten Blutdruck- und Temperaturkontrolle, während der 1,5 h Infusion. Die 2h Nachbeobachtungszeit wurde mir erlassen. Beim Herceptin hatte ich nie Probleme und zu Fuss bin ich in 10 Minuten in der Klinik…
Beim nächsten Mal dann ohne Tabletten und nur 30 Minuten Infusionszeit.

Bis jetzt kein Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost. Ich hoffe, das bleibt so! 💪🏻
Ansonsten kann ich jederzeit auf Herceptin wechseln.
Und zum Abschluss gabs noch eine Rose. Oktober ist schliesslich Brustkrebsmonat.

PS: Gestern und vorgestern war ich auf dem Skateboard! Und letzte Woche feiern bis morgens um 3 Uhr!!! 💃
(Ich bin immer noch am Schlaf nachholen 😬)

Hallo Leben, Willkommen zurück! Lass mich bloss nich wieder im Stich!

Morgen Vorbesprechung Radiologie.

Ausgebüxt

Ich war hochgradig gestresst, als ich das Spitalaufgebot für 8:00 Uhr bekam. Erst hiess es noch Nachmittag. Und nun so früh, nur wegen dem radioaktiven Zeug? Dann einen ganzen Tag warten und erst am nächsten Tag die OP?
Als ich fragte, ob ich nicht nach Hause dürfe zwischendurch, hiess es, nein, versicherungstechnisch. Geht nicht.

De facto hatte ich gestern meinen ersten Termin um 9:00 Uhr, nachdem ich mein Zimmer bezogen hatte. Und dann ging es nahtlos bis 17:00 Uhr weiter.

  • Besprechung NUK
  • Radiologie (Applikation ROLL)
  • NUK (Einzeichnen ROLL)
  • NUK (Applikation Sentinel)
  • Mittagessen
  • NUK (Einzeichnen Sentinel)
  • Anästhesie (Aufklärung)
  • Assistenzärztin (OP-Aufklärung)
  • Breast Care Nurse (oh, ein Top 😍)
  • Psycho-Onkologin
  • Unter-Assistenzärztin (Checkup)
  • Operateurin/ Operatrice (Schnittverlauf/letzte Fragen)

Das war viel. Der schönste Herbsttag, doch nun kam Wind auf. Ich musste raus. In den Spitalpark darf ich. Müsste mich nur abmelden, sagten sie.

Also meldete ich mich auf dem Stationsbüro ab, ging auf mein Zimmer, schnappte Skateboard und Helm und ab nach draussen.
Und so drehte ich meine Runden durch den Spitalpark. Die Security begrüsste mich bei jedem Überholmanöver meinerseits breiter grinsend. Ich hatte so einen Spass, dass ich das offenbar ausstrahlte und von allen angelacht wurde (Bis auf ein paar Irritierte). Nach gut 45 Minuten war ich total verschwitzt und unglaublich glücklich wieder auf Station. 🤟🏻

Das war aktive Operationsvorbereitung #1

#2 War die Packung Kekse, die ich um exakt 23:45 Uhr (danke innere Uhr fürs wecken 🙏🏻) leer gegessen habe. Ab Mitternacht durfte ich nämlich nichts mehr essen.
😊

Bin ich froh, ist die OP vorbei und hab ich anstatt Schrumpfbrust, bloss ne Schlumpfbrust!

(Farbe Markierungsfarbstoff)

Nuklearmedizin

Kurz NUK.

Also eigentlich wäre es ja spannend, wäre es nicht Krebs.
Da wurde mir heute schwach radioaktives Eiweiss in das zu operierende Gewebe gespritzt. Ich solle mir keine Sorge machen, das wandere nicht im Körper rum, das klebe quasi. Und dürfe auch bei Kindern verwendet werden!
Aha.
Trotzdem musste ich einen Aufklärungsbogen unterschreiben, dass ich mit dem Off-label-use der radioaktiven Eiweisse einverstanden bin.

Weiter gings von der Radiologie zur Nuklearmedizin zurück und unter den Gammastrahlen-Fotoapparat. 5-Minuten still liegen für ein hochauflösendes Bild.
Dann warten.

Ich: Darf ich mich anziehen?
Sie: Jetzt stressen Sie nicht so. Wir sind noch nicht fertig.
Ich: Ich stresse nicht. Ich friere!!!

Da bekam ich einen Morgenmantel.
Und ein Heizkissen.
Und eine Decke.

Und kaum hatte ich warm kam der Nukleardoktor mit dem Geigerzähler oder Gammadetektor und verkündete stolz: Das Gerät dort macht Bilder. Und dieses Gerät hier, das macht Musik!!! – Fast ein wenig wie Star Wars.
Er piepste meine Brust ab und nahm einen Marker.
So und jetzt noch die Zielscheibe aufmalen.

😂 Ich kriege immer die Komiker.

Es klang allerdings mehr nach Raumpatrouille Orion oder einem von einem Verrückten gespieltes Theremin, nicht nach Star Wars.

Und dann wurde mir doch noch radioaktive Wanderflüssigkeit gespritzt. Für den Sentinel, den Wächter-Lymphknoten.
Der filtert das dann raus und strahlt auch.

Mein Grosser findet das grad auch mindestens so spannend, wie das Quantenphysik-Heft, das ich ihm am Kiosk gekauft habe als Dank, dass er mir mein 🛹 vorbei brachte.
(Über schwarze Materie wisse er schon genug, das wollte er nicht)

tbc

Back on Board

Das habe ich doch glatt vergessen. Vor einer Woche war ich im Skatepark und habe ALLES wieder gemacht, was ich vor der Diagnose und Chemo konnte (🙏🏻 Coach!).
Zugegebenermassen nicht so viel, da ich als ü-40-Skatebeginner-Angsthase nun mal nicht über wahnsinnig viele Skills verfüge und der Brustkrebs kam, bevor ich mein jähriges on board feiern konnte.

Aber ich bin zurück. Und war nun jeden Tag auf dem 🛹.
Zumal nach der OP Sportverbot haben werde…

So geht Sonntag mit meinen Jungs:

Scooterboy mit Todessehnsucht

Ein Junge im Skatepark pflanzt sich vor mir auf und glotzt. Er ist bestimmt mind. 10 Jahre alt.

Scooterboy: Bist du ein Junge?
Ich: Seh ich so aus? 😃
Scooterboy: Jedenfalls komisch, so ohne Haar.
Ich: Schon Männer mit solch grossen Ohrringen gesehen?
Scooterboy: Ja. Doch. Aber du siehst komisch aus, wie ein Junge!
Skatebuddy: Du bist frech.
Ich: 😁 steh mal auf, der Scooterknirps schrumpft. Vielleicht erkennt er so gewisse anatomische Unterschiede…
Scooterboy: Sorry, ist sie deine Mutter?
Ich: 😂😂
Skatebuddy: Nein! Und du bist saufrech!
Scooterboy: Deine Freundin? Entschuldigung!
Ich: 😂😂😂
Skatebuddy: Auch nicht. Trotzdem. Es gibt Gründe. Du bist nicht nur saufrech, du bist auch doof!!
Scooterboy: Sorry. Sie ist ja hübsch, sehr hübsch, sieht gut aus und gross und so. Wollte ja nicht…
Skatebuddy: Genau!! – Geh! – Fahren! – Da!
zeigt zum Park und dreht sich dann kopfschüttelnd zu mir Unglaublich!
Ich: Hahaha 🤣🤣🤣

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Das war schon fast Todessehnsucht, bedenkt man, dass Skater meistens Scooterfahrer hassen (u. A. aus sicherheitstechnischen Gründen).