Oh hello again

Na, das ging ja lange, bis ich es gecheckt habe. Ja Tinkakartinka, du kannst nicht alles. Nein.
Erst dachte ich, die Erschöpfung. Kein Schlaf, kein Wunder, begann doch grad der Arbeitsversuch.
Und wer hat schon Hunger, bei dieser Hitze? Da möchte man sich doch den ganzen Tag im Bett verkriechen und niemanden sehen – ist ja nett kühl im Haus.
Und das man sich mal wie der letzte Dreck fühlt, na das kommt halt vor! Und wie Abfall, seelisch und körperlich defekt und beschädigt, wertlos.

Mein emotionales Gleichgewicht zu finden, absorbierte meine ganze Energie. Und am Samstag hatte ich auch 3 grossartige Stunden, am Sonntag hart erarbeitete 2h Zufriedenheit und gestern deren drei. Vom Rest spreche ich lieber nicht.
So viel Seelenhygiene wie ich betreibe, müsste ich innerlich rein erleuchten. Mach ich aber nicht.
Tja. 🤷‍♀️
Hello again. Hast ja lange auf dich warten lassen – in Anbetracht der Umstände…
Nun, um mich den ganzen Tag, das restliche Leben unter der Bettdecke zu verkriechen, dafür hat sich das letzte Jahr also definitiv nicht gelohnt!
☠️

Ernüchterung

Eigentlich hatte ich einen so positiv frohlockenden Beitrag geschrieben – gestern – so frohlockend wie ich gestern zur Arbeit fuhr.
Fünf Stunden später bin ich nach Hause und bin zusammen gebrochen. Habe mich ins Bett gelegt: Kopfschmerzen, Übelkeit, Tinitus, Totalerschöpfung.
Ich war bloss einen halben Tag dort!!!
Ich bin ein Wrack.

Dann Abends Totaleskalation mit meinen Jungs und ja, nur falls ich es vergessen hatte, die letzten Wochen:
Ich bin allein.
Ich bin allein für alles zuständig.
Ich bin weder fit noch gesund.
Und ich fühlte mich, als sollte man mich am Besten gleich kompostieren. Abfall. Verfallsdatum überschritten, angeschimmelt und nutzlos.

Keine Hilfe ist es, meinen Ex mit seiner Honeymoon-Ausstrahlung zu sehen, da wir ja am selben Ort arbeiten.
Und das neue Auto, die zehn Jahre jüngere Freundin und die drogeninduzierte Selbsterfahrung haben auch in der Punkvariante etwas sehr klischiert-stereotypes.

Was hatte ich in ihm gesehen?
Das habe ich mich die letzten Wochen immer wieder gefragt. Und wozu der zweite Versuch mit einem Mann, der mir sowohl indirekt als auch direkt immer wieder zu verstehen gab, dass ihn mein Zustand in seiner persönlichen Freiheit einschränkt, der mich energetisch total geschlissen hat?
Nun, wahrscheinlich weil ich krank und hilfsbedürftig war. Auch ich bin schwach und mitunter naiv. Und weil ich nicht wahrhaben wollte, dass der Mann, mit dem ich fast fünf Jahre zusammen war – mein Kleiner kennt ihn die Hälfte seines Lebens – tatsächlich so ist. Sich so verhalten kann, dann, wenn ich wirklich jemanden gebraucht hätte, der zu mir steht und zurücksteht. Immerhin gab er offen zu: Ich bin mir halt der wichtigste Mensch!

Die Enttäuschung und die Verletzung schwappen manchmal noch hoch. Besonders bei Erschöpfung, ansonsten überwiegt die Erleichterung. Die Wut auf ihn und auch auch auf mich, dass ich den Scheiss mitgemacht habe. Auch das wird mal vorbei sein.
Erstaunen und Ungläubigkeit gingen auch.
Und die Erschöpfung?
Ich hoffe es!

Und der nächste Post ist positiv. Aber erst, wenn ich mich erholt habe.

Oh chellöu ägäin

Wollte ich doch vor einem Jahr unbedingt posten und hatte dann nur so ein unterbelichtetes Nachtfoto von der „Spielküche“ im Zimmer in der Notaufnahme.

Kann ich hiermit nachholen.
Diesmal brachte mich mein Exmann, nicht mein Damalsnochfreund.
Und im Gegensatz zu Letzterem liess sich der Erstere auch nach Hause schicken.
Warten und Händchenhalten brauche ich nicht, da ist ja Personal, das sich um mich kümmert und Spital ist immer ätzend.
Aber das Gefühl, dass man sich um mich sorgt, das brauche ich natürlich. Das ist aber unabhängig von körperlicher Präsenz.

Und so war ich diesmal unendlich entspannter als ich es vor einem Jahr war, als ich mit Fieber hinmusste. Mein Exfreund sass damals abwesend zwei Meter entfernt von mir auf einem Stuhl sich todstellend und unfähig mich zu trösten oder nach Hause zu gehen – wozu ich ihn mehrfach bewegen wollte.
Als er mich eine Woche später verliess, dachte ich:
Wirklich verlassen hast du mich in der Notaufnahme. Ein stummer Vorwurf für den Verlust deiner Bewegungsfreiheit. Aber unfähig dir den Freiraum zu nehmen, den ich dir gebe.

Heute hat sich der Kreis geschlossen.

🦀Bilderbuch

Hab ja sonst nicht viel zu tun, ausser die Scherben wegzuräumen, von allem was zerbrochen ist und wegzubrechen scheint und warten.
Ob und wann und wie ich wieder arbeiten darf, ob und wann und wie es mit diesem Ausnahmezustand weitergeht.
Also habe ich mir ein Buch mit meinen 🦀Bildern gemacht.

So zum Jubiläum quasi. Heute ist Freitag in der zweiten Schulwoche nach den Frühlingsferien. Letztes Jahr war das der Zeitpunkt der ersten Chemo. Auch wenn es vom Datum her noch ein paar Tage geht bis zum exakten Jahrestag.
Deshalb nur ein Quasi-Jubiläum.

Vielleicht sollte ich mir heute einen Campari Soda gönnen. 🤔 (Schön in der gleichen Farbe wie die Infusion)

Gespräche: Humorverlust

Onkologe: Ihnen gehts nicht gut! Hier!

Streckt mir Kleenexbox unter die Nase wie ein Musketier den Degen.

Ich: Oh. Sie haben auch eine Therapiebox.

Onkologe hält den Telefonhörer hoch: Soll ich was organisieren? Sie müssens nur sagen! Brauchen sie Hilfe? Sonst was? Irgendwas?

Ich winke ab. (Drogen, ich hätte Drogen sagen sollen!)

Onkologe: Ich kann sie nicht mal mit meinen Sprüchen aufheitern?
Ich: Ich weiss. Totale Verschwendung ihres schwarzen Humors im Moment. Völlig hoffnungslos.

Er grinst gequält. Und ich darf mir die Augenbrauen nicht wegweinen.

Chemo-Brain in the Rain

Bis jetzt hatte ich noch nicht mit dem berühmt-berüchtigten Chemobrain zu kämpfen. Also der absoluten Verpeiltheit und Vergesslichkeit, die einem überfordert und desorientiert im Lebensmittelgeschäft zwischen den Regalen stehen lassen, ohne die leiseste Ahnung mehr zu haben, was man den eigentlich kaufen wollte.
Jetzt ist es da.
Ich glaube, das hat weniger mit der Chemie zu tun, als mit dem  momentanen Stress, beziehungsweise dem Schlafmangel.
Einschlafen krieg ich ja noch hin, aber häufig ist dann um drei Uhr Schluss, vielleicht döse ich kurz vor sechs wieder ein. Aber das reicht dann halt schon nicht.
Diese Nacht war leider schon um zwei Uhr Schluss.
Der Donner schreckte mich vom Balkon und ich flüchtete ins Zimmer. Nach dem Gewitter feierten leider die Nachbarn der Nachbarn der Nachbarn weiter feuchtfröhlich schreiend weiter. Etwa so bis vier.
Eigentlich beruhigt ja Regen, kann ich immer gut schlafen. Besonders Sommerregen liebe ich. Irgendwann hatte ich die Nase voll, zog mein Bikini an und stellte mich auf den Balkon in den Regen.
Die frühste Dusche, die ich je genommen habe.
Möge der Regen alles wegwaschen.

Gensprechstunde und Astronautenfood

Wenn es einen vor Kummer den Hunger kappt, ist das gar nicht gut als Krebspatient. Eine der zwei Todsünden.

Also meldete ich mich im Spital, dass ich trennungsbedingt appetitlos bin, vorauf quasi Panik ausbrach und gestern brachte der Postbote mein Überlebenspack an Trinknahrung. 🚀

Ich komme gerade aus der Gen-Sprechstunde und sitze im Spitalpark. Dort wurde mein Risiko für ein Krebs-Gen eruiert. Weil eigentlich bin ich ja zu jung für Brustkrebs. Sieht man ja an den Broschüren.
Und falls ich dieses Gen hätte (wie Angelina Jolie), dann wäre auch das Risiko für Eierstockkrebs erhöht und die Chemo würde angepasst.
Gibt es keine Kostengutsprache von der Krankenkasse, könnte man den Gentest auch selbst berappen, simd ja nur 4’000.- CHF. 🤷‍♀️

Ach ja, aus gegebenen Anlässen lauf ich jetzt nur noch mit Totenkopfkopftuch rum. 🖕🏻

t

Allein

Und dann ist man plötzlich allein.
Allein mit den Kindern.
Allein mit der Krankheit.

Und kein Partner in Crime mehr da. Vielleicht ein Freund.

Überraschend, auch wenn nicht total unerwartet.
Doch das Gefühl bleibt: Krebs frisst alles. Erst den Alltag, das Abenteuer, die Freiheit, dann die Liebe.