Von der Reha zu Corona

Das war alles sehr seltsam. Ich komme heim, voller Pläne ins Leben zurück zu kommen und mit der Auflage aber ja gut auf mich zu schauen, Entlastung zu organisieren und ZACK zwei Tage später Schulen zu.

Also noch schnell Schuhe für den Kleinen kaufen, Lesestoff und Malzeugs, man weiss ja nie, wie lange die Läden… ZACK!

Erst war ich wütend, ein Jahr weg wegen Krebs, nächstes Jahr Corona. Dann relativ ruhig, als ich die Info bekam, trotz Zugehörigkeit zur Krebskohorte mit Chemo nicht (Hoch)risikopatientin zu sein. Und nun bin ich zunehmend irritiert. Ob meinen Mitmenschen. Die sich erst übers Händewaschen lustig gemacht haben und nun Toilettenpapier horten und das Haus nicht mehr verlassen, obwohl nicht zur Risikogruppe gehörend.

Wir haben hier keine Ausgangssperre. Es heisst zwar, man soll zu Hause bleiben, aber es geht ums zusammenrotten und rumhängen. Maximal fünf Leute dürfen sich treffen (Abstand 2m). Joggen und Fahrradfahren sind erlaubt. Risikogruppen und über 65Jährige sollten das Haus nicht mehr verlassen.

Ich verlasse das Haus noch. Ich gehe Essen kaufen und Fahrrad- oder Skateboardfahren mit meinen Jungs. Wir haben den Deal, jeden Tag raus zu gehen: Frühstück, 9:00 Uhr Internetlektion via Zoom, Anziehen, Schule, Mittagessen, Pause und dann zusammen raus: Wald, Fluss, Bach. Klappt sehr gut! Vielleicht weil wir schon katastrophenmodusgewöhnt sind. Mein Intermezzo mit Kaffeetrinken und mehr Bewegungsfreiheit zwischen Operation und Bestrahlung war eh kurz. Soziale Kontakte hochfahren wollte ich erst noch, nachdem ich wieder zu Kräften gekommen bin. Und Haus und Garten helfen sicher auch!!!

Habe ich Angst? Nein, mein Angstkonto ist aufgebraucht. Ich habe Respekt und respektiere die Weisungen. Ich will niemanden anstecken. Aber statistisch ist mein Risiko an meinem Krebs zu sterben höher, als wenn ich eine Siebzigjährige mit Vorerkrankung und Corona wäre.

Also pass ich auf, ohne mein Leben zu verpassen. Auch das ist wichtig!