Schulter gesucht

Nachdem MRI auf dem Weg zum Zugang ziehen lassen. Meine Pflegerin lotst mich in ein Zimmer. Ein anderer Pfleger hastet uns nach.

Pfleger ruft: Schulter?
Pflegerin: Was?
Pfleger: Schulter!
Pflegerin: 🤨
Pfleger zeigt auf mich: Ist das meine Schulter?
Pflegerin: Nein das ist Mamma. Deine Schulter kommt noch.
Stimme von draussen: Deine Schulter ist hier!!

Ich: 🤔 🍖?

Gespräche: Alternative nein danke!

Sie: Das ist atypisch. Normalerweise reagieren die Patientinnen bei der ersten Gabe von Taxol. Nicht erst später.
Ich: Rückenschmerzen ist auch eine allergische Reaktion?!
Sie: Ja. Allerdings auf den Hilfsstoff. Nicht auf das Medikament selber.
Ich: Das ist ja doof! Es ist nicht mal das Medikament? Gibt es denn da keine Alternative, mit anderen Hilfsstoffen, ohne allergische Reaktionen?
Sie: Ja. Aber die verwenden wir nur in der Palliativ-Therapie.
Ich: Aha. Ok. 😶

Emotionshochwasser

Es war zuviel in letzter Zeit.
Notfall, Schulveranstaltungen mit Krankheitserklärungen, ein Besuch bei meinen Kollegen und meinen Schülern, die ich seit meiner Krankschreibung nicht mehr gesehen habe und dazu noch Grundsatzbeziehungsdiskussionen.

All die Reaktionen und Gefühle der Gesprächspartner, die ich ja auch aufnehme. Und auch die Komplimente, wie gut ich das mache.
Alles ist zuviel.

Ich treibe in einer Emotionssuppe von kalter zu warmer Strömung und spüre keinen Boden unter den Füssen.
Ich bräuchte Ruhe und Zeit. Eine einsame Insel, eine Hütte im Wald, von mir aus ein Erdloch. Oder zumindest einen Rettungsring, einen Leuchtturm oder eine Hand, die mich in ihr Boot zieht, damit ich kurz verschnaufen kann.
Doch nun beginnen die Sommerferien.

Die nächste Zeit für mich werden wohl die 6 Stunden Chemo nächste Woche sein.
Der erste Zyklus vom 2. Schema.

Gespräche: Mit und ohne Haar

Ich persönlich fand das Perücken Outing viel schwieriger. Die fühlt sich gar nicht nach mir an. Sieht gut aus, natürlich. Aber ich fühle mich verkleidet.
Und als ich sie am Dienstagmorgen anzog, um mich für die definitive Anpassung bereit zu machen, strahlte mich mein Kleiner an: Jetzt siehst du wieder wie Mami aus!

Ihm zuliebe bin ich an diesem Morgen zur Anpassung. Damit ich Abends beim Schulanlass mit Haaren gehen kann und es ihm nicht peinlich sein muss.
Das war sicher gut so, denn so eine Aula voll Mütter und Väter ist ja auch ohne Chemotherapie schon anstrengend genug. Da muss man ja nicht gleich oben ohne erscheinen..

Abends war ich erschöpft. Sehr.

Kleiner: Bist du traurig, dass du jetzt eine richtige Glatze kriegst?
Ich: Ja, das auch. Bisschen Haare waren noch cool. Aber ich bin jetzt auch einfach sehr, sehr müde.
Kleiner: Mami, nicht traurig sein. Du bist und bleibst meine Mami. Mit oder ohne Haare!

Gespräche: Legosteine und kranksein

Kleiner: Hast du jetzt Tierchen da drin?
Ich: Nein, die Krankheit heisst bloss so. Das sind keine Krebse.
Das ist mehr so ein Knollen, Zellen die zuviel wachsen.
Kleiner: Was sind Zellen?
Ich: So wie die Legosteine, aus denen dein Körper gebaut ist. Und je nach Farbe der Legosteine gibt es dann Haare oder Haut oder Zehennägel.
Und jetzt hab ich da ein paar Legosteine in falscher Farbe am falschen Ort. Und die dürfen jetzt erstmal nicht mehr weiter wachsen.
Kleiner: Aber dir wächst da jetzt kein Finger???!
Ich: Ha! Nein. Zum Glück nicht. Stell dir vor… Da wächst nur so ein Knollen.

Kleiner turnt auf dem Sofa rum: Mami,…. darf ich Schoggi?


Grosser: Mami das ist komisch. Du warst fit und eigentlich gesund und jetzt mit den Medikamenten gehts dir schlecht. Und jetzt bist du krank.
Ich: Ja normalerweise ist umgekehrt nicht? Ist halt eine ernste Krankheit, da braucht es starke Medis. Hätte ich es erst gemerkt, als ich mich krank gefühlt hätte, würde es viel schwieriger gesund zu werden. Jetzt hoffen wir das Beste.
Grosser: Das schaffst Du!

Gespräche: Haar-Verhandlungen

Ich: Guckt mal. Jetzt rieseln die Haare.
Grosser: Oh ja, das sind mehr als bei mir.
Ich: Ich glaub, jetzt schneid ich sie kurz.
Kleiner: NEEEEEIIIIINN!
Ich: Aber Kleiner, sie fallen ja eh aus. Aber so lange Haare die rumliegen sind eklig.
Kleiner: Glatze ja, kurze Haare nein.
Ich: Abrasieren? Will ich aber noch nicht. Hab ja noch viele.
Grosser: Du kannst ja, falls deine Perücke schon fertig ist, die Haare schneiden und dann die Perücke aufsetzen, bevor Kleiner heimkommt.

Kleiner zu Grosser: DAS HAB ICH GEHÖRT!