Wie man seiner Psycho-

Onkologin einen Gesichtsausdruck verpasst, als würde ihr ein Messer in den Bauch gestossen und umgedreht:

„Darf ich sie was fragen? Nur mal so generell, damit ich weiss, ob das so eine naive Vorstellung von mir ist….
Also, gibt es das tatsächlich, dass Partner wirklich zu einem halten… unterstützen, auch wenns mal nicht lustig ist. Und auch wenn sie zurück stecken müssen? Partner oder Familie, halt nahe Angehörige, so Leute, die sagen, dass sie einen lieben.
Oder denke nur ich so? Dass das ja eigentlich dazu gehört?
Also muss ja nicht unbedingt Krebs sein, halt einfach sonst, Krankheit oder Krisen, Durststrecken… Nicht Lustiges halt.
Gibt es das wirklich oder ist das so eine Hollywood-Erfindung?
Weil, also mein Ex-Mann oder -Freund, waren ja nicht so. Und als Kind, nun, meine Eltern… äh, ich wollte das mal fragen, weil ich kenne das nicht. Hatte das halt noch nie.“

Es ist absurd

Es ist absurd.
Es ist absurd von einer Fachperson vorgeschlagen zu bekommen, das eigene Kind bei Schulproblemen doch selbst zu unterrichten, obwohl ich grad im Arbeitsversuch von 2h/Tg stecke.
Es ist absurd sich dann für seine Erschöpfung rechtfertigen zu müssen, da man ja ein Medikament nehme, dass doch auch gegen Fatigue helfe, ja warum ich denn nicht fit sei.
Es ist absurd, wenn in einem Team diskutiert wird, wie meine Stellvertretung, die für mich eingestellt wurde, damit ich einen sanften Arbeitseinstieg habe, entlastet werden kann und wie ich sie entlasten kann, wenn ich noch krankgeschrieben bin und im Arbeitsversuch.
Es ist absurd, so einen Elternabend zu leiten, nachdem die Stellvertretung 6h zuvor die Schule verlassen hat und der Ersatz noch nicht offiziell: also ich bin im Moment nicht die Lehrerin, aber in Zukunft schon wieder, meine Stellvertretung ist ja heute überraschend gegangen, der zukünftige Stellvertreter, also der kommt dann am Montag und ich erzähle jetzt, wie ich unterrichten würde, was ich ja jetzt noch nicht mache, was ich aber in Zukunft auch wieder werde…
Es ist absurd, Aufgaben zu übernehmen, die laut Arbeitsintegration noch nicht meine sind. Die aber nicht gemacht werden sonst und deren Folgen dann so oder so auf mein Energiekonto gehen. Früher oder später.
Es ist absurd, wie schwer das Einfädeln in den Alltag nach akuter Krebstherapie ist.
Leckt mich doch alle!
Es ist absurd.

Sorry, meins.

Heute im Wartezimmer war eine Mutter mit Kinderwagen und einem etwa zweijährigem Mädchen. Beide dunkelhäutig, farbige Kleider, die Mutter mit Kopftuch, das Mädchen mit Zöpfen.
Ich wollte raus und das Mädchen schaut mich mit grossen Kulleraugen an, zum Skateboard, zu mir, zum Skateboard.
Dann kommt sie, dreht an den Rollen und als ich raus gehen will kommt sie mit.
Ich gehe zurück, sie kommt zurück.
Da lege ich ihr das 🛹 auf den Boden. Sie stürmt darauf zu.
Ich muss sie halten und platzieren, dann schiebe ich sie ein wenig rum.
Sie strahlt!
Ich stelle sie wieder runter. Winke und gehe.
Sie kommt mit.
Draussen fängt sie die Mutter ein.
Lautes Geschrei. Ich fahre davon.

So sorry.
Hoffentlich hast du mal dein Eigenes.

Erinnerte mich daran.

Der Witz des Tages

Sie hat den Krebs besiegt! –
Leider starb sie ein Jahr später an einem Schlaganfall.

Ha. Ha. Ha.

Ich zitiere aus der Packungsbeilage. Nebenwirkungen:
Schlaganfall (häufig): plötzliches Auftreten von Schwäche oder Lähmungen in den Armen oder Beinen, plötzliche Schwierigkeiten beim Sprechen, Laufen, Denken oder Schwierigkeiten etwas in der Hand zu halten, können Zeichen einer reduzierten Blutversorgung im Gehirn sein. Diese Symptome können Zeichen eines Schlaganfalles sein. In diesem Fall soll sofort ein Arzt bzw. eine Ärztin aufgesucht werden.

😳🙈

Hilfe in depressiven Phasen

Lego bauen

Das Einzige im Leben, bei dem alle Teile passen und alles nach Plan aufgeht.

Britische Kochshows gucken

Das ist ja an sich schon skurril. Und dennoch, die Zutaten haben immer die richtige Menge, Kuchen gehen auf, das Fleisch ist zart und die Kruste knusprig.
Alles geht leicht von der Hand!
Zumindest beim Zuschauen.

Rosamunde Pilcher

Nein. So schlimm ist es noch nicht!

Mal freiwillig unter der Nadel

Ich: Also medizinisch habe ich es abgeklärt und alles ok.
Sie: Hatte der Arzt nichts dagegen?
Ich: Ich weiss, prinzipiell haben ja alle Ärzte was gegen Tattoos. Aber die Onkologen sind da anders.
Sie: Echt?
Ich: Was soll er denn sagen? Die Farben sind krebserregend? Hahaha. Zu spääääät!

nach 2h

Sie: Wie gehts? Mit der Farbe weitermachen?
Ich: Gut! Ich schlaf gleich ein…

nach 2,5h

Sie: Gehts noch?
Ich: Kein Problem. Ich döse hier etwas.

nach 3h

Sie: Jetzt ists unangenehm, oder? Gehts noch?
Ich: No problem. Ich bin Schmerzexperte.

nach 3,5h

Sie: Fast geschafft! Endspurt! Jetzt musst du noch durchhalten!
Ich: Wie lange?
Sie: Halbe Stunde.
Ich: Cool!!

Die schwarzen Outlines fühlten sich bloss wie das Ritzen einer Messerspitze auf Haut an. Die dickeren Linien wie sanftes schneiden.
Das Schattieren wurde dann als Erstes etwas schmerzhaft.
Und die Farbe dann, das war so mehr wie ein Rumkratzen in einem üblen Sonnenbrand.

ABER

Ich wusste, nachher ist es vorbei. Keine zwei Wochen Nebenwirkungen. Keine Verschlimmerung wie bei der Bestrahlung.
Einfach vorbei. Und dann heilt es.
Und so war es sehr vorausseh- und handlebar.
No problem.
Und ja, ich bin tatsächlich weggedöst…. 😬

Genau das!

Ich hatte immer gesagt, der Krebs kann mir nicht mein Leben nehmen, vielleicht bringt er mich um, aber das Leben nimmt er mir nicht.
Das konnte ich natürlich sagen, weil ich nicht bettlägerig Stage IV palliativ und austherapiert war. Und ich habe alles dafür gemacht, dass das auch so ist, für mich und mein Umfeld.
Und nun?
Nach Operation, 33 Bestrahlungen, 21 Infusionen Chemo in 1 1/4 Jahr, alles fertig. Soweit NED (oder wie mans nicht ganz treffend auf deutsch nennt: krebsfrei). REHA, Corona, zwei Trennungen, 3 Wochen Ferien ganz alleine ohne kids, alles überstanden. Lymphödem langsam besser, Zehennägel wachsen nach, Mund spuckt kein Blut mehr, die ersten Arbeitstage Stunden und die Luft ist raus.
Nix da mit Leben erobern: Hurra ich lebe noch, schaut her! 💃

Eher klebrig vorwärts robben, mich durch den Tag hangeln und mich fragen, wozu? Dazwischen der Wunsch, mich einfach wo hinfallen zu lassen und liegen zu bleiben. So als kurzhaariges Neutrum. Bald fallen ja eh die Blätter, decken mich zu. Fällt wohl nicht auf. Ich fehlte ja doch schon lange, alle lebten so gut ohne mich. Also, lasst mich doch.

Jetzt ist das Leben weg.

Ja. Genau das meinte ich damit. Ist das Leben nicht ein Arschloch? Hä?
Ja eben.
Danke.