Einmal Schlaf bitte!
Lieferung gerne wieder mal vor 3 Uhr morgens.
Danke.

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Dreissig Bestrahlungen pro Tag führen sie in diesem Raum durch. Und das nur im Raum grün.
Eine richtig gut geschmierte Medizinmaschinerie.
Als ich heute da war, lag noch die Gittermaske eines anderen Patienten rum. Offenbar war er nicht gekommen, denn sie holten mich früher rein.
Von meinem Arzt liess ich mir nachher erklären, wie genau das geplant und berechnet wird. Er zeigte mir meine Körperschnittbilder mit den Bestrahlungsflächen und -winkeln. Auf einem Diagramm war ersichtlich, welche Dosis durch welches Gewebe „geschossen“ wird, um dann im „Zielgebiet“ die benötigte 100%-Dosis zu erhalten. Hält offensichtlich nicht jedes Gewebe gleich viel Bestrahlung aus: Lunge, Herz, Knochen…
Sie haben auch ein Röntgenbild mit dem eingezeichneten Bestrahlungsbereich, das wird dann über meine Live-Bilder rübergelegt, damit sie kontrollieren können, wo sie noch einen Milimeter daneben liegen, bzw. ich noch einen Milimeter daneben liege.
Es ist beruhigend, dass das alles immer kontrolliert wird. Darum wohl die Wartezeiten. Auch bin ich froh, keine Kleber und Zielkreuze auf meinem Körper zu haben. Das ist der Vorteil von Tattoos und Laser.
Ich muss mir einen Panzer zulegen oder eine f*ckyou-Rockgören-Attitüde. Sonst werd ich depressiv, wenn ich mich da noch 30mal einreihen muss.
Zu meiner ersten Bestrahlung noch kein Bericht, aber viel Mutterstolz.
Mein Kleiner (Harry-Potter-Fan) hat gestern einen Trickfilm gezeichnet.
Passt irgendwie. 😄
Wollte ich ja schon immer.
Nun ja, vielleicht nicht so. Nicht im Krankenhaus und nicht bloss drei Markierungspunkte für die Bestrahlung. So what…
CT- Termin heute, als Vorbereitung zur Bestrahlung. Das Gerät erinnert mich immer an Star Wars. So ein Ring, in den man auf einer Liege reingeschoben wird.
Zuerst oben frei machen und hinlegen. Alles genau auf Position, weil ich dann bei der Bestrahlung dreiundreissigmal genau die gleiche Position einnehmen muss.
Also einen Balken am Po, eine Stütze unter den Knien und Armstützen für die hinter dem Kopf liegenden Arme. Ein Laser diente als Hilfe, ob ich auch ja gerade liege, noch etwas den Kopf zur Seite. Die Operationsnarbe wurde mit einem Draht abgeklebt, damit sie auf dem CT sichtbar ist.
Dann wurde ich reingeschoben, rote Lichter am Körper. Die zwei CT-Expertinnen markierten meinen Körper mit Filzstift, dann mit Bleikügelchen. Sie krochen quasi zu mir ins CT rein. Schon alles sehr skurril.

Ich bekam ein Kästchen auf die Brust, die Kamera um Fussende mass so meine Atembewegungen. Ich musste atmen, Atem anhalten. Soviel ich verstanden habe, wird mit angehaltenem Atem bestrahlt, damit die Distanz zwischen dem zu bestrahlenden Gewebe und Herz/Lunge grösser ist und sie weniger abkriegen.
Ein paar Mal Atemübungen, Bilder und wieder rausgeschoben.
Noch ein paar Fotos, um die Lagerung zu dokumentieren. Dann wurden die Bleikügelchen und der Draht entfernt. Und die eine CT-Expertin kam mit ihrem Tätowierstab. Drei Punkte habe ich jetzt. Einen unten am Brustbein und je einen auf der Seite.
Das wars.
Die erste Bestrahlung ist in drei Wochen. Soviel zu der Planbarkeit. Aber ich mache wohl mal einen separaten Post zu Arztzeit vs. Patientenzeit.
Die scheint irgendwie total anders zu laufen.
Reis.

Ich weiss, das reimt sich schlecht.
Gestern war ich mit dem Grossen zu Mittag essen im rentnerüberfüllten Restaurant des Supermarkts.
Plötzlich meinte er: Mami, du hast da Blut!
Nasenbluten, okay. Hatte ich schon die Tage zuvor, kann auch eine Nebenwirkung sein.
Also Taschentuch an die Nase, dann Serviette.
Kurz hörte es auf und ich konnte essen.
Grosser: Mami, du blutest wieder.
Ich: Ok, das ess ich jetzt nicht mehr. Blutreis.
Grosser: Könnte auch Chilisauce sein?
Da schenkte mir die Sitznachbarin eine Packung Taschentücher. Eine volle.
Eine halbe Stunde und vier Taschentücher später stellt mir eine Rentnerin ein Gläschen mit blutstillender Watte auf den Tisch. Ich stopfe mir ein Bäuschchen in die Nase.
Mir war übel, mir war schwindlig und ich ekelte mich vor mir selber.
Wie konnten die nur alle weiter essen, während ich 45 Minuten vor mich hin blutete und meinen Sohn zum essen antrieb? (Aussichtslos übrigens, er lebt in seiner eigenen Zeit. Deshalb kollidieren wir hin und wieder.)
Ich rief im Spital an und erreichte niemanden. Aber da es auf meinem Heimweg liegt, klammerte ich mich an mein Fahrrad und schlurfte vorbei. Im Spitalpark getraute ich mir auch die durchgeblutete Watte aus der Nase zu ziehen, spuckte einen Schleim-Blut-Klumpen ins Gebüsch. Das Nasenbluten war vorbei.
Auf der Station wollten sie mich in den Notfall schicken, fürs Blutbild. Ich wollte nicht. Notfall heisst immer 2h Wartezeit, ausser man hat ein Chemo-Fieber-VIP-Ticket.
Also entnahmen mir sie dort Blut und ich döste auf einem Chemostuhl vor mich hin.
Alle Werte waren gut. Vielleicht die Luft, die Kälte, der kumulierte Stress, der auch meine Lieder und Wangen zucken lässt und sich manchmal als Tinitus bemerkbar macht.
Who knows! 🤷♀️
Nächstes mal müsse ich in den Notfall, die hätten auch einen HNO dort.
Ok.
Die Blutstillende Watte hab ich mir auch gleich besorgt, die gehört ab sofort in die Handtasche!
Kennt wer da draussen Michael Schanze noch?
Eins, zwei oder drei – (Plopp) – letzte Chance ist vorbei!
Manchmal fühlt sich diese Krankheit so an.
Ob du wirklich richtig stehst, siehst du, wenn das Licht angeht.

Als ich die Diagnose anfangs Mai bekam, hiess es, die Therapie dauere ein halbes Jahr, das wäre Ende Oktober gewesen. Nun hatte ich das Vorgespräch zur Bestrahlung. Sieben Wochen sind geplant, nicht nur fünf.
Seit ich Brustkrebs habe, höre ich die ganze Zeit, dass ich jung bin. Danke vielmal. Aber im Zusammenhang mit einer Erkrankung ist das nicht immer positiv. Für die Bestrahlung heisst das, dass nicht nur die Brust und die Lymphknoten bestrahlt werden, sondern auch noch – ich erinnere mich nicht mehr genau – der Lymphabfluss? Jedenfalls werde ich an drei Stellen bestrahlt, nicht wegen meines Befundes, sondern um wegen meines Alters auf Nummer sicher zu gehen. Wenn aber an drei Stellen bestrahlt wird, muss die Dosis pro Stelle runtergeschraubt werden, damit der Impact auf den Körper nicht so gross ist und darum braucht es mehr Einheiten, nämlich dreiundreissig.
Die Bestrahlung dauert also voraussichtlich bis Weihnachten.
Nächste Woche habe ich dann das Vorbereitungs-CT. Dann erstellen sie ein 3-D-Modell von meinem Oberkörper, damit die Winkel richtig berechnet werden können, so dass möglichst wenig von der Lunge und vom Herz mitbestrahlt werden.
Wann ich meine Bestrahlungstattoos bekomme, weiss ich noch nicht. Also es kann noch dauern, bis sie beginnen.
Ursprünglich war mal geplant, dass ich auf das nächste Schulhalbjahr wieder zu arbeiten beginne. Im Moment bin ich aber noch weit davon entfernt, mich wieder in ein Schulzimmer und vor eine Klasse stellen zu können. Ich habe immer gesagt, dass ich mich zuerst erholen muss und inzwischen ist das nicht nur so ein Gedanke, sondern ich merke, dass mein Nervenkostüm derart porös ist, dass ich mir unglaublich selber auf den Senkel gehe. Nicht mal mehr mit meinen Kindern habe ich annähernd genügend Geduld. Und das, obwohl ich eigentlich nur Spital- und Physiotermine habe. Und mich sonst „erholen“ kann.
Also frage ich mich natürlich, wie weiter? Wie geht es weiter, nach der Therapie?
Was kann ich dann noch machen? Woher die Kraft?
Welcher Weg ist meiner.

12 mal Fingerpieks Blutwerte
2 mal grosses Blutbild
13 mal Chemo und Antikörper
2 mal Kontrastmittel
2 mal Zugang Diverses (Notfall und OP)
6 mal Spritze in Brust für Biopsie
3 mal Spritze in Brust für Tumormarkierung
3 mal Spritze um Brustwarze für blaue Farbe
4 mal Stanzbiopsie(oder Versuch)
Das Zunähen habe ich ja nicht mitgekriegt, das zählt nicht.

Also in den letzten 24 Wochen
(Verstecher nicht mitgezählt):
12 mal Fingerpieks
19 mal Venenzugang
12 mal Brustspritze
4 mal gestanzt
Würde ich auch Mutperlen bekommen, dann hätte ich jetzt eine schöne 47 Perlen lange Kette. Fühlte sich nach mehr an…
Ich hab sicher noch was vergessen. 🤨
Natürlich weiter warten.
Diese Krankheit besteht ja hauptsächlich aus warten.
Die Pathologie ist noch nicht fertig.
Also eine Woche warten auf das nächste Tumorboard.
Dann feiere ich halt meinen Geburtstag, ohne zu wissen, wies weitergeht.
Wobei…
Weiter gehts immer mit warten. 🐌
Dafür noch ein Bild von meinem Krankenhausaufenthalt.

Ausruhen: Etappenziel

Am letzten Mittwoch um halb zwölf kriegte ich den Anruf, ob ich um zwei zur Besprechung kommen könne.
Das Ergebnis behielt ich für mich. Fünf Stunden lang habe ich mich alleine gefreut. Weil ich ja auch alleine krank bin, es alleine durchstehen muss. Da wollte ich mich auch alleine – im Stillen – freuen.
Der Tumor und der Lymphknoten „leuchteten“ auf dem MRI nicht mehr, nahmen kein Komtrastmittel auf!!
Allerdings gibt es einen weiteren Punkt (dort gab es schon was im Frühling), von dem sie nicht wissen, was das ist.
Aber morgen steht sowieso nochmal Mammografie und Ultraschall zur Tumorlokalisierung an. Wurde zwar alles gepierct/markiert. Aber nicht, dass sie mir was falsches rausnehmen! 🧐
Geplant ist die OP nächste Woche, 2-3 Tage stationär.
Entfernt werden Narbengewebe (Tumor), ein Lymphknoten und die Wächterlymphknoten.
Und dann hoffe ich, dass der Pathologe nichts findet.
Ich solle mich nun mal erholen bis zur OP. Das schlimmste hätte ich geschafft. Hoffentlich!
Zur Feier des guten MRI-Befunds und der Erleichterung, da ich ja die letzten Tage mehr an den Tod gedacht hatte, als die Wochen zuvor, habe ich mir ein Reisbier gekauft.
Zum Anstossen.
Ich hab mit meinen Kids dann mit Orangina angestossen. Brachte das Bier doch tatsächlich kaum über meine Lippen.
Dann vor dem zu Bett gehen immerhin EINEN Schluck. 🙄
Der Rest steht noch im Kühlschrank.