Ich: Dann ähm. Also. Ich glaube das ist medizinisch relevant. Öhm. Mein letzter Zyklus ging 352 Tage. Also die Mens ist zurück.
Er: Echt? Mit Chemo??
Ich: Ja erstaunlich. Bin noch nicht ganz so altes Eisen… Ist evt. wichtig wegen den Hormonblockern?
Er: Ach ja. Die kommen ja noch im Sommer. Das ist guuuut. Hält jung!
Ich: Was? Die Chemo?
Er: Hormone! Gut für ihre Knochen!
Ich:Ichwillsnichtwissenichwillsnichthörendavonwillichnochgarnivhtswissen! 🙉
Kategorie: Gespräche
Erstens
Er: Und?
Ich: Etwas müde, übernächtigt. Und äh…
Er: Fragen?
Ich: Ich hab da ne Liste…
Er: Oha! 🙈
Ich: Also erst das Einfache. Ich bräuchte ein Arztzeugnis.
Er: Schon wieder?!
Ich: 😏
Stammgast
Ich döse auf dem Chemostuhl, den ich in Liegeposition gestellt habe, vor mich hin. Nach über 1h Warten auf die Blutwerte macht sogar NaCl-Lösung IV müde. Aus dem Augenwinkel sehe ich: Onkodoc schleicht rein, sieht mich, kehrt um und klopft.
Ich: 🤨
Er setzt sich: Soooooooo.
Ich: Ja?
Er: Jetzt war ich so frech.
Ich: Hm?
Er: Blut gut, Leberwerte. Alles top! Jetzt habe ich bestellt, ohne zu fragen!
Ich: Die Chemo?
Er: Ja ich dachte, wo sie nun mal schon hier sind…. Sie kommen ja nicht einfach so….
Ich: … zum Schlafen. Nope!
Dolly und Shakira
Nach der Behandlung ist in der Behandlung, hört das mal irgendwann auf, dass der eigene Körper die reinste Baustelle ist?
Da sitze ich wieder mal barbusig im Spital, vor mir die Physiotherapeutin, die andächtig meinen Busen mustert: Sehr schön! Wirklich sehr schön gemacht!
In einem anderen Kontext könnten Busenkomplimente ja durchaus reizvoll sein, das Spital glänzt da eher durch Skurrilität.
Heute werden ja den Frauen nicht per se alle Lymphknoten entfernt. Das minimiert die Chance für ein Lymphödem am Arm, nicht aber für eins an der Brust.
Meine Linke hat also momentan ein bis zwei Körbchen Vorsprung auf die Rechte.
Meine Lymphdrainagespezialistin soll mich nun von Schmerzen und Ballast befreien und massiert und gibt Tipps.
Ich solle mir doch den linken BH austopfen, weil Kompression kann helfen. Sie gibt mir was zum Zuschneiden für zu Hause.
Ich schneide, ich stopfe.
Oh, aber hallo. Links Dolly und rechts Shakira?
Have a click:
Dolly und Shakira
Also nein! 🙈
Schulter gesucht
Nachdem MRI auf dem Weg zum Zugang ziehen lassen. Meine Pflegerin lotst mich in ein Zimmer. Ein anderer Pfleger hastet uns nach.
Pfleger ruft: Schulter?
Pflegerin: Was?
Pfleger: Schulter!
Pflegerin: 🤨
Pfleger zeigt auf mich: Ist das meine Schulter?
Pflegerin: Nein das ist Mamma. Deine Schulter kommt noch.
Stimme von draussen: Deine Schulter ist hier!!
Ich: 🤔 🍖?
Geschenk angekommen
📧@Onkodoc
Guten Tag Herr Onkodoc
Ist es möglich den Julitermin zu verschieben? Ich hätte da zwei Wochen kidsfrei und würde gerne verreisen, falls man wieder darf. Sonst pilgere ich halt durch die Schweiz….
Freundliche Grüsse
Tinkakartinka
An sich schon… wenn ich mir aber das angedachte Weihnachtsgeschenk für den Onkologen vor Augen führe, weiss ich nicht wirklich, ob ich so grosszügig sein sollte…
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😬 Corpus delicti

Ziemlich verlegen und fast verstummt
Mein Onkodoc kann auch fast sprachlos:
Er: Hier noch ihre Verordnung und die nächsten Termine.
Ich: Danke. Und hier noch ein Geschenk für sie.
Er: Ach?
Ich: Nun ja, gestern vor einem Jahr hatte ich meine erste Chemo. Jubiläum, Taraaa! 🥳
Und ich habe ja das ganze Jahr in der Behandlung gezeichnet und nun ein Buch daraus gemacht. Das kriegen sie jetzt.
Er: Oh!
Ich: Diejenigen die das Werk bis jetzt gesehen haben, hatten teilweise ein schmerzverzerrtes Gesicht… 😬
Er: Muss ich erst Alkohol trinken, bevor ich es mir anschaue? 🤔
Ich: Wie sie wollen. Meine Kids findens nicht so schlimm, aber die kennen ja meine Bilder. Und sie als Arzt, sie sollten sich sowas gewöhnt sein, nicht? Sie kennen ja die Behandlung. Soooo schlimme Sachen sind und auch nicht drin…
Er: Nicht?
Ich: Vielleicht die abgehackte Hand. Die hab ich ja eh für sie gezeichnet. Nun, ja. Und viele glatzköpfige Frauen!
Er: Das ist nicht verwunderlich.
Ich: Und oben ohne sind sie auch.
Er: Da gibts Schlimmeres! 🤭 Oh. Darf ich das sagen?
Ich: Durchaus! Da bin ich ganz bei ihnen. 😁
Er verlegen hinter der Maske: Also, ähm, ah.. vielen Dank!
Chemo in Zeiten von Corona
Vor dem Eingang aufs Spitalgelände werde ich angehalten von einem Mann in Leuchtstreifenkleidung mit Schutzmaske. Ob ich im Spital arbeiten würde?
Danke für die Frage, liegt wohl am Skateboard. Nein, ich habe einen Termin.
Ob ich den Fieber oder Husten hätte?
Nein, sonst würde ich nicht kommen.
Er lässt mich passieren, vorbei am neu aufgestellten Zeltbüro neben der Autoschranke. Alle auf dem Gelände tragen Masken.
Vor der Frauenklinik eine Frau mit Leuchtstreifenkleidung und Maske, stellt sich mir in den Weg. Wir müssten uns draussen unterhalten. Ob ich zu Besuch käme. Nein, ich habe einen Termin.
Meinen Namen will sie wissen und blättert sich durch 5 Blätter, bis sie mich findet.
Dann winkt sie mich durch. Ich darf passieren.
In dieser apokalyptischen Netflix-Serie wollte ich eigentlich nicht landen. 🙈🙈

Die Chemo-Sitze sind nicht weiter auseinander als sonst. Alle tragen Schutzmasken, klar. Sonst ist alles wie immer, ausser das sich plötzlich nicht nur die Patienten sorgen.
Aber meine Blutwerte sind top, sagt mein Onkokomiker.
Und – das trage ich noch auf der Tippliste ein – ich trinke jetzt Schweppes gegen die Muskelkrämpfe.
Spasstruppe
Man gewöhnt sich ja an jeden Scheiss. Echt jetzt.
Sogar daran, jeden morgen sich den Busen grillen zu lassen.
Zu Beginn sind die 33mal ein unheimlich hoher Berg. Kaum zu erklimmen. Besonders wenn man sich bereits nach zwei Wochen damit ausrüsten muss:

Seit Montag nun bin ich im Boost-Modus. Bestrahlung 2. Serie, nur noch das Tumorbett. Und das macht jetzt wusch und es ist vorbei. Noch 4 mal!
Und dann? Dabei sind die Bestrahler vom Polarkreis so schön aufgetaut. Richtig lustig wars heute.
Länger will ich trotzdem nicht… 😏
Sie mault hinter der offen Türe des Kontrollraums: Dann hör ich was, aber kein Mensch da!!!
Ich: Der Mensch ist hier. Der Mensch musste auf Toilette.
Gelächter aus dem Kontrollraum.
Sie kommt raus: Ja wissen Sie, ich höre das Klappern der Garderobe, aber dann sind sie weg. Niemand da.
Ich: Sehen sie mal. So schnell kanns gehen.
Später liege ich in Leggins, Docs, oben ohne, aber mit Mütze – ich hatte kalt – auf der Liege und atme nach Kommando.
Andere Sie: Einatmen, Ausatmen. Einatmen, Stopp! Nicht mehr atmen!
Sie: Jetzt haben wir noch eine Rotation. Sie drückt meine Schulter runter. Tritt zurück und kontrolliert.
Er: Ja. Ruckelt mich zurecht. Schaut.
Sie zieht an der Auflage: Hm. Ja.
Ich huste. Sie blicken mich überrascht an.
Er: Oh, ja, Sie dürfen wieder.
Sie grinst: Wir dachten, wir erhöhen mal die Schwierigkeit für Sie.
Ich: Das ist nett. Auf eine Minute?
Sie: Aber gut, dass Sie wieder atmen.
Ich: Ja ich dachte, das sei noch sinnvoll.
Rückeroberung
Also einmal Reisen hab ich schon geschafft. 💪🏻
Zum ersten Mal wieder weg seit letztem Februar. Das Jahr startete gut an meinen bestrahlungsfreien Tagen vom 1. zum 2. Januar. 🥳
Und trotz schlechter Blutwerte – ich musste der Onkologin versprechen, bei Fieber sofort in den Notfall zu kommen- konnte ich weg und wieder mal Freiheit fühlen.
Ich: Ähm, kann ich dich kurz beim Gamen stören oder stirbst du dann?
Er: Nö, okay.
Ich: Also, falls es dir nicht passt, ists Pech. Denn ich hab gerade für heute eine Übernachtung gebucht.
Er: Echt? Wo denn?
Ich: In einer Jurte.
Er: Cool. Wir fahren weg!
Ich: Nicht weit, meint google. Aber hart an der Nebelgrenze. Mit etwas Glück kriegen wir Sonne.
Er: Wann?
Ich: In ca. 2h? Ich koche Kartoffeln. Die Jurte hat ne Feuerschale. Dann brauchen wir kein Restaurant.
Er: Cool. Jurte im Januar. Feuerschalen-Nachtessen. Du bist ein verrücktes Weib!
Ich: Oh Danke! 😍 Dann passts ja.

Bestrahlungsstatus: 25/33