Arztwut

Zufällig die Ärztin von Fe getroffen.

Sie: Ahh! Frau Tinkakartinka!
Ich ziehe mir das Tuch vom Kopf: Guten Morgen!
Sie mustert meine Stoppeln und schnaubt: Ich habe viel an Sie gedacht. Und jedesmal habe ich geflucht!
Ich: Tut doch gut.
Sie: Soviel geflucht!
Ich: Vergessen Sie neben dem Fluchen den Wein nicht, den Sie für mich mittrinken müssen…
Sie schnaubt.

Krebshumor: Frei Schnauze

Ich brauche, bevor ich wieder Arbeiten kann, eine Reintegrationsmassnahme, um meinen Humor vom Galgen zu befreien. So bin ich kaum sozialkompatibel. 🙈

Bei der Theaterprobe mit lauter Krebskranken und -überlebenden.

Regisseurin: Und wir haben einen vierten Spielort! Hurra!
Spielerin: Wann?
Regisseurin: Im Frühjahr 2021!
Ich: Sind wir dann noch alle da? Ich meine, nicht dass die nur halbes Theater kriegen…
Grosses Gelächter
Ich: Tschuldigung. Aber unter uns darf ich ja…
Spielerin: Keine Angst. Wir schieben sonst Gedenksteine für die Fehlenden auf die Bühne.
Ich: Meiner aufm Skateboard, bitte.

Und was kam heute per Mail? Die Spieldaten im 2021, gefolgt von dem netten Schlussatz:

„So bitte niemand sterben…. 😉 Bis heute Abend in der Probe.
Liebe Grüsse“

Die Theatertruppe ist wohl nicht die richtige Reintegrationsmassnahme. 🤷‍♀️

Aber der tollste Ort, um über dieses ganze Desaster zu lachen, den Mittelfinger zu zeigen: He! Noch leben wir! Noch spielen wir! Noch lachen wir!
Und das mehr, als viele ‚Gesunde‘.

Warten auf Godot

Wobei…🤔 der kommt ja nie.
Also warten auf Onko.

Ins Spital eingetreten bin ich am Di 01.10. operiert wurde ich an Mi 02.10.
Der erste Besprechungstermin war Di 08.10., aber die Pathologie noch nicht fertig.
Am Di 15.10. hatte ich die Nachbesprechung und weiss immer noch nicht, wies weitergeht.
Das Gute: Tumor wurde sauber entfernt, Lymphknoten sind tumorzellenfrei.
Das Schlechte: Mikrotumore gefunden, 1-2 mm.
Der Onkologe will mich am Mo 21.10. sprechen. Evt. werde noch Therapie eingeschoben vor der Bestrahlung. Heisst das nochmal Chemo? Die Chirurgin wehrte ab. Das habe sie nicht gesagt… Sie habe gar nichts gesagt. Und Antikörpertherapie und Antihormontherapie müssten auch besprochen werden. Und zur Bestrahlung könne man immer noch anmelden. Es gehe um meine Prognose. Und sie habe nichts gesagt, der Onkologe brauche einfach noch Bedenkzeit.
Ich meine, wenn mich der Onkologe sprechen will, ich bin ja nicht blöd. Und serviert bekommen, das der Krebs zurückkommen kann und tödlich enden könnte. Ja, ich weiss. Es kam unerwartet und wenn mich was vorzeitig Umbringt, dann ist es die Unsicherheit gepaart mit meiner Phantasie…
Ich heulte eine Runde.
Dann wurde ich verabschiedet und nun warte ich wieder.

Das wären dann knapp 3 Wochen nach der OP, wenn ich endlich weiss, wies weitergeht.

Dieses aufrecht weitergehen, Klatscher an den Hinterkopf bekommen, wieder aufstehen, weitergehen, ist ungemein anstrengend.
Und teuer!
Hab ich mir doch zwei Garnituren Wäsche gekauft, im Fachgeschäft. Das hatte ich beschlossen, als ich hörte, dass ich operiert werde: Einen perfekt sitzenden, supersexy BH kaufen, egal für was für oder wieviele Brüste!
Und da es noch zwei sind und ich meinen Arm schon schön hochheben kann, wars viel einfacher und tja, jetzt hab ich halt zwei BHs, mit Slip.
Und wenn ich die Narbe mit etwas Gaze abpolstere, kann ich sie schon tragen.
Das war ein wichtiger Kauf! Schöne Wäsche sollte man als Frau sowieso grundsätzlich für sich selber kaufen. 💪🏻

Ansonsten schreibe ich wieder. Kapitel drei ist fertig und schon machen die Figuren, was sie wollen und nicht mehr unbedingt, was ich geplant habe. Soviel zum Autor als Schöpfer… 🤷‍♀️
Und ich mache wieder Theater! Das ist toll!
Lauter Krebskranke und -überlebende, die auf einer Bühne rumtollen, Galgenhumor hoch zehn!
Selten so wenig an meinen Krebs gedacht einen ganzen Abend lang wie bei der Probe. Und das obwohl es beim Theater um Krebs gehen wird.
Aber dazu später vielleicht mehr.

Best of Klinik

Um die Wartezeit zu verkürzen, ein Best of der dümmsten Momente aus dem Spital.

Sich aus Versehen die OP-Markierungen wegduschen und sie sich dann von der Nachtschwester heimlich nachzeichnen lassen.

In irgendeinem Gerät liegen und feststellen, dass die Blase doch nicht so viel Füllvermögen hat, wie vor einer Viertelstunde gedacht.

Frisch operiert.
Die Hand voll Mandelöl, um den Skalp zu pflegen.
Und beim Blick in den Spiegel feststellen, dass die linke Ölhand zur linken operierten Achsel gehört. Und das Öl wohl so nicht zum Kopf kommt.

Vom Spitalbett aufstehen und mit dem Dränageschlauch an der linken Bettseite und mit dem Infusionsschlauch am Kopfteil festhängen.

Dem falschen Spezialisten eine ungefähre Einschätzung entlocken. Und noch einem eine andere.

Sich beim Einfädeln der Infusionsbeutel in den Pullover verrechnen…

Einen über jede mögliche Komplikation gut informierten und zur Komnunikation motivierten Pfleger nach dem möglichen Schmerzlevel beim Entfernen der diversen Schläuche fragen.

Spital kann so anstrengend sein!

Pinkelwettbewerb

Nur soviel: Ich pinkle blau. Das liegt am Farbstoff, der mir zur besseren Lymphknotenlokalisation in die Brust gespritzt wurde.
Beim Blick auf den Katherterschlauch dachte ich kurz: Jetzt weiss ich, wie Gat*rade hergestellt wird…

Der Pfleger leert die Katheterbeutel von mir und einer Mitpatientin (mit der ich bisher kaum zwei Worte gewechselt hatte). Dann hält er den blau gefüllten Messbecher hoch ins Licht.

Ich: Und?
Er: 1,2 Liter
Ich: Ganz schön viel, nicht?
Er hält den Messbecher mit dem gelben Inhalt hoch, schaut zu mir und schüttelt den Kopf: Sie haben verloren!
Mitpatientin aus dem off: Ich habe gewonnen?
Ich: Mengenmässig ja. Ästhetisch ich.
Mitpatientin: Stimmt. Mal schauen wer morgen gewinnt.
Ich: Sie kriegen mehr Infusionen. Das gilt nicht.
Mitpatientin: Ich nehm noch einen Schluck Wasser. Bin grad so durstig.
Ich: Ich auch!

Bald gehts zum Metzger

Ein second look beim Röntgen. Das MRI war gut, kein Krebs leuchtete mehr auf dem Bild. Aber etwas Undefinierbares schon und dazu musste überprüft werden, ob alle meine Tumor-Piercings noch sitzen, für die Operateure.
Als ich beim OP-Gepspräch fragte, ob ich dann ein Barbapapa-Busen haben werde (der kann sich ja so verformen, dass er Dellen hat) meinten sie, man könne das gut ausgleichen mit Fettgewebe. Der Busen werde dann halt etwas kleiner.
Na gut, passt. Der ist eh grösser. Dann sind sie nachher vielleicht gleich.

Beim Röntgen nun war die Ärztin die Gleiche, wie beim ersten Termin, direkt nach der Mammographie.
Die, die meinte: Ein Lehrbuchbefund.
Ich: Wie gross ist die Chance, dass es KEIN Krebs ist? Weil die Biopsie kommt ja noch.
Sie: Hmmmm, 3%? Fragen?
Ich: Kann ich mich dann um meine Kinder kümmern?
Sie: Sie müssen sich dann erst mal um sich kümmern. Weitere Fragen?

Also das mit dem nur um sich selbst kümmern ist erwartungsgemäss etwas schwierig gewesen. Und nun sah ich sie nach 4,5 Monaten mit massiv weniger Haar (also ich) wieder.

Sie: Kennen Sie mich noch?
Ich: Ha! Klar. Den Termin vergesse ich nicht so schnell. Erkennen Sie mich noch?

Das Undefinierbare blieb undefinierbar und wird dann in der ersten Nachkontrolle sechs Monate nach Abschluss der Behandlung nochmals überprüft. Alle Marker sind da, wo sie sein sollen.
Am Ende der Untersuchung schloss sie wieder mit: Fragen?
Ich: Wie sehe ich nach der OP aus? Wie stark sind die Schmerzen? Wie schnell bin ich fit? Wie schnell kann mein Kleiner mir wieder in die Arme springen?
Das fragte ich alles nicht.
Denn sie hätte es mir nicht beantworten können. So hatte ich keine Fragen für einmal.
Einige der Antworten weiss ich nächste Woche.

Spitaleintritt am Dienstag um 8:00 Uhr, damit ich ein radioaktives Mittel gespritzt kriege und die Piercings schön leuchten, wenn ich es richtig verstanden habe.
Dann passt das dann ja, wenn ich jeweils sage, im Moment habe ich eine Zwei-Serien-Frisur: zwischen Twin Peaks und Chernobyl.
Es folgen noch weitere Untersuche an dem Tag und viel warten, weil man mich versicherungstechnisch nicht mehr nach Hause lassen kann.
Am Mittwoch werde ich operiert.

Vielleicht mache ich ein Busenfoto. So für mich.
Eins ohne Narben.
Zum Abschied.

Voll krass Frau Lehrerin

Ich war auf Schulbesuch in meiner Klasse. Ohne Kopftuch mit Stoppelhaar. Da mussten sie sich nicht die ganze Zeit fragen, wie es wohl unter dem Tuch aussieht.
Sehr seltsam war es, nach vier Monaten wieder im Schulzimmer zu stehen. Und es so unglaublich aufgeräumt zu sehen.
😂😂😂

Lu: Kommen Sie auch ans Schulhausfest nächste Woche?
Ich: Hmm. Kann ich nicht sagen. Kommt drauf an, wie es mir an dem Tag geht.
Lu: Oh! Wir dachten, sie kommen…
Ich: Was ist denn euer Thema?
Ma: All in Black!
Mi ruft: BEERDIGUNG!
Ich: Oh! Das ist ja voll mein Thema! Da muss ich ja kommen!!
Klasse: 😂😂😂🤣🤣😂🤣🤣🤣😂
Ersatzlehrer (eher seriös sonst): 😁
Ich: Oh! Entschuldigung! Aber wir Krebspatienten haben einen ganz üblen Humor! 😬
Und zum Ersatzlehrer
Und reingerufen hab ich auch noch! Sorry. Ich bin jetzt still. 😶

Alle: 😁😁😁😁😁😁😁😁😁😁😁😁😁😁

Später, die Arbeitsaufträge sind verteilt, einige stehen auf, verteilen sich auf die Zimmer.
Da ruft Lu mit erhobener Faust vom anderen Ende des Zimmers:
Das war ein voll krasser Witz Frau Tinkakartinka!!!

Augenlidtattoo

Bei der Anmeldung zum MRI bekomme ich den Fragebogen in die Hand gedrückt.

Ich: Oh nein. Ungeschminkt! Das habe ich vergessen. Heute hab ich die Augenbrauen so schön gemacht…
Sie: Oh! Aber das ist ja nur Augenbrauenstift. Es ist eher der Lidschatten das Problem.
Ich: Ist ja auch Puder.
Sie: Aber der glänzt nicht. Wissen sie, das Metall im Lidschatten ist das Problem.
Ich: Metall???
Sie: Ja, wenns glänzt…
Ich: Und das blitzt dann im MRI? Wie Alu in der Mikro? Und ich krieg ein Augenlidtattoo?
Sie: Ah, machen Sie sich keine Sorgen. Das gibt kein Tattoo. Höchstens ein ungenaues Bild. Aber wir brauchen ja auch nicht ihr Auge.

Scooterboy mit Todessehnsucht

Ein Junge im Skatepark pflanzt sich vor mir auf und glotzt. Er ist bestimmt mind. 10 Jahre alt.

Scooterboy: Bist du ein Junge?
Ich: Seh ich so aus? 😃
Scooterboy: Jedenfalls komisch, so ohne Haar.
Ich: Schon Männer mit solch grossen Ohrringen gesehen?
Scooterboy: Ja. Doch. Aber du siehst komisch aus, wie ein Junge!
Skatebuddy: Du bist frech.
Ich: 😁 steh mal auf, der Scooterknirps schrumpft. Vielleicht erkennt er so gewisse anatomische Unterschiede…
Scooterboy: Sorry, ist sie deine Mutter?
Ich: 😂😂
Skatebuddy: Nein! Und du bist saufrech!
Scooterboy: Deine Freundin? Entschuldigung!
Ich: 😂😂😂
Skatebuddy: Auch nicht. Trotzdem. Es gibt Gründe. Du bist nicht nur saufrech, du bist auch doof!!
Scooterboy: Sorry. Sie ist ja hübsch, sehr hübsch, sieht gut aus und gross und so. Wollte ja nicht…
Skatebuddy: Genau!! – Geh! – Fahren! – Da!
zeigt zum Park und dreht sich dann kopfschüttelnd zu mir Unglaublich!
Ich: Hahaha 🤣🤣🤣

.

Das war schon fast Todessehnsucht, bedenkt man, dass Skater meistens Scooterfahrer hassen (u. A. aus sicherheitstechnischen Gründen).

Porträt-Outing in der Schule

Grosser: Mami, in der Schule mussten wir unsere Eltern zeichen. Für den Elternabend.
Ich: Ok?
Grosser: Nicht böse sein. Hihi. Ich hab dich mit Glatze gemalt.
Ich: Voll ok. Stimmt ja auch. Hat wer reagiert?
Grosser: Sie meinten, ich habe Papi gezeichnet. Aber die Mädchen sagten, an den Wimpern sehe man es!

Dann am Elternabend sagte der Lehrer das heitere Rätselraten an. Er halte ein Porträt hoch, die Eltern müssten sich erkennen und wenn es stimme, dann komme als Auflösung ein Foto von Sohn oder Tochter auf die Leinwand mit ihren wünschen für die nächsten drei Jahre.

Ich 🙈. Aus dramaturgischen Gründen komme ich bestimmt an 3 oder 4 Stelle.
Und so wars dann auch.

Lehrer: Und hier? Wer erkennt sich da?
Ich: Die mit der Glatze, das bin ja dann wohl ich!! ☝🏻😂😂😂
Mein Grosser hatte mich schon vorgewarnt.
Und alle Eltern so: 😐😐😬😐😐😳😐😐😐😐😬😐😐😳😐😐😐😬😐

Super-Comic-Mami-Portät!
Gut gemacht Grosser: Top!!! 😁🙌🏻

Und ich hatte mich noch aufgebretzelt, Kontaktlinsen, Augenbrauen so schön, zwecks Mitleidminimierung 🙈😂😂😂