Kennt wer da draussen Michael Schanze noch?
Eins, zwei oder drei – (Plopp) – letzte Chance ist vorbei!
Manchmal fühlt sich diese Krankheit so an.
Ob du wirklich richtig stehst, siehst du, wenn das Licht angeht.

Kennt wer da draussen Michael Schanze noch?
Eins, zwei oder drei – (Plopp) – letzte Chance ist vorbei!
Manchmal fühlt sich diese Krankheit so an.
Ob du wirklich richtig stehst, siehst du, wenn das Licht angeht.

Als ich die Diagnose anfangs Mai bekam, hiess es, die Therapie dauere ein halbes Jahr, das wäre Ende Oktober gewesen. Nun hatte ich das Vorgespräch zur Bestrahlung. Sieben Wochen sind geplant, nicht nur fünf.
Seit ich Brustkrebs habe, höre ich die ganze Zeit, dass ich jung bin. Danke vielmal. Aber im Zusammenhang mit einer Erkrankung ist das nicht immer positiv. Für die Bestrahlung heisst das, dass nicht nur die Brust und die Lymphknoten bestrahlt werden, sondern auch noch – ich erinnere mich nicht mehr genau – der Lymphabfluss? Jedenfalls werde ich an drei Stellen bestrahlt, nicht wegen meines Befundes, sondern um wegen meines Alters auf Nummer sicher zu gehen. Wenn aber an drei Stellen bestrahlt wird, muss die Dosis pro Stelle runtergeschraubt werden, damit der Impact auf den Körper nicht so gross ist und darum braucht es mehr Einheiten, nämlich dreiundreissig.
Die Bestrahlung dauert also voraussichtlich bis Weihnachten.
Nächste Woche habe ich dann das Vorbereitungs-CT. Dann erstellen sie ein 3-D-Modell von meinem Oberkörper, damit die Winkel richtig berechnet werden können, so dass möglichst wenig von der Lunge und vom Herz mitbestrahlt werden.
Wann ich meine Bestrahlungstattoos bekomme, weiss ich noch nicht. Also es kann noch dauern, bis sie beginnen.
Ursprünglich war mal geplant, dass ich auf das nächste Schulhalbjahr wieder zu arbeiten beginne. Im Moment bin ich aber noch weit davon entfernt, mich wieder in ein Schulzimmer und vor eine Klasse stellen zu können. Ich habe immer gesagt, dass ich mich zuerst erholen muss und inzwischen ist das nicht nur so ein Gedanke, sondern ich merke, dass mein Nervenkostüm derart porös ist, dass ich mir unglaublich selber auf den Senkel gehe. Nicht mal mehr mit meinen Kindern habe ich annähernd genügend Geduld. Und das, obwohl ich eigentlich nur Spital- und Physiotermine habe. Und mich sonst „erholen“ kann.
Also frage ich mich natürlich, wie weiter? Wie geht es weiter, nach der Therapie?
Was kann ich dann noch machen? Woher die Kraft?
Welcher Weg ist meiner.

Ich sagte immer, ich will möglichst viele Leben leben, alles mitnehmen. Man hat ja eventuell nur eins.
Eine Kurzharfrisur getraute ich mich nicht zu schneiden, obwohl ich sie gerne gehabt hätte.
Das Tattoo ist auch schon lange im Hinterkopf, aber Motiv noch nicht klar.
Da findet das Universum doch tatsächlich im Jahr 2019: BÄM! BÄM! BÄM!
Krebs
Shinead-Frisur
Radiologie-Tattoo
Danke. Nächstes Mal formuliere ich meine Wünsche etwas vorsichtiger. 🤨
In der Woche Wartezeit konnte ich mir schon zusammenreimen, was mein Onkodoc wohl besprechen wollte.
Bereits im allerersten Gespräch erzählte er begeistert von der Therapie, klang etwas nach Hightech und CSI: Kadcyla.
Ich hatte die Option zwischen nur dem Antikörper Herceptin oder Antikörper plus, also Kadcyla – alle drei Wochen für ein Jahr.
Dieses Medikament kommt sonst bei HER2positivem, metastasiertem Brustkrebs zum Einsatz, bei mir (ohne Metastasen) zur Verbesserung der Prognose. Das Plus bei Kadcyla ist ein Zytostatika.
Da ja noch aktive Tumorzellen gefunden worden waren, könnte noch irgendwo was rumschwirren und das möchte ich gerne weghaben, bevor es wieder wuchert.
Kadcyla ist eine zielgerichtete Chemotherapie, wirkt nicht generell auf alle schnell wachsenden Zellen wie AC oder Taxol.
Kadcyla dockt sich am Rezeptor an und wird von der Krebzelle aufgenommen. Dort baut sich das Medi ab und der Chemorucksack geht auf, die Krebszelle wird von innen zerstört: eine Paketbombe.
Natürlich hat Kadcyla mehr Nebenwirkungen als Herceptin. Die Päckchen könnten auch anderswo hochgehen. Die Leberwerte müssen kontrolliert werden, das Herz kann angegriffen werden… eigentlich ist die Liste der Nebenwirkungen laut Compendium genauso lang, wie beim Taxol. Da der Wirkungsmechanismus anders ist, sollte es nicht so krass sein.

Keine Nebenwirkungen bei der ersten Gabe. Zuerst gabs Paracetamol und Cortison als Prophilaxe, alle 15 Minuten Blutdruck- und Temperaturkontrolle, während der 1,5 h Infusion. Die 2h Nachbeobachtungszeit wurde mir erlassen. Beim Herceptin hatte ich nie Probleme und zu Fuss bin ich in 10 Minuten in der Klinik…
Beim nächsten Mal dann ohne Tabletten und nur 30 Minuten Infusionszeit.
Bis jetzt kein Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost. Ich hoffe, das bleibt so! 💪🏻
Ansonsten kann ich jederzeit auf Herceptin wechseln.
Und zum Abschluss gabs noch eine Rose. Oktober ist schliesslich Brustkrebsmonat.

PS: Gestern und vorgestern war ich auf dem Skateboard! Und letzte Woche feiern bis morgens um 3 Uhr!!! 💃
(Ich bin immer noch am Schlaf nachholen 😬)
Hallo Leben, Willkommen zurück! Lass mich bloss nich wieder im Stich!
Morgen Vorbesprechung Radiologie.
12 mal Fingerpieks Blutwerte
2 mal grosses Blutbild
13 mal Chemo und Antikörper
2 mal Kontrastmittel
2 mal Zugang Diverses (Notfall und OP)
6 mal Spritze in Brust für Biopsie
3 mal Spritze in Brust für Tumormarkierung
3 mal Spritze um Brustwarze für blaue Farbe
4 mal Stanzbiopsie(oder Versuch)
Das Zunähen habe ich ja nicht mitgekriegt, das zählt nicht.

Also in den letzten 24 Wochen
(Verstecher nicht mitgezählt):
12 mal Fingerpieks
19 mal Venenzugang
12 mal Brustspritze
4 mal gestanzt
Würde ich auch Mutperlen bekommen, dann hätte ich jetzt eine schöne 47 Perlen lange Kette. Fühlte sich nach mehr an…
Ich hab sicher noch was vergessen. 🤨
Hmmm….
Ok, ich war frustriert.
Genervt.
Gestresst.
Übernächtigt und mit halber Schlaftablette sollte man gegen Mitternacht keine Schuhe im online-Shop angucken.
Einschlafen.
Aufwachen.
Das Bestätigungsmail sehen. 😱😱😱
Für wieviel habe ich gerade Schuhe bestellt???
🙈
Um die Wartezeit zu verkürzen, ein Best of der dümmsten Momente aus dem Spital.
Sich aus Versehen die OP-Markierungen wegduschen und sie sich dann von der Nachtschwester heimlich nachzeichnen lassen.
In irgendeinem Gerät liegen und feststellen, dass die Blase doch nicht so viel Füllvermögen hat, wie vor einer Viertelstunde gedacht.
Frisch operiert.
Die Hand voll Mandelöl, um den Skalp zu pflegen.
Und beim Blick in den Spiegel feststellen, dass die linke Ölhand zur linken operierten Achsel gehört. Und das Öl wohl so nicht zum Kopf kommt.
Vom Spitalbett aufstehen und mit dem Dränageschlauch an der linken Bettseite und mit dem Infusionsschlauch am Kopfteil festhängen.
Dem falschen Spezialisten eine ungefähre Einschätzung entlocken. Und noch einem eine andere.
Sich beim Einfädeln der Infusionsbeutel in den Pullover verrechnen…
Einen über jede mögliche Komplikation gut informierten und zur Komnunikation motivierten Pfleger nach dem möglichen Schmerzlevel beim Entfernen der diversen Schläuche fragen.
Spital kann so anstrengend sein!
Ich bin in Jackson Pollock Stimmung.
Möchte gern Farbbeutel schmeissen.
Einfach nicht auf Leinwände.
🤬
Natürlich weiter warten.
Diese Krankheit besteht ja hauptsächlich aus warten.
Die Pathologie ist noch nicht fertig.
Also eine Woche warten auf das nächste Tumorboard.
Dann feiere ich halt meinen Geburtstag, ohne zu wissen, wies weitergeht.
Wobei…
Weiter gehts immer mit warten. 🐌
Dafür noch ein Bild von meinem Krankenhausaufenthalt.

Wenn nicht jetzt, wann dann.
Der Krebs als Freibrief zur Neuerfindung seiner selbst?
Will ich das?
Muss ich das?
Muss ich das wollen?
Was möchte ich von meinem Leben vorher zurück, was behalten, was kann weg?
Ich weiss es nicht.
Einzig, dass ich mehr Einfachheit will. Alles Komplizierte, Stress produzierende darf weg.
Ich will nicht mehr so viel Arbeiten, kann es wahrscheinlich gar nicht mehr. Ich möchte nicht mehr jeden Tag um 05:30 Uhr aufstehen und durch den Tag hecheln: Kinder wecken, Arbeit, Sport, Arbeit, Einkaufen, Kinder holen, Kochen, Haushalt und dann nach 15h-non-stop-Gerenne endlich Feierabend.
Ich möchte mich nicht mehr in meiner Stärke beweisen müssen. Dieses Alles-gebacken-kriegen ist fatal.
Ich will zuverlässige Partner, mehr Luft für mich und meine Träume.
Das Problem mit dem Umkrempeln ist, solange die Krebstherapie läuft, bin ich in der Medizinmangel.
Ich bin entweder Krebspatient oder Krebskranke, immer in den Fängen der Krebskrake.
Nie nur Tinkakartinka.
Es gibt keine Arbeitskollegen, wenig Freunde, kaum Normalität, die mir ein Ich fern der Krankheit spiegeln. Die Krake sitzt immer mit am Tisch.
Habe ich mich verändert durch die Krankheit? Von mir entfernt? Oder bin ich mir näher gekommen.
Wer bin ich, ist die Krake mal weg.
Wer könnte ich nun sein, was will ich.
Alles Fragen, in deren Strudel ich mich um mich selbst drehe. Ich tanze mit der Krake im Kreis.
Kann mich aber kaum im Leben ausprobieren.
Irgendwie alles
unbeantwortbar mittendrin.
Und nachher, soll ich einfach wieder funktionieren?
In der Schweiz ist keine Krebs-Reha vorgesehen. (In der Schweiz arbeitet man ja auch bis zum Geburtstermin als Mutter, kann nachher 16 Wochen pausieren und Stillen, bevor man wieder einsteigt. Der Papa kriegt zwei Tage Vaterschaftsurlaub.)
Weil Arbeit definiert uns.
Zeit, mit allem klarzukommen ist nicht vorgesehen im Gesundheitssystem.
Und genau das wünsche ich mir. Die Krake werd ich wohl noch nicht so schnell vollständig los. Aber wenn sie nicht mehr dauernd mit mir am Tisch, an mir klebt, im Hirn sitzt, dann möchte ich flüchten, weg, um mich selbst (wieder) zu finden. Mitten im Leben.