Ferien mit Allem

Ich plante doch mal, alleine mir ein Hotelzimmer zu nehmen und so mal weg zu kommen. Habe ich gemacht. Schon vor einem Monat. Und zwar Ferien mit allem (und nicht mal alleine.)

  • Essen beim exklusiven Italiener (Terrasse natürlich)
  • Kino
  • Sauna und Dampfbad
  • Fastfood und Absacker
  • Sightseeing
  • Dachterrassenaussicht
  • Flanieren
  • Museum

Hach, wie hat mir das gefehlt. Reisen! Auch wenn es nur eine Mikroreise war.

Arbeitsintegration VI

Ich fing in zwei Klassen an. Erst als Assistenz, dann mit eigenen Lektionen. Und ich freute mich wieder auf die Arbeit und hatte nachher sogar mehr Energie als vorher. Erstaunlich schnell war ich auf einer höheren Präsenzzeit als an meiner alten Schule.

Die Klassen hätten unterschiedlicher nicht sein können. Die eine arbeitet selbständig und ruhig, die andere ist mehr so: New York. If you can make it there… Bekannterweise die schlimmste Klasse im Schulhaus. Kennt ihr den Film Fack ju Göhte?

Also wenn mir nach 3h nicht der Tinitus Hallo sagt, kann ich in einer normalen Klasse locker einen ganzen morgen unterrichten. Sie sind nicht böse, nur nicht domestiziert. Und das Niveau hat eine enorme Spanne! Als einer in der ersten Stunde quer über alle Bänke gespurtet ist und ich dann sagte: Oh, da meldet sich wer freiwillig zum Schnippsel vom Boden aufheben! Da hat er es brav gemacht.

Ich muss einfach alle meine Register ziehen:

  • stark lehrerzentriert, damit mal etwas Ruhe ist
  • arbeiten lassen, damit die Guten nicht rumblöken
  • Bewegungspausen damit die ADHSler nicht vom Stuhl fallen
  • Mal Schreien, weil sonst nix nützt
  • Mal lachen, weil ich es sons nicht überlebe

Und ich habe eine Wette mit der Klasse am laufen. Wenn sie es schaffen 10min ruhig zu arbeiten, kriegen sie ein Znüni (was zu Essen für die grosse Pause). Den ersten Versuch stoppte ich nach 40 Sekunden. Den zweiten nach 1’ 30’’. Inzwischen sind sie bei knapp fünf Minuten. Ich habe mir die Erlaubnis eingeholt, sie aus dem Unterricht zu werfen und werde beschultertätscht und aufgemuntert von Assistenzen und Heilpädagogen.

Als nicht mal Stellvertretung habe natürlich eine Scheissposition. Und ich bin definitiv Klassen- und nicht Fachlehrer. Ich domestiziere gerne und gut und als Fachlehrer ist man aufgeschmissen, wenn diese Arbeit in Sozial- und Selbstkompetenz nicht gemacht wird. Dann kommt es eben so raus.

Sie sind es sich nicht gewohnt, nicht reinzurufen. Haben weder Ordner oder Mäppchen für ihre Blätter, kein Hausaufgabenbüchlein, keine Klassenregeln. Vielleicht nicht mehr? Und das Klassenzimmer ist aufgeteilt. Linke Hälfte, die Hoffnungslosen, vom Klassenlehrer aufgegebenen und rechts die, um die es sich zu kümmern lohnt. Gut bin ich eher so mittigunterrichtend… 😉

Das Team ist aber toll, meine Assistenz bedankt sich sogar nach jeder Lektion für den spannenden Unterricht und ich fahre 10 mit dem Rad zur Arbeit. Aber sauanstrengend ist es schon!

Mein (noch) Arbeitgeber wollte mich ja zur Kündigung motivieren. Und da mein Krankentaggeld eh auslief, erklärte ich mich bereit für ein Gespräch mit dem Oberchef. Die Schulpflege (Aufsichtsorgan) war auch dabei. Den Chef wollte ich nicht sehen. Und ich habe ALLES haarklein geschildert, wie meine “Integration” so ablief. Die Schulpflege hatte nachher wohl 5 Seiten Notizen.

Conclusio: Es wird nun eine Integrations-Leitlinie erarbeitet. Wie immer ein Papier mehr, anstatt bei den Leuten die ihren Job nicht machen, anzuklopfen. Sie dürfen das dann gern Tinkakartinka-Leitlinie nennen! 😏

Ende März erhielt ich überraschend eine Nachricht von einer Lehrer-Freundin. Im Dezember hatte ich ihr gegenüber erwähnt, dass ich im Sommer wohl einen Job brauchen werde: Es werde eine Stelle frei in ihrem Schulhaus. Eine neue Klasse. Meine Wunschfächer. Ich bedankte mich und fragte nach den Kontaktdaten vom Neuchef. Sie antwortete: Er erwartet deinen Anruf.

Es wurde auch eine Klassenlehrerstelle frei im Schulhaus, wo ich jetzt meine Integration mache. Die Lehrerin der ruhigen Klasse wies mich darauf hin. Doch als am 3-Wochengespräch der Schulleiter fragte, was ich denn ab Sommer mache und ich lachend antwortete: arbeitslos sein. Schaltete sich mein CaseManagement ein: Wir dachten, am besten keine Klassenlehrposition und nicht zu viele Stunden, wegen der Belastung. Das dachte wir im Dezember, als ich noch an der alten Schule war. Vor 3 Monaten!!! Und ich hatte der guten Frau noch gesagt, dass ich die freie Stelle ansprechen wollte, sie wusste das!! Hätte ich nicht schon einen Vorstellungstermin an der anderen Schule gehabt, wäre ich ihr sowas über den Mund gefahren!

Das Vorstellungsgespräch lieft gut. Aber ich musste irgendwie was zu meiner Situation sagen, ohne mich gleich ins Aus zu befördern…. Ich fragte den Neuchef, ob er mich gegoogelt habe. Er reagierte ausweichend – nachher hat er es bestimmt gemacht! Mit meinem Namen stösst man nämlich sehr schnell auf das Krebstheater, mit dem ich ab Nov wieder auftrete. Dann erwähnte ich, dass ich noch in der Integration sei und gerne mit weniger Stunden beginnen würde. Er meinte, das sei kein Problem und bedankte sich für das Vertrauen.

Ich hatte ein extrem gutes Gefühl: vom Schulhaus, vom Neuchef und davon, dass beim Vorstellungsgespräch noch jemand vom Team dabei war und nicht ein “Würdenträger.” Durch die Blume liess er verlauten, dass ich bis jetzt seine Favoritin sei. Aber er hatte mich ja noch nicht gegoogelt…. Zwei Tage später wollte er mir Bescheid geben.

Zurück auf Feld 63

Die Stimmung ist besser, das ist toll! Aber die doofe Müdigkeit. Deswegen wollte ich mich ja impfen lassen, weil kaum aus der Krebsfatigue raus, nun Covidschlappheit fühlt sich an, wie im „Leiterli-Spiel“ ein paar Reihen runter zu rutschen…

Gestern war ich joggen, den im Alltag tut mir meine Lunge nicht mehr weh und es hiess, dann dürfte ich wieder Sport machen. Schlappe Muskeln habe ich sowieso. Tja, ich werde mich wohl noch etwas gedulden müssen. Denn beim Laufen merkte ich – oh hallo Lunge – da steht mir noch nicht das ganze Volumen zur Verfügung. Da kommt wieder der Hustenreiz. 🤷‍♀️

Aber da habe ich ja nun Übung, im Geduld haben und vorsichtig aufbauen. Immerhin, ich war LAUFEN!! 💪🏻💪🏻

Gnarrfff 🤥

Ich muss sagen: Das ist irritierend! 🙄

Meinen Osteopathen hatte ich beim letzten Termin schon vorgewarnt: Falls ich stinke, entschuldige ich mich. Ich riech nämlich nichts mehr.

Nun heute war ich in netter Runde zum Nachmittagskaffee in der Sonne, als sich die Riechfunktion unerfreulicherweise spontan zurück meldete: Ich stank! Penetranter Zwiebelschweissgeruch umnebelte mich. Wie unangenehm…. So sass ich etwas verklemmt da, fuhr nur noch meinen Unterarm aus, um mein Getränk zu angeln. Oberarme möglichst enganliegend am Körper, um die Ausdünstungen zu minimieren.

Zu Hause Kleiderwechsel und Waschen. Da meine Oberbekleidung keineswegs auffällig roch, ging ich davon aus, dass mein Riechorgan erneut ins Covidkoma gefallen war.

Später sass ich wieder in einer illustren Runde. Und da: Penetranter Zwiebelschweissgeruch! Ich schnupperte diskret an meiner Achsel: Nix! Dann befragte ich einen vertrauenswürdigen Freund: Er rieche nichts. Der Geruch kam und ging – allerdings nur für mich wahrnehmbar.

Ein Schweissgeruchsphantom?

Ich habe Post-Covid-Phantosmien!! 😱😱😱

Zwischenstand Zweitmeinung

Ich merke gerade, dass ich den Beitrag von vor zwei Monaten nie veröffentlicht habe. Deshalb kopiere ich den Text von vor zwei Monaten mal ungesehen hier rein:

Ich habe ja das Tamoxifen wieder abgesetzt. Nächste Woche hole ich mir eine Zweitmeinung ein.
Mit Medikament fühle ich mich wie ein depressiver Zombie, der so einen bleiernen Röntgenmantel trägt, der mit Watte gefüttert ist. So auch Watte im Kopf und Sand zwischen den Gelenken.
Sonst habe ich nichts geändert, nur abgesetzt. Und nun?

  • klar im Kopf
  • Probleme sind sortierbar
  • es gibt Zukunft
  • ich bin schlafe prima
  • ich bin hungrig
  • keine Dauerschleife mehr im Kopf warumbinichnichttotwarumbinichnichtschontotwarumbinichnichttot
  • muss nicht 10mal pro Nacht aufs Klo
  • mein Körper fühlt sich normal an
  • Knochen und Gelenke nicht mehr steif und schwer
  • kann mich konzentrieren
  • keine Lust auf Alkohol
  • nicht so dünnhäutig
  • viel mehr Energie!
  • Lymphödem besser
  • nicht dauersediert
  • mein Körper ist wieder mein

Ich bin wieder ich. Man sieht mir den Unterschied sogar an. Und nun?🤷‍♀️

Ich begann dann nach unglaublich tollen 3 Wochen wieder mit 5mg, eine Minidosis. Und erst gings auch gut. Bis dann schleichend alles wieder kam. Bis auf steife Gelenke und Lymphödem bin ich echt wieder soweit. Die Zukunft ist zwar nicht ganz weg, aber eher so: Wozu? Wozu schlafen? Wozu Essen? Wozu Aufstehen?Wozu zur Nachsorge gehen?

Kurz: Ich und Tamoxifen – wir werden keine Freunde!!! Und der Wert im Blut ist bei 5mg offenbar zu tief. Postmenopausal bin ich noch nicht, aber die Blutanalyse könnte verfälscht sein, durch das Tamoxifen.

Neuer Plan: Absetzen. Nach zwei Wochen Hormonstatus und Mood checken. Nach vier Wochen Mood checken und falls ich „stabil“ sei, Versuch mit Aromatasehemmer. (Wer weiss, vielleicht liegen meine vermeintlichen Nebenwirkungen auch an der Wasserader unter meinem Bett, die durch den Starkregen anschwoll und die Richtung geändert hat…. 😏🙄🙄🙄🙄) Dieses auf und ab ist anstrengend – und frustrierend!!!

Wetten, es geht mir morgen schon besser? 💩

1 Jahr NED!!! 🥳🥳🥳

Gestern Jahreskontrolle, das erste MRI nach Beendigung der Chemo. Da ich am Dienstag einen unglaublich strengen Tag hatte und eine miserable Nacht auf Mittwoch, trieb ich gestern mehr so in einem trüben Fatigue-Nebel vor mich hin.

Die Nacht war eine Katastrophe, voller skurriler Träume, bei denen ich im Schlaf gedacht habe: Was soll der Scheiss? Wann ist die Nacht endlich vorbei und läutet der Wecker?

Seltsamerweise konnte ich mich nicht mal im Wartezimmer geistig auf das MRI und mögliche Flashbacks vorbereiten. Nach der Anmeldung kriegte ich eine metallfreie Maske und durfte mir schon das blaue Spitalkaratekleidchen anziehen.

Blaues Karate-Kostüm mit Socken

Zugang gelegt, mich auf der Liege platziert und Radio gehört. Aufgestanden, fast umgekippt, mich hingesetzt. Zugang ziehen und mit einem Abdruck von der MRI-Liege auf der Stirn Nervennahrung gekauft.

Nervennahrung

Den Rest des Tages verbrachte ich praktisch unter der Bettdecke.

Heute sah ich den verpassten Anruf meiner Ärztin. Vor einem Jahr musste ich ganze zehn Tage warten!! Als ich zurück rief, teilte mir die medizinische Praxisassistentin mit: Alles gut! Kein Herd in Sicht!

Ich bin ihr quasi durchs Telefon um den Hals gefallen! Dann hab ich mir selbst gratuliert:

Gratulationsküchlein

Und mir die richtige, exorbitant teure Torte, auf die ich schon ein Jahr hoffe, auch gleich bestellt!

Und dann wusste ich nicht, ob ich heulen oder lachen soll. Oder beides zusammen.

Arbeitsintegration V

Zuerst das PS: Ich bin wieder aus der Iso raus. Leider ist nix mit
auf der Strasse tanzen, da Regen. Aber wirklich gut Luft zu kriegen, ist schon toll! 🥳🥳

Und nach dieser guten Nachricht: Arbeitsintegration Teil V.

Ich schlief wieder.
Leider fing mein Case Management an mich schon am ersten Tag meiner Krankschreibung darauf zu drängen, die Integration an einem neuen Arbeitsplatz möglichst schnell wieder aufzunehmen, weil sonst vielleicht die Sozialversicherung aussteige. Ich solle ja nicht zu lange krank sein. Ich bat sie um wenigstens eine Woche Ruhe und Schlaf. Sie hielt sich nicht dran. Irgendwann bat ich sie, sich doch zu erkundigen, wie lange ich krank sein darf, wie denn das gesetzlich geregelt ist. Ich meine, Sie kennt sich da aus, ich bin zum ersten Mal in der Arbeitsintegration. Dreissig Tage. Aber der Druck hörte nicht auf, bis ich um einen runden Tisch mit allen Beteiligten (Case Management, Sozialversicherung, Arzt und mir) bat. Ich konnte nicht glauben, dass die Sozialversicherung den Integrationsprozess abbrechen will, das würde ja dann auf Teil-Berentung hinauslaufen…
Parallel dazu hiess es von meinem (noch) Arbeitgeber, dass das Vertrauensverhältnis nun gestört sei, da ich die Integration abgebrochen habe. Ich solle in die Vertragsauflösung auf Ende April einwilligen. Dann lief ja rein zufälligerweise auch meine Integrationsmassnahme aus.
Leider schirmte mich mein Case Management von gar nichts ab, sondern leitete den Druck ungefiltert weiter. Hörte weder auf meine Bitten, noch auf die meines Arztes. Bei jedem Telefonat drängte sie mich, der Vertragsauflösung zu zustimmen. Vielleich gehe sonst mein Chef zur Sozialversicherung, stelle mich als nicht kooperativ dar… Dann werde die Massnahme eventuell abgebrochen… Ausserdem sei ich ja abgesichert durch diverse Versicherungen, selbst wenn ich dann Ende April arbeitslos sei und keine Integrationsmassnahme mehr habe.
Und wie sollte ich mir eine Stelle suchen, ohne zu wissen, was ich arbeiten kann? Und würde man einem alleinerziehenden Vater von zwei Kindern, der nach einer Krebserkrankung wieder auf die Beine kommen will, das gleiche raten?
Wohl kaum…

Als ich nicht auf die Kündingungswünsche einstieg, wurde mir ausgerichtet, ich müsse meinen Laptop, meinen Schlüssel abgeben. Und meine Zugänge und Mailkonti würden gesperrt.
Merke: Ich war immer noch angestellt. Aber da ich mir sowas schon gedacht hatte, waren meine Daten bereits gesichert.
Ich liess mich rechtlich Beraten und man riet mir dringend davon ab, zu kündigen und wies mich darauf hin, dass ein Arbeitgeber nur nach schriftlicher Ankündigung mit Fristsetzung und Absprache, wie kommuniziert wird, meine Zugänge und Mailkonten sperren dürfe. Der Arbeitgeber habe ja eine Sorgfaltspflicht seinen Mitarbeitern gegenüber und das Sperren von Mailkonten könne zu übler Nachrede führen. Also reagierte ich nicht darauf. Ich ging davon aus, Chef kennt wohl das Gesetz und will nur Druck machen. Und eben, die Daten hatte ich gesichert.
Der runde Tisch mit der Sozialversicherung ergab, dass die Integration natürlich nicht ad Infinitum laufen könne, aber in meinem Fall… ich hätte da wohl früher weg sollen.

In den Winterferien holte ich mein Material in der Schule ab. Eigentlich fuhr ich heulend hin, packte heulend alles ein. Fuhr heulend heim. Vor bald zwei Jahren war ich dort eine geschätzte Mitarbeiterin, (vermeintlich) gesund und in einer Partnerschaft. Nun nix mehr und das hatte ich sowas von klar vor Augen… Und sonst noch nichts. Keinen Integrationsplatz, keine Ahnung was ich eigentlich noch konnte. Wer weiss, vielleicht hatte Chef recht? Ich war unbrauchbar geworden.

Leider schien mein Arbeitgeber nicht zu wissen, dass er mich nicht einfach digital entsorgen kann. Plötzlich kam ich nicht mehr in mein Mailprogramm oder auf die Plattformen der Schule. Ohne schriftliche Vorankündigung oder Terminierung.
Überhaupt liess die Kommunikation sehr zu wünschen übrig.
Seit meiner Krankschreibung Mitte Januar wusste mein Chef, dass die Integration abgebrochen ist. Kommuniziert wurde im unmittelbaren Team, dass ich im Spital gewesen sei und nun wieder krank geschrieben.
Na, was dachten die wohl?
Andere fragten nach Wochen nach, sie hätten mich schon lange nicht mehr gesehen, ob es mir gut gehe?
Auf Nachfragen meiner Kollegen antwortete der Chef offenbar: Ich darf aus rechtlichen Gründen nichts sagen.
Vermutlich die gleichen rechtlichen Gründe, die noch geregelt werden müssten, damit Stellvertreter2 bleiben könne.
Ich dachte mir schon, kommuniziert wird, sobald ich in die Vertragsauflösung einstimme: Sie wollte nicht mehr hier arbeiten. Das würde es für den Chef viel einfacher machen.
Andere sahen inzwischen, dass ich in der Planung des neuen Schuljahres nicht auftauchte.
Jemand rief mich an: Was ist eigentlich los? Du wirst weggeschwiegen…

Zwei Monate nach meiner Krankschreibung – mitte März – ging eine Info ans Team raus – weil ein Kollege dem Chef die Pistole auf die Brust hielt. Ich käme nicht mehr bis Somner.

Zurück zu Februar: Nach den Winterferien hatte ich das erste Gespräch mit allen Involvierten an einer neuen Schule. Der Chef2 dort schaute mir in die Augen, beide Lehrer – in deren Klassen ich meine Integration fortsetzen sollte – waren anwesend und es wurde direkt wieder ein Gesprächstermin drei Wochen später vereinbart.

So geht das.

Corona-Update

Heute ist der erste Tag, an dem ich mir nicht meine Lunge raushuste.
Wer auch immer behauptet, Corona sei ja nur eine Erkältung, dem werfe ich gerne einen meiner Doc Martens Richtung Hohlkopf.
Gut, begonnen hatte es genau so. Und darum habe ich auch ein paar Freunden Quarantäne beschert. Weil ich (Depp) nach dem Tag Gartenbankabschleifen in der Bise wirklich nur mit einem Schnupfen gerechnet habe. Ausserdem sind ja gerade Frühlingsferien. Und auf einer Party war ich auch nicht. Ich habe also nicht die geringste Ahnung, woher nun das Virus kam.
Erst tropfte die Nase, etwas frieren, etwas Husten, druckempfindliche Haut. Nach drei Tagen klang alles ab. Dann kam der Reizhusten. So ein oberflächlicher, giftiger. Gleichzeitig war ich plötzlich kurzatmig und unglaublich schlapp. Da machte ich erst einen Selbsttest – der positiv ausfiel. Dann den PCR-Test.

Abends kam die Bestätigung. Das war an Tag sechs der ersten Symptome. Ich war vorwiegend schlapp. Der Kaffee schmeckte noch. Der Schnupfen war vorbei und ich hüstelte etwas rum. Es war mir dauerübel. Aber ich dachte, easy, dann liege ich etwas auf dem Balkon in der Sonne, lese und sitze so meine Isolation ab.
Donnerstag hustete ich schon mehr, erkundigte mich mal nach der Maximaldosis meines Asthmasprays. Ich stellte fest, dass wenn ich nur still rumliege, ich auch nicht versuchen muss, zu Luft zu kommen und somit weniger husten.

Wer schon einmal einen Asthmatest gemacht hat, weiss in etwa, wie das ist, wenn man gefühlt noch einen Drittel der Lunge zur Verfügung hat. Freitag war es noch ein bisschen schlimmer und Abends sass ich nach Luft schnappend auf dem Sofa, bis mein Kleiner mir vorhielt, ich solle jetzt endlich den Arzt anrufen.
Ich rief erst die Krankenkasse an, krächzte nach Luft schnappend meine Symptome in den Apparat. Dann den Notfall.

Nach der Testung bekam ich Unterlagen, die mir erklärten, wie ich mich in der Isolation zu verhalten  hätte. Haha. Isoliert euch mal, wenn ihr Kinder habt, die mit euch in Quarantäne sind. Und leider stand dort auch nirgends, was denn zu tun sei, wenn man mal notfallmässig seine Sauerstoffsättigung prüfen sollte und alleinerziehend mit zwei Kindern ist. Wen auch immer ich fragte, den setzte ich einem Risiko aus. 
Und zu Fuss schaffte ich den zehnminütigen Weg auch nicht mehr, ich brachte ja kaum einen Satz mehr raus. 
Also Kinder zu Papa. Eine (bereits geimpfte) Freundin fuhr mich in ihrem Riesenauto bei offenen Fenstern und ich hustete in meine FFP-Maske.

Vor dem Notfall erscheint eine Pflegekraft mit Fiebermesser und fragt, ob ich Fieber hätte, ich sage, nein Corona. Da hüpft sie zurück und erscheint mit dem Sauerstoffsättigungsmessgerät: „Na gut hat das so ein langes Kabel!“
Tatsächlich, die anderthalb Meter kann sie so locker einhalten.

Dann komme ich in den Corona-Verschlag, den sie vor dem Notfall gebaut haben. Blutabnahme. Untersuchung. Abhören.
Und dann Entwarnung. Meine Lunge knistere, wie eine typische Covid-Lunge.
Eine Verschlechterung am 7. Tag sei auch häufig. Ich müsse nicht bleiben, ausser ich hätte Bedenken.
Ich wurde mit Medikamenten ausgestattet, Tipps, der Auflage, sofort anzurufen, bzw. vorbei zu kommen, wenn die Atemnot sich zuspitze oder ich keine Flüssigkeit mehr zu mir nehmen könne (War mein Blut dickflüssig? Haben sie gemerkt, dass ich nicht nur kaum gegessen, sondern auch kaum getrunken habe…?).
Meine Freundin holte mich wieder ab. Sichtlich erleichtert: „In den letzten zwei Jahren habe ich dich noch nie so gesehen. Du sahst noch nie so Scheisse aus! Dafür riskiere ich hundertmal Quarantäne, um dich in den Notfall zu fahren!“
Das muss ja was heissen, in Anbetracht von Chemo, OP, Bestrahlung und Co in diesem Zeitraum.

Es schnappt sich echt leichter nach Luft, wenn man weiss, dass man nicht gleich am Ersticken ist.

Am nächsten Tag ging es unverändert – immerhin nicht schlechter. Dann minim besser.
Meine Ex-Schwiegermutter brachte mir Essen vorbei und ich hatte so einen Hustenanfall, die Arme, war richtig geschockt. 
Gestern rief mich das Contact Tracing an, um sich zu erkundigen, ob ich zwei Tage symptomfrei sei, damit die Isolation aufgehoben werden könne. Ich hustete der guten Frau so in den Apparat, dass sie nur meinte: Ah, Frau Tinkakartinka? Sie haben offenbar noch Symptome. Dann verlängern wir mal um zwei Tag. Waren Sie beim Arzt? haben sie Medikamente gekriegt? Das sollten sie beobachten…“

Meine beiden Jungs haben sich seltsamerweise nicht angesteckt, das ist mir ein Rätsel. So wie ich meine Aerosole hier in der Luft verteilt habe, eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Ausser, sie sind immun. Waren symptomfrei erkrankt. Wer weiss.

Und heute nun, endlich krieg ich wieder Luft! Plötzlich geht es mir massiv besser.
Bis auf meine Schlappheit. 

Erkältung? My ass!