Heute war die Sonne wieder warm.
Das Wasser frisch und kühl.
Die Wolken hatten Gesichter und
es duftete nach Herbst.
Und was heisst das jetzt? Für meine Gesundheit?
Heute war die Sonne wieder warm.
Das Wasser frisch und kühl.
Die Wolken hatten Gesichter und
es duftete nach Herbst.
Und was heisst das jetzt? Für meine Gesundheit?





Es ging mir nicht so rosig die letzten Wochen, aber als ich wieder schlafen konnte, gings stetig besser. Tag für Tag.
Dann kam dieses Medikament.
Mann!
Ich hoffe es ist davon, was für ein rasanter Höllenritt abwärts.
Ich hatte ja schon mal eine Depression.
Aber… so schnell, so stark. Das kenne ich nicht.
Das macht mir Angst.
Erst habe ich heute abgemacht, um nicht alleine zu sein. Ich kenne mich nicht mehr. Vielleicht sollte ich nicht alleine sein, denn meine Kids sind bei Papa. Doch ich schaffe es nicht unter Leute. Es geht nicht.
Und nun habe ich einen Schwips. Ich weiss, Alkohol und Brustkrebs, keine gute Kombination.
Aber, erstens hilft das Serotonin und zweitens weiss ich, es kann mir noch so schlecht gehen, ich würde nie unter Alkohol Auto fahren.
Also ist das ein guter Plan. Weil rumfahren mache ich manchmal, zur Ablenkung.
Aber wenn ich im Moment bei jeder Kurve denke, fahr doch gerade aus…
Ich versuche jetzt, was zu essen.
Das schaffe ich, diese Nacht.
Ein weiterer Tag.
Aber morgen MUSS es besser sein!
Wenn das die einzige Option ist, die Chance zu erhöhen, dass der Krebs in den nächsten 5 Jahren nicht zurückkommt…
Ich erschiesse mich lieber.
Ich steh auf am Morgen, wunderbares Wetter. Freue mich auf das Wochenende, die Sonne, vielleicht mach ich doch noch Pläne.
Ich frühstücke genug, weil gestern hatte ich am Mittag keinen Hunger und Abends konnte ich mich für nichts entscheiden. Ich bin gespannt, was meine neue Stellvertretung heute macht. Es ist viel besser geworden mit ihr in der Schule!
Dann nehme ich die Pille des Todes.
In den darauf folgenden dreissig Minuten kurbelt wer das Rollo runter. In meinem Kopf.
Die Sonne scheint immer noch, der Himmel ist blau, aber das Licht kommt wie durch eine schmutzige Fensterscheibe nicht mehr zu mir durch.
Ich fahre los, bleierne Müdigkeit drückt auf meine Lider. Ich versuche mich zu konzentrieren, Autofahren ist extrem anstrengend, ich gähne. Gestern hatte ich frei und habe am Morgen 1,5h gedöst.
Ich bin so müde, vielleicht liege ich auch das ganze WE im Bett, wie letztes.
Nach der Arbeit fahre ich heim. Und heule. Ich bin so erschöpft. Menschlicher Abfall, denke ich. Was geht mich das Leben an, was die Sonne, der Herbst. Ich bin in einer grauen Wolke abgetrennt von allem.
Wenn ich jetzt den Lenker rumreisse, passiert dann überhaupt was? Fühle ich noch was? Oder bin ich schon nicht mehr da. Ich fühle nicht, dass ich noch da bin.
Nicht, dass ich sterben wollte, dazu müsste es sich erst nach Leben anfühlen. Und Schmerzen fühlen sich nach Leben an, nicht? So ein Spitalbett und keine Entscheidungen treffen müssen. Wenn ich mich nicht vor dem Frühstück anziehe, dann kann ich mich nicht mal mehr für ein T-Shirt entscheiden.
Ich zwinge mich in ein Kaffee zu gehen. Das fühlt sich gut an. Auch das Schwimmen. Bis die Wolke sich wieder senkt. Als würde ich das Glück berühren und es zerrinnt mir zwischen den Fingern wie Sand.
Ich sehe Bekannte in der Stadt und verstecke mich. Möchte niemanden sehen, geht mich alles nichts an. Ich schäme mich für mich. Ihr habt das Licht, ich nur die Wolke.
Ich lese. Und lese den Satz nochmals. Nochmals. Dann leg ich das Buch weg und starre an die Zimmerdecke. Bücher wurden für andere geschrieben. Nicht für mich.
Und wo sind die Farben hin? Ich mache Fotos, damit ich sie sehe. Ich sehe den blauen Himmel, die leuchtenden Blätter, aber ich fühle sie nicht. Ich decodiere ein Stilleben namens Welt.

Sind die Kinder da, dann koche ich und würge was runter. Manchmal verstecke ich mich, um zu weinen. Aus Verzweiflung, weil ich nichts mehr will und dafür habe ich nicht gekämpft. Weil ich mein eigener Ballast bin.
Wenn ich abends ins Bett gehe, dann denke ich: Ein Tag weniger!
Am Morgen wunderschönes Morgenrot. Ich bin hungrig, hatte gestern nur Salat, freue mich auf den Kaffee und am schönen Wetter. Vielleicht wird heute ja besser! Bestimmt! Jetzt fühle ich mich ja gut.
Etwas kraftlos, aber zuversichtlich.
Dann nehme ich die Pille des Todes und die Jalousie wird runtergekurbelt, meine Lider werden schwer und ich unendlich müde. So wahnsinnig müde, dass ich nicht weiss, warum ich mir überhaupt Frühstück gemacht habe und für wen die Sonne da draussen am Himmel… Und würde ich Schmerzen spüren, wenn ich jetzt da vorne in die Leitplanke…?
Morgen wird vielleicht doch besser. Heute im Lehrerzimmer las ich die Mail aus dem Spital:
Tamoxifen sofort absetzen!
Ich blinzle meine Tränen weg und warte, bis ich genug Energie für den Heimweg habe.
Also noch heute rumkriegen und auf der Strasse bleiben.
Und Morgen, vielleicht übermorgen.
Wieder mal überleben versuchen und
zurück auf Feld eins im Sterbebingo.
tbc
Zweimal schwimmen. Mittags und Abends.
Dazwischen Spitaltermine.

Und die Einzige weit und breit…

Sedierter Hamster im Rad.
Riesenrad.
Mit Höhenangst.
Und dem Impuls sich runter zu stürzen.
Onkologin einen Gesichtsausdruck verpasst, als würde ihr ein Messer in den Bauch gestossen und umgedreht:
„Darf ich sie was fragen? Nur mal so generell, damit ich weiss, ob das so eine naive Vorstellung von mir ist….
Also, gibt es das tatsächlich, dass Partner wirklich zu einem halten… unterstützen, auch wenns mal nicht lustig ist. Und auch wenn sie zurück stecken müssen? Partner oder Familie, halt nahe Angehörige, so Leute, die sagen, dass sie einen lieben.
Oder denke nur ich so? Dass das ja eigentlich dazu gehört?
Also muss ja nicht unbedingt Krebs sein, halt einfach sonst, Krankheit oder Krisen, Durststrecken… Nicht Lustiges halt.
Gibt es das wirklich oder ist das so eine Hollywood-Erfindung?
Weil, also mein Ex-Mann oder -Freund, waren ja nicht so. Und als Kind, nun, meine Eltern… äh, ich wollte das mal fragen, weil ich kenne das nicht. Hatte das halt noch nie.“
Es ist absurd.
Es ist absurd von einer Fachperson vorgeschlagen zu bekommen, das eigene Kind bei Schulproblemen doch selbst zu unterrichten, obwohl ich grad im Arbeitsversuch von 2h/Tg stecke.
Es ist absurd sich dann für seine Erschöpfung rechtfertigen zu müssen, da man ja ein Medikament nehme, dass doch auch gegen Fatigue helfe, ja warum ich denn nicht fit sei.
Es ist absurd, wenn in einem Team diskutiert wird, wie meine Stellvertretung, die für mich eingestellt wurde, damit ich einen sanften Arbeitseinstieg habe, entlastet werden kann und wie ich sie entlasten kann, wenn ich noch krankgeschrieben bin und im Arbeitsversuch.
Es ist absurd, so einen Elternabend zu leiten, nachdem die Stellvertretung 6h zuvor die Schule verlassen hat und der Ersatz noch nicht offiziell: also ich bin im Moment nicht die Lehrerin, aber in Zukunft schon wieder, meine Stellvertretung ist ja heute überraschend gegangen, der zukünftige Stellvertreter, also der kommt dann am Montag und ich erzähle jetzt, wie ich unterrichten würde, was ich ja jetzt noch nicht mache, was ich aber in Zukunft auch wieder werde…
Es ist absurd, Aufgaben zu übernehmen, die laut Arbeitsintegration noch nicht meine sind. Die aber nicht gemacht werden sonst und deren Folgen dann so oder so auf mein Energiekonto gehen. Früher oder später.
Es ist absurd, wie schwer das Einfädeln in den Alltag nach akuter Krebstherapie ist.
Leckt mich doch alle!
Es ist absurd.
Heute im Wartezimmer war eine Mutter mit Kinderwagen und einem etwa zweijährigem Mädchen. Beide dunkelhäutig, farbige Kleider, die Mutter mit Kopftuch, das Mädchen mit Zöpfen.
Ich wollte raus und das Mädchen schaut mich mit grossen Kulleraugen an, zum Skateboard, zu mir, zum Skateboard.
Dann kommt sie, dreht an den Rollen und als ich raus gehen will kommt sie mit.
Ich gehe zurück, sie kommt zurück.
Da lege ich ihr das 🛹 auf den Boden. Sie stürmt darauf zu.
Ich muss sie halten und platzieren, dann schiebe ich sie ein wenig rum.
Sie strahlt!
Ich stelle sie wieder runter. Winke und gehe.
Sie kommt mit.
Draussen fängt sie die Mutter ein.
Lautes Geschrei. Ich fahre davon.
So sorry.
Hoffentlich hast du mal dein Eigenes.
Erinnerte mich daran.

Sie hat den Krebs besiegt! –
Leider starb sie ein Jahr später an einem Schlaganfall.
Ha. Ha. Ha.
Ich zitiere aus der Packungsbeilage. Nebenwirkungen:
Schlaganfall (häufig): plötzliches Auftreten von Schwäche oder Lähmungen in den Armen oder Beinen, plötzliche Schwierigkeiten beim Sprechen, Laufen, Denken oder Schwierigkeiten etwas in der Hand zu halten, können Zeichen einer reduzierten Blutversorgung im Gehirn sein. Diese Symptome können Zeichen eines Schlaganfalles sein. In diesem Fall soll sofort ein Arzt bzw. eine Ärztin aufgesucht werden.
😳🙈