Post von früher
Heute habe ich einen Brief gekriegt. Vom 28. November 2019.
Geschrieben nach der ersten Bestrahlung. Von mir.

Es ist berührend diesen Brief zu lesen. Meine Angst davor, dass ich das – was ich während dieser Krankheit gelernt und entdeckt habe, wieder vergessen zu haben und vom Alltag aufgefressen worden zu sein.
Und vor allem meine Klarheit über die damalige Situation: Arbeit, Krankheit, Beziehung.
Ich gebe mir darin Tipps und Anweisungen und habe sie tatsächlich inzwischen verinnerlicht und nicht vergessen.
Vielleicht schreibe ich noch mal mehr dazu.
Ein wichtiger Satz aus dem Brief verrate ich: Du musst das Leben nicht neu erfinden.
Danke, Tinkakartinka.
Du hast so viel geschafft in diesen anderthalb Jahren!
🌻
Falsch abgebogen
Heute mal einfach nicht nach Hause nach der Arbeit. Sondern Sonne suchen gegangen.
Haushalt kann warten! 😎











Drei Stunden
Drei Stunden Konzentration habe ich pro Tag etwa zur Verfügung. Bei genügend Schlaf. Drei Stunden sind verdammt wenig.
Am Montag habe ich meine ersten drei Lektionen in Eigenverantwortung unterrichtet. Alles lief prima! Mir machte es Spass, klappte alles und sonst adaptierte ich. Damit war dann aber mit Vor- und Nachbereitungszeit mein Soll aufgebraucht. Und auch meine Energie.
Den Nachmittag verbrachte ich auf dem Sofa. Unfähig ein Buch zu lesen, raus zu gehen, nicht mal Netflix ging. Ich wartete eigentlich bloss, mit Tinitus im Ohr – oh hello again – das der Tag zu Ende ging.
Echt jetzt?
Fuck!
Arbeite ich morgends für mich, Büro, Rechnungen, meine Arbeit schreiben, döse ich am Nachmittag in der Sitzung so vor mich hin. Bis ich mich über die Nicht-Sitzungsleitung aufrege, Initiative ergreife, weil sonst nix geht. Und nach der Sitzung schauen mich alle bedauernd an: Siehst zerstört aus. Geh nach Hause!
Ja. Ich hab auch mein Konto überzogen. Fiiiiiiiiiiiiiiiiiep.
So siehts aus.
Ich bin mit drei 3h-Arbeit pro Tag ein Burnout-Kandidat. 😢
Rampensau im Tumorkostüm
Ich glaube, ich darf nicht spoilern, sonst würde ich ja mein tolles Tumor-Kostüm hier zeigen… inkl. Tumor-Handtasche.
Dazu meine Docs. Hach! 🥰
Die Theater sind hier noch offen. Aber da unklar ist, wie die Corona-Situation Anfang Dezember ist, musste ich heute mit einer Mitspielerin das ganze Theaterstück in einer Filmversion spielen.
Das hiess: Kreuzchen am Boden, wenig Bewegung, grosse Gesten und die Texte der anderen Mitspieler wurden vorgelesen… 🤯🤯
Ich hatte den ganzen Tag Stresskopfschmerzen. Meine Texte sitzen, auch der Onko-Monolog.
Aber die Anschlüsse, die Lieder…
Aber es ging gut. Und mit Clown-Nase seh ich sogar richtig süss aus.
Voll das Clown-Gesicht, fand auch der Kameramann… 😂😂😂
Ich bin schon eine kleine Rampensau und stehe gerne auf der Bühne. Ich hoffe, wir können vor Publikum (dann leider mit Maske) spielen. Naja. Hauptsache das Stück kommt raus. Die Premiere wäre ja im Mai geplant gewesen – dann kam der Lockdown.
Das Theater ist wichtig!
Weil das Stück alles enthält, was das Leben ausmacht: Hoffen, zweifeln, lachen, freuen, planen, verzweifeln, fluchen, lieben, sterben.
Aber jetzt erst mal schlafen.
Gute Nacht! ✨
Zuviel Tod
War das heute. Die steigenden Corona-Zahlen. Immer mehr Erkrankte im Umfeld.
Mein Termin, um die Patientenverfügung auszuarbeiten.
Und dann noch die Sirenen, die wir heute morgen gehört haben.
Ein Vater und seine drei Kinder tot aufgefunden.
Ich kannte sie nicht, aber mein Grosser und mein Kleiner kannten eines der Kinder.
Nun steht eine Kerze für ihn auf dem Fensterbrett: „Das sieht er bestimmt!“
Zuviel Tod heute.

Alle 3 Monate
Mache ich mir vor, dass mir die Kontrollen nichts ausmachen.
Jeder der meint, nach der Akutbehandlung sei alles vorbei – dream on!
Ich mache mir keine Sorgen, bin nicht nervös.
Einzig nachher.
Auch wenn – wie diese Woche – alles gut ist, wäre es schön, wenn die Erleichterung über mich herein bricht, wenn mich jemand in den Arm nehmen würde, der mitgefiebert hat.
🌻
Virusumzingelt
Es kommt näher, das Virus.
Nun kenne ich schon vier, die wegen Kontakt in Quarantäne sind und zwei, die positiv getestet sind. Bei uns im Dorf ist eine Hortgruppe zu und eine Kindergartengruppe.
Am Samstag in der Stadt erinnerte mich der Abend stark an Moskau anno 1997. Damals war Moskau noch nicht so bunt. Es gab ein Ruskkij Bistro und kein Mc Donalds. Und der einzige neue, coole, westliche Club, denn ich kennenlernte war, das Hungry Duck. Also packte man sich warm ein und sass mit was zu trinken in den Innenhöfen, in den Parks.
Auch Samstagnacht sah ich viele Jugendliche, die sich draussen versammelt hatten, in Grüppchen zusammen stehen. Noch sind die Bars offen. Aber wahrscheinlich beschliesst der Bundesrat morgen, dass alles zu geht.
Alles was Spass macht. Was ablenkt.
Die Schule bleibt höchstwahrscheinlich offen. Vielleicht neu auch mit Masken für die Schüler, die ich schon ohne kaum verstehe.
Gestern wettete ich mit meinem Kleinen, welche Schulklasse wohl zuerst zu geht. Seine, die des Grossen oder meine.
Well….