Zutaten für ein perfektes Wochenende

  • Picknick im Park ✅
  • Bekannte treffen, den Gang der Welt besprechen ✅
  • Skaten bis der Zeh ohne Nagel schmerzt ✅
  • Mit dem sixties Kleid ins sixties Kaffee zum Cappuccino ✅
  • Eine Nacht unter den Sternen ✅
  • Pfannkuchen mit frischen Erdbeeren zum Frühstück, dazu ein Film (indem zwei Sechsjährige darüber diskutieren, wer der richtige Gott ist, ob Jesus sein Sohn oder ein Prophet und in der nächsten Szene Pimmelgrössen verglichen werden) ✅
  • Lesen in der Sonne / im Bett ✅
  • Schreiben ✅
  • Allein im Kino (wir waren zu dritt (!!) im Saal) ✅
  • Zusammen im Kino ✅
  • Nackt Schwimmen im Fluss und Sonnenbaden hinterm Schilf ✅
  • Viele gute Gespräche ✅
  • Lachs mit Ratatouille und Kräutern aus dem Garten ✅
  • Meine kurzen Haare vom Sommersturm zerzausen lassen und dem Regen entgegen lachen ✅
  • Zur Sperrstunde aus der Bar geworfen werden (war auch Corona-bedingt bereits um 0:00 Uhr und Schrei-Gespräche sind auch anstrengend – das so wenige Leute so lärmen können!) ✅
  • Regenspaziergang ✅
  • Kaffeetrinken und lästern ✅

Leben! Check! ✅

 

Ich bin nicht kontrollkompatibel 🛹

Chemo-Corona-Date 2:

Ich fahre auf dem Skateboard am Zivi vorbei im den Spitalpark und rufe:
Kein Husten! Kein Fieber! Kein Besuch! Ich habe einen Termin.
Etwas spät war ich dran. Leider hatte die Onkologie den Patientenzettel noch nicht der Türsteherin ausgehändigt, so dass ich dann vor der Frauenklinik zehn Minuten in der Kälte rumstehen musste. 🤷‍♀️

Chemo-Corona-Date 3:

Die Parkwache wurde abgeschafft.
Da es gestern wieder kalt und frühmorgens war, bin ich direkt zehn Minuten zu spät vor der Frauenklinik vorgefahren. Der Türsteher war informiert, ich durfte passieren. 🙋‍♀️

🦀Bilderbuch

Hab ja sonst nicht viel zu tun, ausser die Scherben wegzuräumen, von allem was zerbrochen ist und wegzubrechen scheint und warten.
Ob und wann und wie ich wieder arbeiten darf, ob und wann und wie es mit diesem Ausnahmezustand weitergeht.
Also habe ich mir ein Buch mit meinen 🦀Bildern gemacht.

So zum Jubiläum quasi. Heute ist Freitag in der zweiten Schulwoche nach den Frühlingsferien. Letztes Jahr war das der Zeitpunkt der ersten Chemo. Auch wenn es vom Datum her noch ein paar Tage geht bis zum exakten Jahrestag.
Deshalb nur ein Quasi-Jubiläum.

Vielleicht sollte ich mir heute einen Campari Soda gönnen. 🤔 (Schön in der gleichen Farbe wie die Infusion)

Chemo in Zeiten von Corona

Vor dem Eingang aufs Spitalgelände werde ich angehalten von einem Mann in Leuchtstreifenkleidung mit Schutzmaske. Ob ich im Spital arbeiten würde?
Danke für die Frage, liegt wohl am Skateboard. Nein, ich habe einen Termin.
Ob ich den Fieber oder Husten hätte?
Nein, sonst würde ich nicht kommen.
Er lässt mich passieren, vorbei am neu aufgestellten Zeltbüro neben der Autoschranke. Alle auf dem Gelände tragen Masken.
Vor der Frauenklinik eine Frau mit Leuchtstreifenkleidung und Maske, stellt sich mir in den Weg. Wir müssten uns draussen unterhalten. Ob ich zu Besuch käme. Nein, ich habe einen Termin.
Meinen Namen will sie wissen und blättert sich durch 5 Blätter, bis sie mich findet.
Dann winkt sie mich durch. Ich darf passieren.
In dieser apokalyptischen Netflix-Serie wollte ich eigentlich nicht landen. 🙈🙈

Die Chemo-Sitze sind nicht weiter auseinander als sonst. Alle tragen Schutzmasken, klar. Sonst ist alles wie immer, ausser das sich plötzlich nicht nur die Patienten sorgen.
Aber meine Blutwerte sind top, sagt mein Onkokomiker.
Und – das trage ich noch auf der Tippliste ein – ich trinke jetzt Schweppes gegen die Muskelkrämpfe.

Von der Reha zu Corona

Das war alles sehr seltsam. Ich komme heim, voller Pläne ins Leben zurück zu kommen und mit der Auflage aber ja gut auf mich zu schauen, Entlastung zu organisieren und ZACK zwei Tage später Schulen zu.

Also noch schnell Schuhe für den Kleinen kaufen, Lesestoff und Malzeugs, man weiss ja nie, wie lange die Läden… ZACK!

Erst war ich wütend, ein Jahr weg wegen Krebs, nächstes Jahr Corona. Dann relativ ruhig, als ich die Info bekam, trotz Zugehörigkeit zur Krebskohorte mit Chemo nicht (Hoch)risikopatientin zu sein. Und nun bin ich zunehmend irritiert. Ob meinen Mitmenschen. Die sich erst übers Händewaschen lustig gemacht haben und nun Toilettenpapier horten und das Haus nicht mehr verlassen, obwohl nicht zur Risikogruppe gehörend.

Wir haben hier keine Ausgangssperre. Es heisst zwar, man soll zu Hause bleiben, aber es geht ums zusammenrotten und rumhängen. Maximal fünf Leute dürfen sich treffen (Abstand 2m). Joggen und Fahrradfahren sind erlaubt. Risikogruppen und über 65Jährige sollten das Haus nicht mehr verlassen.

Ich verlasse das Haus noch. Ich gehe Essen kaufen und Fahrrad- oder Skateboardfahren mit meinen Jungs. Wir haben den Deal, jeden Tag raus zu gehen: Frühstück, 9:00 Uhr Internetlektion via Zoom, Anziehen, Schule, Mittagessen, Pause und dann zusammen raus: Wald, Fluss, Bach. Klappt sehr gut! Vielleicht weil wir schon katastrophenmodusgewöhnt sind. Mein Intermezzo mit Kaffeetrinken und mehr Bewegungsfreiheit zwischen Operation und Bestrahlung war eh kurz. Soziale Kontakte hochfahren wollte ich erst noch, nachdem ich wieder zu Kräften gekommen bin. Und Haus und Garten helfen sicher auch!!!

Habe ich Angst? Nein, mein Angstkonto ist aufgebraucht. Ich habe Respekt und respektiere die Weisungen. Ich will niemanden anstecken. Aber statistisch ist mein Risiko an meinem Krebs zu sterben höher, als wenn ich eine Siebzigjährige mit Vorerkrankung und Corona wäre.

Also pass ich auf, ohne mein Leben zu verpassen. Auch das ist wichtig!