Falsch abgebogen

Bei meinem Besuch im Spital machte ich offenbar einen so routinierten Eindruck, dass ich nach der Zertifikats-Ausweis-Kontrolle keine Wegbeschreibung bekam und zielstrebig vor den rosa Schleifchen auf dem Empfangstisch im die falsche Richtung flüchtete.

Gemerkt habe ich es an den Schildern: CT, Radiologie, Mammografie. Auf dem Absatz kehrt gemacht und den richtigen Lift noch gefunden.

Das war schräg. Sehr unvorbereitet.

Noch übler war, als ich bei meinem letzten Besuch vor ca. einem Monat aus dem Lift trat, den hellbraunen Flur sah, das grosse Fenster mit Aussicht. Und mich vor allem der Geruch – wie ein Schlag in den Magen-vier Jahre zurück versetzte.

Damals kam ich, um mich von meinem Vater zu verabschieden, der in einem Zimmer mit wunderschöner Aussicht auf die Stadt aufgebahrt lag. Er sah so friedlich und würdevoll aus, wie viele Jahre nicht mehr. Trotzdem.

Erinnerungen sind manchmal fies. Lauern hinter einer Ecke, einem Datum und konservieren sich in Gerüchen. 🤷‍♀️

Jahrestagsverjährung

Gibt es sowas? Ein Bilanzierungsstop?
Schon ja. Bestimmt.
War ja nach der Trennung von meinem Exmann auch so. Oder nach dem Tod meines Vaters.
Er wird kommen, auch nach Krebs.
Irgendwann schaltet das Hirn nicht mehr automatisch an bestimmten Daten oder Orten auf Vergangenheit und berechnet Zeit- und Gefühlsdistanzierung.

Wobei es einige Bilanzen gibt, die im schwarzen Bereich liegen. So meine Energie, die nach acht Stunden Leutetrubel noch für den gemütlichen Teil reicht, nicht mehr nur für das Sofakoma.
Und ich fühle mich im Vergleich in vielen Situationen, obwohl jetzt alleine, viel weniger einsam, als ich es in der Beziehung war. Mit einem Freund hinter spontanhochgezogenen Mauern.
Nur manchmal weht so ein Wehmutshauch. Weil Momente der innigen Verbundenheit gab es natürlich auch.
Doch der weht und vergeht.

Es ist gut so.

Stille

Das war ein guter Traum.
Die Trauer, die Erschütterung kam erst später.
Ein sanfter Traum.
Der Tod war nicht schlimm.
Nur Stille.

All dieses Um-sich-selbst-Kreisen, Egooptimierung, Bedürfnisbehauptung, dieser Kampf um Bedeutung, alles unwichtig.

Was bleibt ist Erinnerung.