Feiern!

Es gibt Leute, die feiern ihren cancervasery, den Jahrestag ihrer Krebsdiagnose.
Morgen vor einem Jahr hatte ich meine erste Chemo, am 10. Mai 2019.
Und ja, ich bin etwas melancholisch, soviel ist passiert, was ich nie wollte, nicht geplant hatte und gerne darauf verzichtet. Und dennoch fühle ich mich meilenweit von meinem ich vor einem Jahr entfernt –  und möchte nicht dahin zurück.

Also feiere ich. Ich feiere meine Kinder, die mir die ganze Zeit grossartig zur Seite gestanden haben!
Nun ja, sie können ja auch nicht weg (hehe), bin ja die Mutter.
Sie haben sich nie beklagt, wenn sie etwas nicht machen konnten. Zum Beispiel, dass wir nicht so oft ins Schwimmbad konnten oder nicht in die Ferien.
Vielleicht waren sie enttäuscht, aber das versuchten sie mir nicht zu zeigen. Kann sein, weil sie merkten, dass ich alles, was in meinen Kräften lag, tat. Ich versuchte möglichst viel zu machen, gute Momente finden, feines Essen, Erlebnisse, damit sie möglichst ihr Leben haben, wir unseres. Und ich ging manchmal weit über meine Kräfte, aber ich fand, das lohnte sich. Für seine Liebsten geht man halt auch mal über die eigenen Grenzen.

Also feiern wir. Gestern mit Hamburgern vom Feuer und einer Nacht unterm Sternenhimmel (bis es zu Regnen begann…). Heute mit Sushi und Ginger Beer und morgen mit Kinderschampus.
Weil ich die besten Kinder habe und wir dieses Jahr geschafft haben!
Jungs, ihr seid die Grössten!

Ich liebe euch!
IMG_1870

Klasse Treffen

Zweimal Ausgang hintereinander: 💃

Klasse treffen

Meine Klasse hatte ich ja schon Donnerstag letzte Woche getroffen, aber vorgestern bin ich dann tatsächlich ans Schulhausfest. Den ganzen Tag hatte ich mich darauf vorbereitet und – im Bett verbracht. Und auf dem Weg dorthin dachte ich, es fühlt sich ein klein wenig wie Freiheit an. Wie eine Erinnerung an Freiheit.
Es war toll!
Es war die reinste Überforderung!
Die Kollegen haben mich begrüsst, wie ein Stargast und sind Schlange gestanden, um mich zu begrüssen.
In der Freude (die meisten haben mich zuletzt Anfang Mai gesehen) sah ich vor allem auch die Erleichterung, dass ich so aussah, wie ich aussah.
Hier auf dem Blog steht auch die ganze depressive 💩. Dieser Krebsweg ist definitiv kein Spaziergang.
Und doch wird mir öfter gesagt, dass ich so eine Kraft ausstrahle, meine Augen leuchteten.
Ich könnte erwiedern, wenn ich deprimiert bin, schleiche ich höchstens zum Bäcker… Aber ja, mit jedem Tag nach der Chemo fühle ich mich wieder ein Stück mehr im Leben und an der Energiequelle angedockt.
Ein kleines Stück.
Ich habe mich am Fest mit positiver Energie aufgeladen, sogar etwas mit meinem Beziehugstsunami-Wetterfaun auf der Tanzfläche gewippt.
Und dann bin ich zu Hause in einer Mischung aus Totalerschöpfung und freudiger Ekstase ins Schlafkoma gefallen.

Klassentreffen

Ich hatte mir offen gelassen, ob ich komme und die Organisatorin über meine Krankheit informiert. Den ganzen Freitag hatte ich wieder im Bett verbracht, da ich mich nach Donnerstagabend fühlte, wie vom D-Zug überrolt. Und gegangen bin ich mit leichten Kopfschmerzen und dem Wissen, dass es zuviel ist. Aber das letzte Treffen war 8 Jahre her – damals hatte ich noch 1 Meter rotes Räuberhaar – und wer weiss schon, was in weiteren 8 Jahren ist.
Ich war nur ein Jahr mit ihnen in der 4. Klasse der Grundschule. Trotzdem sind das die Leute aus meinem Dorf, wo ich – mit 5 Jahren Unterbruch – aufgewachsen bin. Kontakt habe ich sonst keinen mehr, aber viel Neugier auf die Schlenker, die das Leben so schlägt.
Und da ich eher Aussenseiter bin, nehme ich eine seltsame Rolle ein, nicht nur wenn ich mit weissem Raspelirokesen und schwarzer punkig-eleganter Kluft dort auftauche.
Es war toll!
Es war eine Überforderung!
Es war spannend.
Sogar meine Schwester tauchte kurz vor dem Lokal auf, um mich zu sehen.

klasse Treffen

Ich fühlte mich endlich wieder im Leben. Raus aus der Chemo-Isolationshaft. Und wenn ich über meine Energiegrenzen ging, nächste Woche im Spital werde ich bekocht.
Aber die guten Energien, die ich auftanken konnte, nimmt mir keiner.