Liste ans Unviversum

Im Moment brauche ich dringend:

  • Umarmungen
  • weisse, vegane Schokolade
  • Gefühl in meinen Fingerkuppen
  • Gelassenheit
  • Pedicure
  • Moussaka von meiner Freundin
  • 1-m Ollie, Rock to Fakie und Kickflip
  • Augenbrauen
  • Sonnengetrockneter Lakenduft
  • Gesundheit
  • mein Picknick, dass noch zu Hause auf dem Tisch liegt
  • Urlaub am Meer
  • Energie
  • Haut, die sich sonnen lässt
  • eine coole Netflix-Serie (möglichst 12 Staffeln)
  • Zuversicht
  • 3 Caipiroshkas
  • ein neues Dachfenster im Estrich
  • Doc Martens
  • Liebe
  • einen Koch / Astronautenfood
  • schöne Träume
  • durchtanzte Nacht
  • Haare (auf dem Kopf)
  • Drogen
  • Jemand, der meine schweren Müllsäcke trägt
  • animalischen Sex
  • Freiheit

Gespräche: Little Barça

Onkologe: Aha! Wieder im Style. Mit Board!
Ich: Ja, schönes Wetter! Wussten sie, dass der Boden im Haus 1 wie Barcelona klingt? Wie die Marmorplatten in Barça!
Onkologe: Wo? Unten?
Ich: Ja. Im Erdgeschoss.
Onkologe: Sie fahren IM Spital?
Ich: Also nur ein wenig. Nicht dass mich die polizistige Pflege rausschmeisst…
Onkologe winkt ab: Aaaach, das werden sie nicht. Ich fahr da auch mit dem Roller.
Ich: Ok. Sonst reiss ich mir das Piratentuch vom Kopf. Dann haben eh alle Mitleid.
Onkologe: 👍🏻 👍🏻

1. Chemotag mit Regen

Onkologe: Heute ohne Skateboard?
Ich: Naja, es regnet!
Onkologe: Und da kann man nicht skateboarden?
Ich: Eher nicht.
Onkologe: Warum?
Ich: Es ist rutschig und das Board verliert den Pop. Die Spannung im Holz.
Onkologe: Aha. Das kann nur einer fragen, der nicht skateboarded, oder?
Ich: Ja.
Onkologe lacht: Und sie sagt noch ja!!

Aber. Olé!
4/12 = 1/3 Taxol ✅
bzw. 8/16 von allen Chemos ✅ 💪🏻💪🏻

On my Board: Bald but Beautiful 👩‍🦲🛹✌🏻

Skatelesson im Park.
Ok.
Mini-mini-mini-Skatelesson.
Aber immerhin.

Die Physiotherapiehalbstunde ist ausgefallen, also spontan Koordination und Gleichgewicht im Park trainiert.
Und das geht im Moment nicht alleine. Meine Kondition ist übel, meine Angst zu stürzen gross. Nach 5 Kickturns muss ich mich ausruhen. 🙈
Aber he! Ich war im Park!!!! 💪🏻💪🏻💪🏻
Ansonsten ist es im Moment nur viel zu heiss für alles.
Mit meinem tiefen Blutdruck ist mir schon in gesundem Zustand alles über 25° Grad zu heiss. Und jetzt?
🥵🥵🥵
Glücklicherweise ist mein Haus über 100 Jahre alt = dicke Mauern und schön kühl.

Heute gehts zur 3. Chemo der 2. Phase. Das wäre dann schon 1/4 geschafft.

Und vom Knoten kann ich bereits nicht mehr viel tasten…. 🤔
Kann das sein?
Können wir dann aufhören mit Chemo, bitte? 🙏🏻
Wohl kaum.
🤷‍♀️

PS: Lieber Herr Onkologe, Glatze trug ich natürlich nur fürs Foto. Ansonsten 👷‍♀️.
Versprochen! 🤞🏻

PPS: Diese Emojiflut ist hitzebedingt. Mein Hirn ist niedergegart. 🧠🔥

PPS: Auf in die Klinik. Jetzt!

PPPS: Nachtrag: Weicher ist der Tumor geworden und darum seine aktuelle Grösse schwer abzuschätzen, meint Herr Doktor.
Aber es geht was. 🦀💥🔫

Neues Chemo-Schema: Angst und Erleichterung

Furchtbar nervös war ich, vor dem neuem Schema.
Einerseits hatte ich erstmals zweieinhalb Wochen Pause nach der letzten AC Gabe. So gut ging es mir also seit Beginn der Behandlung noch nie. Und so wurde mit näherrücken des neuen Chemo-Termins die Unlust, meinen Körper neu vergiften zu lassen, immer grösser. Denn so fühlte sich dieses erste Chemo-Schema jeweils an. Ich werde innerlich vergiftet.
Andererseits wurde mir gesagt, dass die neuen Medikamente sehr, sehr langsam verabreicht werden würden, ich dazwischen zwei Stunden überwacht werden müsse und ich genügend Zeit einberechnen sollte. Leider hatte ich verpasst zu fragen, was denn schlimmes passieren könne. Super Voraussetzung für einen phantasievollen Menschen auf der Chemo-Wartebank…

Leider fühle ich mich von der Bebilderung der Info-Broschüre nicht so ganz angesprochen. Warum wohl?

So bin ich am Mittwoch nach einer unruhigen, kurzen Nacht um 09:30 mit meinem neuen Skateboard ins Spital gefahren, um den obligaten Bluttest zu machen. Das Gespräch mit dem Onkologen war auf 10:00 Uhr geplant und ich rechnete mit so späterem Nachmittag, um wieder raus zu sein. Well.
Um 17:40 Uhr verliess ich das Spital.

Wie immer wurde ich sehr umsorgt, bekam ein Kissen, damit mein Infusionsarm bequem lag. Ich hatte mich mit meinem Noise-Canceler-Kopfhörer, dem Hape Kerkeling Hörbuch und Lesematerial ausgestattet. Aber die Zeit schlich doch furchtbar langsam.
Das erste Mittel eine Stunde lang, dann spülen. Das zweite Mittel anderthalb Stunden lang, dann spülen. Und obwohl mir beim letzten Mal gesagt wurde, ich dürfte in der Überwachungspause ruhig mit dem Infusionsgalgen etwas im Park spazieren gehen. ging das nicht, weil des Ruckeln des Lifts ins Erdgeschoss eine Verletzung meiner Vene hätte provozieren können und dann hätten sie für die Chemo nochmals neu stechen müssen.
Aber ich durfte auf den Balkon, der zwar schmal, aber etwa 15m lang war. Dort zog ich meine Runden und schaute in den Spitalpark.
Dann noch einmal eine Stunde für das Taxol.
Allergieschock hatte ich keinen, mein Puls war normal, Fieber bekam ich auch keins, alles gut also.
Ein paar Mal musste ich aufs Klo. Und ich habe eine Hochbegabung diesbezüglich, ich schaff es immer den Infusionsschlauch so um den Galgen zu wickeln, dass ich mich nicht auf die Kloschlüssel setzen kann und das Teil erste auswickeln muss.
Einmal wusste ich nicht, ob ich diese Infusionsmaschine, die die Einlaufgeschwindigkeit misst, vom Strom trennen darf, um aufs Klo zu gehen. Also drückte ich den Alarmknopf.
Da stürzten sie gleich zu zweit ins Zimmer.
Ich: Alles easy. Ich muss nur aufs Klos und wusste nicht, ob ich das ausstecken darf.
Sie lachten: Ja. Easy auch her. Ich helfe kurz!

Im Gegensatz zum Doxorubicin brennt Taxol nicht in den Venen. Mir wurde auch kaum übel. Müde war ich, aber das vielleicht auch von dem ganzen Tag im Spital. Insgesamt ging es mir am Abend nach der Chemo so gut, wie sonst vielleicht am Tag 6.
Am nächsten Morgen habe ich mich kurz gefragt, ob sie mir vielleicht nur NaCl verabreicht haben, so gut wie ich mich fühle. Aber da habe ich meine roten Chemobäckchen im Spiegel gesehen und das leicht aufgedunsene Gesicht.

Aber es ist wirklich kein Vergleich mit dem ersten Chemo-Schema.
Sogar im Kino war ich gestern. Das erste Mal seit Therapiebeginn hatte ich genug Energie!!!
Leider hatte ich dann in den Träumen ein furchtbar schlechtes Gewissen. Sämtliches Personal wies mich darauf hin, dass ich jetzt Kopfschmerzen habe, weil ich mir zuviel zugemutet hätte. Dabei war es wohl der Wetterumschwung, der mein Kopf zum hämmern brachte.
Aber ein schlechtes Gewissen haben, weil man am Tag nach der Chemo es schafft ins Kino zu gehen und einfach mal alles vergessen, das ist ja auch superschräg…
Es darf ja auch wieder mal etwas einfacher sein.
Nicht?

Punk und Krebs: Stinkefinger nicht vergessen

Alle sprechen immer davon, gegen den Krebs zu kämpfen. Ich weiss nicht, ob man das kann. Ich kann nicht dauernd mit erhobener Hellebarde rumrennen und die starke Frau mimen. Manchmal ist schlicht auch die Erschöpfung zu gross.
Ich bin immer noch zufrieden mit mit meinem Leben und halte mich für glücklicher als einige, daran ändert auch die Diagnose nichts. Das heisst nicht, dass ich nicht wütend bin, weine oder mich bedauere. Wie am Samstag, als ich fast kollabierte in der Stadt und das Gefühl hatte, nur noch 10% ich zu sein, der Rest ist Erschöpfung.
Aber noch bin ich hier. Ich lebe und die Prognose ist gut.

Ich versuche mir meinen Stinkefinger zu bewahren. Ich nehme die Krankheit ernst, aber ich darf trotzdem darüber witzeln. Ich stehe aus Protest aufs Skateboard, obwohl ich eigentlich nicht in der Verfassung bin: nach der Mammographie, nach dem CT und sobald es mir letzte Woche Donnerstag nicht mehr so übel war. Auch wenn nicht mehr drin liegt, als einmal quer über den Platz pushen, Quarter rauf, Fakie runter und Revert und das alles quasi Zeitlupe.
Ich war am Samstag an der Premiere des Skatefilms, auch wenn leider nur kurz. Aber ich war da.

Da, Krebs! 🖕
Ich lass mir nicht alles nehmen!