Corona-Update

Heute ist der erste Tag, an dem ich mir nicht meine Lunge raushuste.
Wer auch immer behauptet, Corona sei ja nur eine Erkältung, dem werfe ich gerne einen meiner Doc Martens Richtung Hohlkopf.
Gut, begonnen hatte es genau so. Und darum habe ich auch ein paar Freunden Quarantäne beschert. Weil ich (Depp) nach dem Tag Gartenbankabschleifen in der Bise wirklich nur mit einem Schnupfen gerechnet habe. Ausserdem sind ja gerade Frühlingsferien. Und auf einer Party war ich auch nicht. Ich habe also nicht die geringste Ahnung, woher nun das Virus kam.
Erst tropfte die Nase, etwas frieren, etwas Husten, druckempfindliche Haut. Nach drei Tagen klang alles ab. Dann kam der Reizhusten. So ein oberflächlicher, giftiger. Gleichzeitig war ich plötzlich kurzatmig und unglaublich schlapp. Da machte ich erst einen Selbsttest – der positiv ausfiel. Dann den PCR-Test.

Abends kam die Bestätigung. Das war an Tag sechs der ersten Symptome. Ich war vorwiegend schlapp. Der Kaffee schmeckte noch. Der Schnupfen war vorbei und ich hüstelte etwas rum. Es war mir dauerübel. Aber ich dachte, easy, dann liege ich etwas auf dem Balkon in der Sonne, lese und sitze so meine Isolation ab.
Donnerstag hustete ich schon mehr, erkundigte mich mal nach der Maximaldosis meines Asthmasprays. Ich stellte fest, dass wenn ich nur still rumliege, ich auch nicht versuchen muss, zu Luft zu kommen und somit weniger husten.

Wer schon einmal einen Asthmatest gemacht hat, weiss in etwa, wie das ist, wenn man gefühlt noch einen Drittel der Lunge zur Verfügung hat. Freitag war es noch ein bisschen schlimmer und Abends sass ich nach Luft schnappend auf dem Sofa, bis mein Kleiner mir vorhielt, ich solle jetzt endlich den Arzt anrufen.
Ich rief erst die Krankenkasse an, krächzte nach Luft schnappend meine Symptome in den Apparat. Dann den Notfall.

Nach der Testung bekam ich Unterlagen, die mir erklärten, wie ich mich in der Isolation zu verhalten  hätte. Haha. Isoliert euch mal, wenn ihr Kinder habt, die mit euch in Quarantäne sind. Und leider stand dort auch nirgends, was denn zu tun sei, wenn man mal notfallmässig seine Sauerstoffsättigung prüfen sollte und alleinerziehend mit zwei Kindern ist. Wen auch immer ich fragte, den setzte ich einem Risiko aus. 
Und zu Fuss schaffte ich den zehnminütigen Weg auch nicht mehr, ich brachte ja kaum einen Satz mehr raus. 
Also Kinder zu Papa. Eine (bereits geimpfte) Freundin fuhr mich in ihrem Riesenauto bei offenen Fenstern und ich hustete in meine FFP-Maske.

Vor dem Notfall erscheint eine Pflegekraft mit Fiebermesser und fragt, ob ich Fieber hätte, ich sage, nein Corona. Da hüpft sie zurück und erscheint mit dem Sauerstoffsättigungsmessgerät: „Na gut hat das so ein langes Kabel!“
Tatsächlich, die anderthalb Meter kann sie so locker einhalten.

Dann komme ich in den Corona-Verschlag, den sie vor dem Notfall gebaut haben. Blutabnahme. Untersuchung. Abhören.
Und dann Entwarnung. Meine Lunge knistere, wie eine typische Covid-Lunge.
Eine Verschlechterung am 7. Tag sei auch häufig. Ich müsse nicht bleiben, ausser ich hätte Bedenken.
Ich wurde mit Medikamenten ausgestattet, Tipps, der Auflage, sofort anzurufen, bzw. vorbei zu kommen, wenn die Atemnot sich zuspitze oder ich keine Flüssigkeit mehr zu mir nehmen könne (War mein Blut dickflüssig? Haben sie gemerkt, dass ich nicht nur kaum gegessen, sondern auch kaum getrunken habe…?).
Meine Freundin holte mich wieder ab. Sichtlich erleichtert: „In den letzten zwei Jahren habe ich dich noch nie so gesehen. Du sahst noch nie so Scheisse aus! Dafür riskiere ich hundertmal Quarantäne, um dich in den Notfall zu fahren!“
Das muss ja was heissen, in Anbetracht von Chemo, OP, Bestrahlung und Co in diesem Zeitraum.

Es schnappt sich echt leichter nach Luft, wenn man weiss, dass man nicht gleich am Ersticken ist.

Am nächsten Tag ging es unverändert – immerhin nicht schlechter. Dann minim besser.
Meine Ex-Schwiegermutter brachte mir Essen vorbei und ich hatte so einen Hustenanfall, die Arme, war richtig geschockt. 
Gestern rief mich das Contact Tracing an, um sich zu erkundigen, ob ich zwei Tage symptomfrei sei, damit die Isolation aufgehoben werden könne. Ich hustete der guten Frau so in den Apparat, dass sie nur meinte: Ah, Frau Tinkakartinka? Sie haben offenbar noch Symptome. Dann verlängern wir mal um zwei Tag. Waren Sie beim Arzt? haben sie Medikamente gekriegt? Das sollten sie beobachten…“

Meine beiden Jungs haben sich seltsamerweise nicht angesteckt, das ist mir ein Rätsel. So wie ich meine Aerosole hier in der Luft verteilt habe, eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Ausser, sie sind immun. Waren symptomfrei erkrankt. Wer weiss.

Und heute nun, endlich krieg ich wieder Luft! Plötzlich geht es mir massiv besser.
Bis auf meine Schlappheit. 

Erkältung? My ass!

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