Was für Wochen…

Schon erstaunlich. Vor einem Jahr diskutierten wir, ob ich wohl eine IV-Rente brauche und nicht mehr wirklich zurück in meinen Beruf kann. Ein Jahr später bin ich auf dem Pensum vor der Erkrankung und spiele an sechs Abenden hintereinander vor Publikum. Dazu die Arbeit, die Kinder.
Natürlich war ich nach dem ersten Aufführungsblock k.o., denn meistens kann ich nach einer Aufführung nicht gleich einschlafen, sondern liege so bis 02:00 Uhr wach. Und wenn ich dann am nächsten Tag um 07:30 Uhr vor der Klasse stehe und am Abend nochmals auf der Bühne… also länger wäre das nicht gegangen. Auch wenn es an jedem Abend Standing Ovations und dementsprechend Energie gab, so merkte ich nach dem Aufführungsblock meine Fatigue wieder.
Und dennoch konnte ich Arbeiten gehen. Ist das nicht wunderbar?


Nach ein paar Tagen Pause – die mein Kleiner zu Hause verbracht hat, da seine Klasse in Quarantäne geschickt wurde (10 positive Schüler, zwei positive Lehrer, mehrere positive Eltern – alle Erwachsenen Impfdurchbrüche), folgte dann ein Gastspiel in einer anderen Stadt. Auch das hiess wieder: Mittwochmorgen arbeiten, abends Generalprobe, Donnerstag arbeiten bis 15:00 Uhr, zwei Stunden später Soundcheck in einer anderen Stadt, dann Aufführung, Freitagmorgen arbeiten, Freitagabend Aufführung.
Und jede Bühne ist anders und verändert das Stück ein wenig. Jedes Publikum ist anders. Ich liebe es so, auf der Bühne zu stehen!
Tja und dann hatte ich eine Woche lang eine ganz simple Erkältung. Die erste seit drei Jahren. Wen wunderts, nach soviel Programm.


Und damit es mir nicht langweilig wurde, hatte ich den ersten Coronafall in der Klasse. Eine Woche später, an einem Sonntag, den zweiten. Am Dienstag den dritten, am Mittwoch den vierten. Am Donnerstag mussten alle Schüler und Lehrpersonen zum Spucktest antreten. Am Freitag kamen die Resultate: noch zwei Schüler. Wir beschlossen in Eigenregie, die Klasse auf Fernunterricht umzustellen. Am Samstag kam der offizielle Bescheid, dass die Klasse in Quarantäne geht.
Das bescherte mir am Samstag vier Stunden einen Nebenjob als Aussenposten des Bundesamtes für Gesundheit und am Sonntag zwei Stunden. Ich meine, ist ja prinzipiell eine gute Idee, dass die auf ihrer Homepage auch Infos in einfacherer Sprache anbieten, nur sollte man die nicht mühsam erst mit einem gut versteckten Link aufrufen müssen. Kein Wunder, musste ich aufklären, übersetzen beruhigen. (Siehe mein anderer Blog).

Wer meint, Online-Unterricht sei easy, hat keine Ahnung. Am Mittwoch hatte ich 15 Stunden mehr gearbeitet und mein Wochenpensum eigentlich schon überschritten. Gut, ich unterrichte auch die Schwächeren – äquivalent zur Hauptschule. Aber da ich in weiser Voraussicht seit Sommer im Medien- und Informatik-Unterricht nichts anderes gemacht habe, als mit ihnen die Handhabung von Teams, Word, Klassennotizbuch und Mail zu üben, sind sie wohl fitter als alle anderen Schüler und einige Lehrpersonen an meiner Schule.
Trotzdem war es unglaublich anstrengend! Mein Tinnitus sagte auch noch hallo. Den war ich doch schon lange los…
Gut, ich gebe zu. Ich war auch feiern am Samstag. Da ich ja ein inkarniertes 3G (genesen, geimpft und getestet) war, dachte ich, das liegt drin. Nur 03:00 Uhr Morgens ist halt auch arg früh in meinem Alter…
Nun bin ich k.o.


Die Schulen gehen heute schon zu. Eigentlich hätten wir noch Unterricht bis am 23.12. Aber da hier grad die grosse Durchseuchung läuft – 90 Klassen in Quarantäne alleine in meinem Kanton – beschloss der Kantonsrat, die Schüler früher nach Hause zu schicken. Je nach Schule hat man Glück oder Pech. Ich habe Pech, meine Schule ist der Meinung, wir müssten die Schüler die nächste Woche noch online beschulen. Laut Medienmitteilung müssen die Schulen ein Betreuungsangebot anbieten und Material zur Verfügung stellen. Da hat wer in der Schulleitung was falsch verstanden.
Well.
Wir sind ja grad so gut drin. Und ist ja sowieso Jahresarbeitszeit.
Aber erstmal: Wochenende!

Hinterlasse einen Kommentar