Weihnachten im Auto

Nein, das war Weihnachten zu Hause

Immer wieder überlege ich mir, einen Camping-Bus zuzulegen. Aber ich zögere, weil ich nicht so viel Geld für ein Riesenvehikel ausgeben möchte. Ausserdem besitzt gefühlt jede 3. Familie einen T3, T4, California oder eine andere Marke. Campervans sind irgendwie vom Hippie-Bus über Surfer-Hipster-Freiheitsauto zur Familienkutsche des Mittelstands-Bünzlitum mutiert. Seit der Pandemie sei es noch inflationärer geworden.

Gut, als die Kids klein waren und ich noch verheiratet, hatten wir auch ein Wohnmobil und das war super. Mit dem sind sind wir aber nicht täglich rumgekurvt.

Nun hätte ich mein Traumauto gefunden: ein superflexibler Hochdachkombi mit Aufstelldach. Leider wird er noch nicht in die Schweiz importiert. Und günstig ist er auch nicht.

Als ich einer Freundin davon erzählte, meinte sie: „Ah, eher ein Schönwetter-Camper.“ Schönwetter-Camper? Weil die Küche wie bei einer Campingbox nicht fest innen verbaut ist? Wer brät sich denn ein Steak im Bus bei Sturm, so dass nachher alles nach Bratfett stinkt? Es gibt doch keine Schönwetter-Camper! Und auch kein zu schlechtes Wetter. Hmmm…

Am 24. Dezember feierte ich mit meinem Kleinen und meinem Grossen, dann gingen sie zu Papa. Am 25. Dezember googelte ich: Im Auto übernachten im Winter.

Den ganzen Tag über verwandelte ich meinen Honda Civic in ein Schlafmobil.

  • Isolation
  • Verdunkelung
  • Schlafkomfort
  • Licht
  • Sicherheit

Schlafkomfort: Da sich die Rückbank vollständig runterklappen lässt, besteht eine grosse Liegefläche (Füsse im Kofferraum). Meine dicke Exped-Matte ist sehr bequem und isoliert gut.

Isolation: Ich besitze gefühlt 8 verschiedene Isolationsmatten. Eine für die Windschutzscheibe, eine auf der Liegefläche neben der Schlafmatte.

Verdunkelung: Und gleichzeitig Sicherheit gab am meisten Arbeit. Einerseits wollte ich, dass nicht jeder, der ins Auto guckt, sieht, dass ich drin schlafe. Andererseits sollte möglichst wenig Licht nach draussen dringen, damit ich nicht auf mich aufmerksam mache. Ich konnte nichts einkaufen gehen. Hatte also keine Saugnäpfe, Gymnastikmatten, Filz oder Supermagnete. Erst klemmte ich ein Stück Badetuch in der Fensterscheibe ein. Zum Glück bin ich beweglich und kann den Stoff mit einer Hand und zwei Füssen in Position halten, währen die zweite Hand die Fensterscheibe hochfahren lässt (stellt euch das bitte bildlich vor!). Mit Holzspiesschen in Plastiktrinkhalmen fixierte ich den Sichtschutz unten im Fenstergummi.

Schien mir aber etwas umständlich. Und es sollte die ganze Nacht regnen – ich wollte nocht dass sich der Frottee vollsaugt. Nach einem Versuch mit zusätzlich Kabelbinderlaschen und Vorhangklemmen, änderte ich die Strategie. Ich spannte von Handgriff zu Handgriff bis in den Kofferraum Paracord. Mit einer Vorrichtung zum Nachspannen. Und befestigte mit Wäscheklammern den Stoff vor den Rückfenstern. Hinter die Vordersitzen kam eine Art Schlafsackdecke an den Paracord – Sichtschutz und Wärmedämmung zugleich.

Am Ende hatte ich eine gemütliche, vollverdunkelte Schlafhöhle. Auf der Ablage vor der Heckscheibe lagen als Dämmung zwei Kissen und mein neuer, schwedischer High-Tech-Wintermantel mit 10‘000er Wassersäule. Vom Haken beim Handgriff baumelte der Autoschlüssel und eine LED-Lampe.

Olaf und Babytiger vom Kleinen kamen mit

Ich parkierte das Auto im nebligen Nirgendwo, zwanzig Meter von einem Wohnmobil entfernt auf einem Waldparkplatz. Dann machte ich einen kurzen Spaziergang. Im Nichts. Dunkelheit, Nebel. Unglaublich ruhig. Bis ein Licht im Wald auftauchte und ein Frauchen ziemlich erfolglos versuchte ihren kläffenden Hund von mir weg zu beordern.

Nacht und Nebel hat einen Riesenvorteil: Man muss sich keinen Busch zum Pinkeln suchen. Besonders nicht, wenn es die ganze Nacht regnen soll. Gut, wenn die Wohnmobil- Nachbarn leider genau dann aus ihrer Tür treten… 🤷‍♀️

Die Wärme war zu beginn etwas problematisch: ich verschmachtete und musste mich erst langsam dem kühler werdenden Auto anpassen.

Um Mitternacht musste ich wieder mal (Antihormone 🙄) und es goss in Strömen. Laut Wetterradar mussten ich und meine Blase noch zwei Stunden ausharren. Wäre ich ein Mann, wärs wohl einfacher gewesen, trocken zu bleiben beim Wasserlassen. 🙈 Um 01:00 erwachte ich wieder: Stille! Schnell schlüpfte ich in meine Barfussschuhe, kletterte aus dem Auto und spurtete zur Baumgruppe. Als ich erleichtert wieder in den Schlafsack kroch, tröpfelte es bereits wieder aufs Autodach.

Um 05:24 schaute ich aufs Handy und dachte, die Nacht ist dann wohl bald vorbei. Um halb neun wachte ich erneut auf und wusste erst gar nicht, wo ich bin. Halb neun? So lange hatte ich nicht mal zu Hause geschlafen!

Ich zog die Thermowäsche aus, meine Kleider (=mein Kopfkissen) an. Dann verwandelte ich meine Schlafkabine in ein Auto zurück. Fror augenblicklich, als ich vor dem Auto im eisigen Wind stand. Und entschied mich für ein Frühstück zu Hause.

Fazit: Es gibt kein schlechtes Wetter zum Campen. Nur ein schlechtes Wetter zum Pinkeln. 🙂🙃

Frohe Festtage!

Hinterlasse einen Kommentar