Hilfe in depressiven Phasen

Lego bauen

Das Einzige im Leben, bei dem alle Teile passen und alles nach Plan aufgeht.

Britische Kochshows gucken

Das ist ja an sich schon skurril. Und dennoch, die Zutaten haben immer die richtige Menge, Kuchen gehen auf, das Fleisch ist zart und die Kruste knusprig.
Alles geht leicht von der Hand!
Zumindest beim Zuschauen.

Rosamunde Pilcher

Nein. So schlimm ist es noch nicht!

Mal freiwillig unter der Nadel

Ich: Also medizinisch habe ich es abgeklärt und alles ok.
Sie: Hatte der Arzt nichts dagegen?
Ich: Ich weiss, prinzipiell haben ja alle Ärzte was gegen Tattoos. Aber die Onkologen sind da anders.
Sie: Echt?
Ich: Was soll er denn sagen? Die Farben sind krebserregend? Hahaha. Zu spääääät!

nach 2h

Sie: Wie gehts? Mit der Farbe weitermachen?
Ich: Gut! Ich schlaf gleich ein…

nach 2,5h

Sie: Gehts noch?
Ich: Kein Problem. Ich döse hier etwas.

nach 3h

Sie: Jetzt ists unangenehm, oder? Gehts noch?
Ich: No problem. Ich bin Schmerzexperte.

nach 3,5h

Sie: Fast geschafft! Endspurt! Jetzt musst du noch durchhalten!
Ich: Wie lange?
Sie: Halbe Stunde.
Ich: Cool!!

Die schwarzen Outlines fühlten sich bloss wie das Ritzen einer Messerspitze auf Haut an. Die dickeren Linien wie sanftes schneiden.
Das Schattieren wurde dann als Erstes etwas schmerzhaft.
Und die Farbe dann, das war so mehr wie ein Rumkratzen in einem üblen Sonnenbrand.

ABER

Ich wusste, nachher ist es vorbei. Keine zwei Wochen Nebenwirkungen. Keine Verschlimmerung wie bei der Bestrahlung.
Einfach vorbei. Und dann heilt es.
Und so war es sehr vorausseh- und handlebar.
No problem.
Und ja, ich bin tatsächlich weggedöst…. 😬

Genau das!

Ich hatte immer gesagt, der Krebs kann mir nicht mein Leben nehmen, vielleicht bringt er mich um, aber das Leben nimmt er mir nicht.
Das konnte ich natürlich sagen, weil ich nicht bettlägerig Stage IV palliativ und austherapiert war. Und ich habe alles dafür gemacht, dass das auch so ist, für mich und mein Umfeld.
Und nun?
Nach Operation, 33 Bestrahlungen, 21 Infusionen Chemo in 1 1/4 Jahr, alles fertig. Soweit NED (oder wie mans nicht ganz treffend auf deutsch nennt: krebsfrei). REHA, Corona, zwei Trennungen, 3 Wochen Ferien ganz alleine ohne kids, alles überstanden. Lymphödem langsam besser, Zehennägel wachsen nach, Mund spuckt kein Blut mehr, die ersten Arbeitstage Stunden und die Luft ist raus.
Nix da mit Leben erobern: Hurra ich lebe noch, schaut her! 💃

Eher klebrig vorwärts robben, mich durch den Tag hangeln und mich fragen, wozu? Dazwischen der Wunsch, mich einfach wo hinfallen zu lassen und liegen zu bleiben. So als kurzhaariges Neutrum. Bald fallen ja eh die Blätter, decken mich zu. Fällt wohl nicht auf. Ich fehlte ja doch schon lange, alle lebten so gut ohne mich. Also, lasst mich doch.

Jetzt ist das Leben weg.

Ja. Genau das meinte ich damit. Ist das Leben nicht ein Arschloch? Hä?
Ja eben.
Danke.

Oh hello again

Na, das ging ja lange, bis ich es gecheckt habe. Ja Tinkakartinka, du kannst nicht alles. Nein.
Erst dachte ich, die Erschöpfung. Kein Schlaf, kein Wunder, begann doch grad der Arbeitsversuch.
Und wer hat schon Hunger, bei dieser Hitze? Da möchte man sich doch den ganzen Tag im Bett verkriechen und niemanden sehen – ist ja nett kühl im Haus.
Und das man sich mal wie der letzte Dreck fühlt, na das kommt halt vor! Und wie Abfall, seelisch und körperlich defekt und beschädigt, wertlos.

Mein emotionales Gleichgewicht zu finden, absorbierte meine ganze Energie. Und am Samstag hatte ich auch 3 grossartige Stunden, am Sonntag hart erarbeitete 2h Zufriedenheit und gestern deren drei. Vom Rest spreche ich lieber nicht.
So viel Seelenhygiene wie ich betreibe, müsste ich innerlich rein erleuchten. Mach ich aber nicht.
Tja. 🤷‍♀️
Hello again. Hast ja lange auf dich warten lassen – in Anbetracht der Umstände…
Nun, um mich den ganzen Tag, das restliche Leben unter der Bettdecke zu verkriechen, dafür hat sich das letzte Jahr also definitiv nicht gelohnt!
☠️

Liste Reloaded

Ich hatte ja da mal so eine Liste und hab jetzt mal alles gestrichen, was schon erfüllt wurde:

  • Umarmungen
  • weisse, vegane Schokolade
  • Gefühl in meinen Fingerkuppen
  • Gelassenheit
  • Pedicure
  • Moussaka von meiner Freundin
  • 1-m Ollie, Rock to Fakie und Kickflip
  • Augenbrauen
  • Sonnengetrockneter Lakenduft
  • Gesundheit
  • mein Picknick, dass noch zu Hause auf dem Tisch liegt
  • Urlaub am Meer
  • Energienoch stark ausbaufähig
  • Haut, die sich sonnen lässt
  • eine coole Netflix-Serie (möglichst 12 Staffeln)
  • Zuversicht
  • 3 Caipiroshkas 🤪🤪
  • ein neues Dachfenster im Estrich
  • Doc Martens 2 Paar 😬
  • Liebe
  • einen Koch / Astronautenfood
  • schöne Träume
  • durchtanzte Nacht
  • Haare (auf dem Kopf)
  • Drogen
  • Jemand, der meine schweren Müllsäcke trägt
  • animalischen Sex
  • Freiheit

Einen Koch brauche ich nicht mehr und jemanden, der die Müllsäcke trägt auch nicht.
Um die Fenster (sind inzwischen zwei) kümmere ich mich bald.

Das mit der Gesundheit ist so weit so gut und das Meer kann warten, ich habe meinen Privatnacktbadeplatz. 😁

Auf Drogen kann ich locker verzichten, das Leben ist grad wunderbar (mit Vorbehalt, am Wochenende wars das, gestern wars beschissen 🤷‍♀️).
Mein Grosser und mein Kleiner sind ziemlich gut drauf und wir schauen uns prima. 🧑🏼‍🦱👦🏼🧒🏼

Das mit der Liebe ❤️ wäre noch offen. Hallo? Universum? Aber lass dir ruhig Zeit, ich brauch noch etwas. 🙏🏻

Sonst schlittere ich wieder in Halbes rein… oder bin totalüberfordert.

Ernüchterung

Eigentlich hatte ich einen so positiv frohlockenden Beitrag geschrieben – gestern – so frohlockend wie ich gestern zur Arbeit fuhr.
Fünf Stunden später bin ich nach Hause und bin zusammen gebrochen. Habe mich ins Bett gelegt: Kopfschmerzen, Übelkeit, Tinitus, Totalerschöpfung.
Ich war bloss einen halben Tag dort!!!
Ich bin ein Wrack.

Dann Abends Totaleskalation mit meinen Jungs und ja, nur falls ich es vergessen hatte, die letzten Wochen:
Ich bin allein.
Ich bin allein für alles zuständig.
Ich bin weder fit noch gesund.
Und ich fühlte mich, als sollte man mich am Besten gleich kompostieren. Abfall. Verfallsdatum überschritten, angeschimmelt und nutzlos.

Keine Hilfe ist es, meinen Ex mit seiner Honeymoon-Ausstrahlung zu sehen, da wir ja am selben Ort arbeiten.
Und das neue Auto, die zehn Jahre jüngere Freundin und die drogeninduzierte Selbsterfahrung haben auch in der Punkvariante etwas sehr klischiert-stereotypes.

Was hatte ich in ihm gesehen?
Das habe ich mich die letzten Wochen immer wieder gefragt. Und wozu der zweite Versuch mit einem Mann, der mir sowohl indirekt als auch direkt immer wieder zu verstehen gab, dass ihn mein Zustand in seiner persönlichen Freiheit einschränkt, der mich energetisch total geschlissen hat?
Nun, wahrscheinlich weil ich krank und hilfsbedürftig war. Auch ich bin schwach und mitunter naiv. Und weil ich nicht wahrhaben wollte, dass der Mann, mit dem ich fast fünf Jahre zusammen war – mein Kleiner kennt ihn die Hälfte seines Lebens – tatsächlich so ist. Sich so verhalten kann, dann, wenn ich wirklich jemanden gebraucht hätte, der zu mir steht und zurücksteht. Immerhin gab er offen zu: Ich bin mir halt der wichtigste Mensch!

Die Enttäuschung und die Verletzung schwappen manchmal noch hoch. Besonders bei Erschöpfung, ansonsten überwiegt die Erleichterung. Die Wut auf ihn und auch auch auf mich, dass ich den Scheiss mitgemacht habe. Auch das wird mal vorbei sein.
Erstaunen und Ungläubigkeit gingen auch.
Und die Erschöpfung?
Ich hoffe es!

Und der nächste Post ist positiv. Aber erst, wenn ich mich erholt habe.

Entsorgen

Heute habe ich mit grosser Erleichterung einige Dinge entsorgt, die ich nicht mehr brauche.
So habe ich die ganzen Medikamente, die ich während meiner Chemo gegen die Nebenwirkungen oder gegen die Nebenwirkungen der Nebenwirkungs-Medikamente gebraucht habe, den ewigen Jagdgründen der Apotheke übergeben.

Natürlich könnte ich das eine oder andere noch mal brauchen, etwas gegen Verstopfung oder Durchfall. Lieber weniger das Antipsychotika.
Aber ich wollte das alles endlich loswerden!!!
Denn schon alleine beim Anblick meines Medi-Kistchens wurde mir schlecht: Fortecortin, Paspertin… 🤢🤢

Und nun kann ich endlich das Küchenschränkchen öffnen und den Kaffee rausnehmen, ohne immer wieder an den red devil erinnert zu werden.

👋🏻👋🏻 farewell

The Last One

Morgen ist meine letzte Chemo.
Also, hoffentlich natürlich! Nochmal will ich nicht!!!!
knockonwood

Ich glaube, nachher will ich mich einfach irgendwo hinlegen und nicht mehr aufstehen, so fühlt es sich jetzt an. Das ist so seltsam. Wieder so ein Moment, bei dem man bilanziert, das Jahr Revue passieren lässt. Dabei habe ich darauf grad so gar keine Lust!
Eigentlich wäre die Letzte ja am 20.07.20 gewesen, aber das Datum hatte ich verschoben, weil ich erst dachte, ich gehe zwei Wochen weg. IMG_5021
Ich hatte kurzzeitig Panik, da ich noch nie drei Wochen am Stück ohne Kinder war. Und das nach diesem Jahr! Fast schon buchte ich Lastminute was und dachte dann, nein, genau das nicht! Wann habe ich je Zeit einfach alles zu machen, was ich will, was mir gut tut. Und wenns eine Woche heulen ist, na dann… Und wegen Corona war Ausland für mich kein Thema. Aber in der Schweiz weg, um auf andere Gedanken zu kommen.
Dann habe ich festgestellt, dass ich das gar nicht muss. Ich habe hier ein perfektes Ferienhaus mit Atelier. Ich kann unter freiem Sternenhimmel schlafen, vor dem Fernseher  Pfannkuchen mit frischen Früchten frühstücken. Ich koche mir Schlemmermenus: Rindsplätzchen mit selbstgemachtem Kräuterbutter, Bohnen und Kartoffeln,  Pouletspiessli mit Sommergemüse und frischen Kräutern, Vitello Tonnato. Soviel Fleisch esse ich eigentlich selten, aber offenbar brauche ich es. Ich genieße es unglaublich!
IMG_4978Die erste Woche war ich fast nur hier, ich habe viele schöne Badeplätzchen entdeckt Mit Sand oder ohne, Strand, Amazonas oder Schilf.
Dann habe ich mich mal da und mal dort zum Essen eingeladen. Treffe Leute, die ich schon lange mal treffen wollte oder lerne neue kennen. Ich schlafe mal hier, mal da. Hab sogar seit langem wieder mal einen Kater gehabt…. 🙈
Glücklicherweise ist der vorbei, morgen müssen ja meine Leberwerte stimmen. 😬

Aber was ist dann, nach Morgen? Nach der letzten Chemo? Habe ich dann nach jedem Glas Wein oder Prosecco ein massiv schlechtes Gewissen? Alkohol ist ein Risikofaktor. Eigentlich der Einzige, den ich bei mir ausmachen konnte. Ausser eher später Kinder und nicht wirklich gestillt. Hormone sind der grösste Risikofaktor, aber die werden ja ausgeschaltet. Übergewicht habe ich nicht, Rauchen tu ich auch nicht (mehr). Sport mache ich, aber joggen liegt schmerztechnisch nicht drin. Auf dem Skateboard stand ich wieder und jeden Tag schwimme ich, mindestens einmal. Mal hier und mal da in der Aare, Türlersee, Bielersee, Zürisee, Limmat, Reuss. Werde ich ohne Chemo plötzlich Angst haben, mehr Angst haben, vor einem Rückfall? Ich weiss es nicht.
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Es waren zwei absolut grossartige Wochen. Aber heute Abend schlägt sie nun zu. Die Melancholie. Wie viele dieser Momente wird es noch geben? So bis ein komplettes Jahr rum ist, also, bis in einem Jahr? Ich hoffe doch nicht!
Aber ich bin auch sehr müde. Ich habe diese Woche nicht viel daheim geschlafen, viel unterwegs. Eigentlich zuviel. Dann kommt die Müdigkeit und ZACK, so ein Depro-Hammer dazu. Das kenne ich erst seit der Krebstherapie. Diese Erschöpfung, nicht nur körperlich, sondern immer auch seelisch. Nettes Doppelpack. Danke.
Teilweise wusste ich, dass ich zuviel mache, immerhin das kann ich schon wieder einschätzen.
Aber ich wollte mir das Leben in voller Dosis geben! Mich richtig auffüllen mit guten Momenten, guten Gesprächen, Treffen, Essen, Erlebnissen. Dazwischen gab es auch Halbtage oder Tage mit Rückzug und Stille, schreiben, lesen, malen, schwimmen.

Was ich nicht wusste und jetzt erlebt habe, wie viele Freunde da sind. Wie viele Menschen es gibt, die mir gut tun. Die lustig und gleichzeitig tiefgründig sind, echt. Wo ich mich einfach wohl fühle, weil ich ich sein kann, mit allen Ecken die ab sind, dem schwarzen Humor und meiner Geschichte. Ich.

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Zukunft ausmalen

Warum ist mir das erst heute aufgefallen?
Irgendwann in der Reha hatte ich die Nase voll davon, Krebsbilder zu malen. Ich wollte ein Zukunftsbild malen in kräftigen Farben.
Also bekam ich ein grosses Stück Papier ca. 1,5m x 2m und nah mir den breitesten Pinsel, blau und grün und malte wie wild drauf los.

Und dann stand das Bild etwa 3 Wochen zusammengerollt in der Ecke. Ich konnte mir einfach nicht ausmalen, was denn in Zukunft werden sollte.
Irgendwann nahm ich es wieder raus und schmierte erst mit den Händen weiter Farbe drauf, gestalten, formen. Zukunft selbst im die Hand nehmen.

Das sah aber zu sehr nach fleischigen Büropflanzen aus, also griff ich wieder zum Pinsel.

Und das ist mein: Ich-will-ins-Leben-reinspringen-Bild.

Und dann kam Corona, Schulen zu, vereitelter Arbeitsversuch, Trennung und trotzdem…

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Was male ich als nächstes? 🤔😄