Tanz!

Einer der Pläne in der Reha war ja, 5Rhythmen zu tanzen.
Einmal war ich im Park, da allerdings ohne Anleitung. Gestern nun zum ersten Mal „richtig.“

Ich sollte das ganz, ganz viel machen. Alles raustanzen!
Ich liebe es, den Kopf auszuschalten und die Musik und den Körper machen zu lassen.
Beim Chaos schüttelte ich den ganzen Scheisskrebs weg, die Chemo, das Stechen, Übelkeit, Schmerzen, all den Scheiss vom letzten Jahr. Glücklicherweise war da genügend Platz, sonst hätte der eine oder die andere noch ein Arm, Bein, Fuss in der Magengrube gehabt.
Doch danach, beim Lyrical schwappte die Welle über mich und die Trauer spülte mich weg. Dieser Traum letzten Sommer, der Traum vom Sterben, die Einsamkeit und die Angst, einsam zu sterben, nach der Trennung. Alles war wieder da.
Und die Tränen liefen beim Tanzen. Auch später wieder beim Heimradeln.
Es ist alles noch da.
Hängt fest, klebt im und am Körper.
Das muss raus, will ich wieder ganz ich sein, ohne diesen Ballast, diese Traumaschichten.

Fazit: Nassgeschwitzt, Blasen an den Füssen, aber gelacht und geweint und gelebt.

Will ichs wissen?

Nun ich bin ja Fan meines Onkodocs. Und das nicht nur wegen des schwarzen Humors, sondern auch, weil er unangenehme Sachen so ausspricht, dass ich nicht gleich denke, ich bin bald tot.
Da können zwei Ärzte genau die gleiche Info geben, aber mit einer völlig anderen Wirkung.
Wer ans Theater kommt, der wirds hören.
Und es gibt natürlich nicht nur lockerflockige Gespräche, sondern auch Unangenehmeres, aber ich habe nie das Gefühl, dass er mir eine Information vorenthält.

Ich: Was ist eigentlich mit dem CT? Da stand doch was in einem Bericht.
Er: CT? Ah ja.
Ich: Die Lunge. Die Auffälligkeit.
Er: Wollen sie das wirklich wissen?
Ich: 🤔
Er: Also wenns weg ist. Dann, nun ja….
Ich: Dann hab ich automatisch ein Upgrading, bzw. upstaging?
Er: Weil der Tumor hatte ja gut auf die Chemo angesprochen.
Ich: 🤔
Er: Im besten Fall ist es noch da.
Ich: Aber nur unverändert.
Er: Genau. Dann weiss man halt nicht, was es ist.
Ich: 🤔
Er: Ich schau mir nochmals den genauen Wortlaut des Befunds an. Dann entscheiden wir.

Es kommt darauf an, welche Konsequenzen für die Behandlung und die Nachsorge das Ergebnis haben wird.
Falls es keinen Unterschied macht, muss ich gar nichts wissen.
Auch wenn ich sonst immer ALLES wissen will.

Welche Wahl

Er: Ja, eine Reise! Ihr Buch steht in meinem Büro. Da seh ichs auf dem Regal: not planned!
Ich: 😬
Er: Die Chemo ist das Schlimmste. Nicht?
Ich: Alles zusammen ist es. Das Bild mit der Frau und den Händen. Man wird gestützt und gehalten, aber eben auch….
Er verzieht schmerzvoll das Gesicht.
Ich: Und dieses Gefühl, nichts bestimmen zu können.
Er: Nicht ganz.
Ich: Eine Wahl hat man nicht wirklich.
Er: Doch…
Ich: Man kann ja oder nein sagen.
Er: Und bei denen die nein sagen, die sagen das so überzeugt, da wissen Sie, Sie haben keine Chance. Die Entscheidung steht.
Ich: Das war für mich keine Wahlmöglichkeit. Nicht in meiner Situation, nicht beim ersten Mal.

Ich muss ihm noch sagen, die Chemo ist sicher das Schlimmste von den Nebenwirkungen her, weil der Impact auf den ganzen Körper riesig ist.
Aber das Entwürdigenste war die Bestrahlung. Dort waren die Nebenwirkungen nur lokal, aber dieses Atmen und Grillieren und Tschüss…. Furchtbar!

Leider ohne Handtuch

Chemo zum 20.

Er: Und?
Ich: Ich darf wieder zur Arbeit.
Er: Wie ists?
Ich: Anstrengend! Seltsam.
Er: Wie seltsam?
Ich: Ich sass da im Lehrerzimmer und dachte, die sind alle bloss ein Jahr älter geworden. Ich wurde einmal durchs Universum geschleift.
Er: Ja, passt wahrscheinlich. Eine andere Galaxie.
Ich: Per Anhalter, aber ohne Handtuch.
Er: Haben Sies gelesen?
Ich: Nur das Vorwort.
Er: Lesen Sies! Lohnt sich!

Dolly und Shakira

Nach der Behandlung ist in der Behandlung, hört das mal irgendwann auf, dass der eigene Körper die reinste Baustelle ist?

Da sitze ich wieder mal barbusig im Spital, vor mir die Physiotherapeutin, die andächtig meinen Busen mustert: Sehr schön! Wirklich sehr schön gemacht!
In einem anderen Kontext könnten Busenkomplimente ja durchaus reizvoll sein, das Spital glänzt da eher durch Skurrilität.
Heute werden ja den Frauen nicht per se alle Lymphknoten entfernt. Das minimiert die Chance für ein Lymphödem am Arm, nicht aber für eins an der Brust.
Meine Linke hat also momentan ein bis zwei Körbchen Vorsprung auf die Rechte.
Meine Lymphdrainagespezialistin soll mich nun von Schmerzen und Ballast befreien und massiert und gibt Tipps.
Ich solle mir doch den linken BH austopfen, weil Kompression kann helfen. Sie gibt mir was zum Zuschneiden für zu Hause.
Ich schneide, ich stopfe.
Oh, aber hallo. Links Dolly und rechts Shakira?

Have a click:
Dolly und Shakira

Also nein! 🙈

Feiern!

Es gibt Leute, die feiern ihren cancervasery, den Jahrestag ihrer Krebsdiagnose.
Morgen vor einem Jahr hatte ich meine erste Chemo, am 10. Mai 2019.
Und ja, ich bin etwas melancholisch, soviel ist passiert, was ich nie wollte, nicht geplant hatte und gerne darauf verzichtet. Und dennoch fühle ich mich meilenweit von meinem ich vor einem Jahr entfernt –  und möchte nicht dahin zurück.

Also feiere ich. Ich feiere meine Kinder, die mir die ganze Zeit grossartig zur Seite gestanden haben!
Nun ja, sie können ja auch nicht weg (hehe), bin ja die Mutter.
Sie haben sich nie beklagt, wenn sie etwas nicht machen konnten. Zum Beispiel, dass wir nicht so oft ins Schwimmbad konnten oder nicht in die Ferien.
Vielleicht waren sie enttäuscht, aber das versuchten sie mir nicht zu zeigen. Kann sein, weil sie merkten, dass ich alles, was in meinen Kräften lag, tat. Ich versuchte möglichst viel zu machen, gute Momente finden, feines Essen, Erlebnisse, damit sie möglichst ihr Leben haben, wir unseres. Und ich ging manchmal weit über meine Kräfte, aber ich fand, das lohnte sich. Für seine Liebsten geht man halt auch mal über die eigenen Grenzen.

Also feiern wir. Gestern mit Hamburgern vom Feuer und einer Nacht unterm Sternenhimmel (bis es zu Regnen begann…). Heute mit Sushi und Ginger Beer und morgen mit Kinderschampus.
Weil ich die besten Kinder habe und wir dieses Jahr geschafft haben!
Jungs, ihr seid die Grössten!

Ich liebe euch!
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🦀Bilderbuch

Hab ja sonst nicht viel zu tun, ausser die Scherben wegzuräumen, von allem was zerbrochen ist und wegzubrechen scheint und warten.
Ob und wann und wie ich wieder arbeiten darf, ob und wann und wie es mit diesem Ausnahmezustand weitergeht.
Also habe ich mir ein Buch mit meinen 🦀Bildern gemacht.

So zum Jubiläum quasi. Heute ist Freitag in der zweiten Schulwoche nach den Frühlingsferien. Letztes Jahr war das der Zeitpunkt der ersten Chemo. Auch wenn es vom Datum her noch ein paar Tage geht bis zum exakten Jahrestag.
Deshalb nur ein Quasi-Jubiläum.

Vielleicht sollte ich mir heute einen Campari Soda gönnen. 🤔 (Schön in der gleichen Farbe wie die Infusion)

Rückeroberung III

Sonne!!!

Ostern und Sonne und Kirschblüten. Sonne, von der ich nach dem Jahr mit Schattenpflicht – empfindliche Haut durch die Chemo – nicht genug kriegen kann. Immer brav mit LSF 50 und die bestrahlten Hautpartien bekleidet, natürlich.

Wasser!

Ich liebe Wasser! Auch Baden konnte ich chemobedingt nur begrenzt. Nach der OP nicht. Während der Bestrahlung und zwei Monate danach auch nicht. Also eigentlich nur während 2-3 Monaten.

Und ja, normalerweise springe ich nicht an Ostern in Flüsse. Normal ist jetzt aber nichts. Für niemanden. Also Klamotten ausziehen und rein!

(Und dabei noch meinen persönlichen Kaltwasserrekord von 9° C, den ich mit 9 Jahren an Pfingsten aufgestellt habe, um ein Grad unterbieten.)

Tolle Ostern!